"Sonny Boys" feiert Premiere im Komödienhaus Heilbronn

Heilbronn  Es ist das verzwickte Comeback zweier alter, kauziger Komiker: Jens Kerbel inszeniert "Sunny Boys" mit Frank Lienert-Mondanelli und Stefan Eichberg in den Titelrollen. Diesen Samstag feiert der tragikomische Bühnenspaß Premiere im Komödienhaus Heilbronn.

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"Sonny Boys" von Neil Simon feiert diesen Samstag Premiere im Komödienhaus Heilbronn

"Ich bin glücklich, ich sehe nur unglücklich aus": Frank Lienert-Mondanelli (rechts) ist Willie, Stefan Eichberg sein ehemaliger Bühnenpartner Al.

Foto: Rebekka Münch

Übel gelaunte Komiker? Kommt vor, wenn man es sich zum Beruf gemacht hat, Abend für Abend andere zum Lachen zu bringen. 43 Jahre waren Willie und Al das Komiker-Duo am Broadway: Sonny Boys, wie der gleichnamige Titel des Bühnenerfolgs von US-Autor Neil Simon aus dem Jahr 1972, der von zwei kauzigen Männern erzählt, deren ruhmreiche Zeit längst Geschichte ist.

Mit ihrem legendären Doktor-Sketch brachten sie das Publikum zum Brüllen, während hinter der Bühne nicht nur eitel Sonnenschein herrschte. Eine höchst lukrative Schicksalsgemeinschaft, bis Al die Zusammenarbeit kündigte und Willie und Broadway den Rücken kehrte. Das liegt nun elf Jahre zurück, doch Willie wird es seinem Partner nie verzeihen. Soweit die Ausgangssituation in Simons charmanter Komödie "Sonny Boys", die mehrfach erfolgreich verfilmt wurde.

Der Autor: Der Dramatiker und Drehbuchautor Marvin Neil Simon, 1927 in New York geboren und 2018 gestorben, wuchs in der Bronx auf. Nach Studium, Militär und Pressearbeit für das Büro Warner Brothers wurde Simon zu einem der populärsten US-Dramatiker. Seine Komödien sind mehrfach verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Mit dem Stück "Barfuß im Park" mit Robert Redford feierte er seinen Durchbruch am Broadway, 1967 folgte die Kinoversion. Simon schrieb auch Musicals, darunter "Sweet Charity".

"Das sind im Grunde zwei alte Männer"

In der Regie von Jens Kerbel wird Frank Lienert-Mondanelli zu Willie Clark und Stefan Eichberg zu Al Lewis, diesen Samstag ist Premiere im Komödienhaus Heilbronn. Dabei erzählen ihre schrulligen Figuren - "das sind im Grunde zwei wirklich alte Männer", findet Eichberg - nicht nur von ungleichen Bühnenpartnern und dem verzwickten Versuch eines Comebacks. Sondern auch vom unwiderstehlich mystischen Raum Theater und der Arbeit auf der Bühne.

"Eine wirklich gute Geschichte", unterstreicht Lienert-Mondanelli, der weder Druck verspürt noch ein Rollenvorbild im Kopf hat. "Ich habe den Film mit Walter Matthau angesehen, er macht das grandios", sagt Eichberg. In Heilbronn nun machen sie ihr eigenes Ding, zweieinhalb Stunden mit Pause, angesiedelt im New York der 80er Jahre.

Die Beziehung zwischen Willie und Al, überlegt Stefan Eichberg, darf man mit einer Ehe vergleichen, wo sich meist auch einer unterordnet, aus Vernunft, Temperamentsgründen oder Einsicht. "Zwei Alphatiere, das funktioniert nicht."

Wenn einer das Ende der Karriere nicht verkraftet

Das Alphatier, das mit dem Versinken in der Bedeutungslosigkeit hadert, ist im Stück der Part von Willie. Der das Ende einer langen Karriere nicht verkraftet. Und, tief gekränkt, selbst den geplanten, einzigen gemeinsamen Auftritt mit Al bei einem großen Fernsehsender ablehnt. Dabei könnten Willie und Al das Honorar gut gebrauchen.

Ob sich die beiden Schauspieler vorstellen können, eines Tages ähnlich zu reagieren am Ende ihrer Theaterlaufbahn? Auf 40 Jahre Bühnenerfahrung blickt Frank Lienert-Mondanelli zurück, in wenigen Tagen wird er 65 Jahre alt. "Mir geht es besser als dem Willie", bringt Lienert-Mondanelli ganz entspannt im Theaterbistro seinen Gemütszustand auf den Punkt beim Gespräch über die Produktion "Sonny Boys".

Jede Menge Freude am Spiel

"Die Blase, die Willie aufgebaut hat, ist tragikomisch, weil er nicht wahrhaben will, dass es vorbei ist." Kaum einen Text kann er sich mehr merken, selbst seine Werbeauftritte vermasselt er. "Ich möchte nicht in Willies Wahnsinn verfallen", schmunzelt Lienert-Mondanelli gelassen. Für Kollege Eichberg ist das alles noch kein Thema. 30 Jahre Bühnenarbeit hat der 54-Jährige hinter sich - und jede Menge Freude am Spiel, von dem er privat sehr wohl abstrahieren kann.

"Das Schöne mit den Jahren ist, dass man eine Art Pool an Erfahrungen hat, die einen gelassener werden lassen. Was nicht heißt, dass ich nicht mehr neugierig bin auf die Auseinandersetzung mit Rollen." An Regisseur Jens Kerbel, der schon mehrfach am Heilbronner Theater inszeniert hat, schätzen beide dessen präzisen Blick.

"Was die Arbeit mit ihm so angenehm macht", sagt Eichberg, "ist, dass er die Schauspieler nimmt, wie sie sind. Und: Er kann gut gucken." "Kerbel ist ein großartiger Vermittler", ergänzt Linert-Mondanelli. "So pathetisch es klingt, er lässt seine große Sympathie zum Klingen bringen."


"Sonny Boys"

Premiere: Samstag, 20 Uhr, Komödienhaus Heilbronn.

Regie: Jens Kerbel

Ausstattung: Carla Friedrich

Mit Frank Lienert-Mondanelli, Stefan Eichberg, Marek Egert, Marie Ulbricht.

 


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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