Slipknot feiern mit mehr als 10 000 Fans in ausverkaufter Halle

Stuttgart  40 Euro kostet ein Slipknot-T-Shirt am Fan-Stand. Die US-amerikanische Metal-Band ist inzwischen im Mainstream angekommen. Dabei schafft sie es, gleichzeitig so provokativ und erfolgreich wie kaum eine andere Band zu sein.

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Bilder von gruseligen Puppenköpfen und sich langsam zersetzenden Tierkadavern flackern über die großen Videoleinwände. Nicht weniger schauerlich ist das Outfit der neun Musiker, die auf der Bühne der ausverkauften Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle stehen. Die eigens entworfenen gesichtsverhüllenden Masken der Protagonisten erinnern an psychopathische Serienkiller aus einem Horrorfilm. Kaum eine Band schafft es, gleichzeitig so provokativ und erfolgreich zu sein wie die US-amerikanische Metal-Band Slipknot. Ihre Fans, die Band nennt sie liebevoll Maggots (Maden), sind der Band seit der Gründung 1995 treu geblieben. Mehr als 10 000 sind es am Samstagabend bei der aktuellen „We Are Not Your Kind“-Tour.

Slipknot feiern mit über 10 000 Fans in der ausverkauften Schleyer-Halle Stuttgart
Kaum eine Band schafft es, gleichzeitig so provokativ und erfolgreich zu sein. Foto: Ranjo Doering

Fiese, düstere Strophen und hymnische Refrains sind das Erfolgsrezept 

Der Sound der Maskenbande ist zwischen New- und Alternative-Metal anzusiedeln. Fiese Gitarrenriffs treffen auf druckvolles, hämmerndes Schlagzeugspiel und Sänger Corey Taylor, der wie selbstverständlich zwischen kratzendem, kompromisslosem Schreien und klarem melodischen Gesang wechselt. Mit dabei hat die Band Songs ihrer mittlerweile sechs Studioalben. Das Erfolgsrezept? Fiese, düstere Strophen und hymnische Refrains, die mit elektronischen Sprenkeln und vertrackten Percussion-Rhythmen überraschen. Auf der Bühne ist immer etwas los: Mit jeder Menge Chaos schafft die Band einen Soundtrack einer Dystopie, die Millionen von Fans weltweit begeistert. Da wird mit brennenden Baseballschlägern auf Tonnen geschlagen, Percussionist New Guy (Der Neue) klettert wie wildgeworden über die fünf Meter in der Luft hängenden Trommeln, DJ Sid Wilson wandelt mit roter Mönchskutte bekleidet mit verschwörerischen Gesten über die Bühne. Dazu kommen über 110 Minuten diverse Explosionen, eine spektakuläre Licht- und Feuershow und Akzente mit einem Mini-Flammenwerfer.

Die Band spielt mit ihrem düster-bösen Image 

Die Provokation ist bei Slipknot Willkür: Ausgestreckte Mittelfinger, Schimpfwörter und Songtitel wie „People = Shit“ (Leute = Scheiße) unterstreichen das düster-böse Image, mit dem die Band ach so gerne spielt. Da wird das Mikrofon auch kurzerhand mal zum Phallus umfunktioniert.

Mit ihrem Auftreten eckt die Band aus Des Moines im US-Bundesstaat Iowa an. Was gab es nicht für Schlagzeilen rund um das Nonett: Wegen angeblich gewaltverherrlichender Texte wurde ihnen 2002 eine Teilschuld am Amoklauf in Erfurt angedichtet – ein von den Medien zitierter Song existierte jedoch nicht. Wechselnde Bandmitglieder, der ehemalige Bassist Paul Gray starb 2010 an einer Überdosis Morphium, Querelen um mögliche Geldunterschlagung innerhalb der Band – Slipknot sorgen immer wieder für Gesprächsstoff.

Slipknot feiern mit über 10 000 Fans in der ausverkauften Schleyer-Halle Stuttgart
Mit jeder Menge Chaos schafft die Band einen Soundtrack einer Dystopie, die Millionen von Fans weltweit begeistert. Foto: Ranjo Doering

Die Hallen werden immer größer

Die Dimensionen sind größer geworden, und auch Slipknot genießen mittlerweile den süßen Geschmack des Erfolgs: „Jedes mal wenn wir hier sind werden die Halle größer“, fasst es Frontmann Corey Taylor mit einem Blick auf die vielen Zuschauer zusammen.

Dass die Band inzwischen im Mainstream angekommen ist, zeigt nicht nur die Hallengröße, sondern auch die stolzen Merchandise-Preise: am Fan-Stand kostet ein Slipknot-T-Shirt 40 Euro.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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