Sissi Perlinger im Interview vor ihrem Auftritt in Heilbronn

Heilbronn  Am 25. September kommt die bayerische Kabarettistin ins Komödienhaus nach Heilbronn. Im Interview spricht sie darüber, was derzeit die wichtigen politischen Themen sind und warum sie sich selbst als Bühnen-Schamanin bezeichnet.

Von Claudia Ihlefeld
Sissy Perlinger im Interview vor ihrem Auftritt in Heilbronn

Foto: Steffen Jänicke

Drei Jahre hat Sissi Perlinger an ihrem neuen Programm "Die Perlingerin - worum es wirklich geht" gefeilt, das Ende Mai in München Premiere feierte und mit dem das Multitalent im September ins Komödienhaus Heilbronn kommt. Über das, was ihr wirklich wichtig ist, Bühnen-Schamanismus und die Kraft des Lachens in politisch trüben Zeiten haben wir uns mit der Künstlerin unterhalten.

Sie gönnen sich ein paar Tage Ruhe in Ihrem Haus auf Ibiza, und das, obwohl Sie als Arbeitstier gelten.

Sissi Perlinger: Ich arbeite und übe wirklich gerne und recht diszipliniert. Aber die Zeit, bis ein Programm steht, ist intensiv. Da wache ich nachts auf und denke, o Gott, es ist noch nicht lustig genug. Oder, hat es zu wenig Tiefgang? Vielleicht ist es die wohltuende Altersmilde mir selbst gegenüber, dass ich tatsächlich das erste Mal seit ich denken kann Urlaub mache. Nur meditieren, Yoga, in den Garten schauen.
 

Sie bezeichnen sich als 150-prozentige Künstlerin, klingt ja fast manisch.

Perlinger: Es ist einfach so, dass mich nix anderes interessiert als Kreativität. Ich mache grundsätzlich keine Sachen, die ich nicht irgendwann in meine Show einbaue. Eine Yoga-Nummer und eine Sequenz über Meditation habe ich jetzt drin im Programm. Keine Angst, es ist nicht eso-mäßig abgehoben, sondern sehr lustig geworden.
 

Ja worum geht es nun in "Die Perlingerin - worum es wirklich geht"?

Perlinger: Das Programm ist sehr viel politischer als sonst. Ich persönlich bin immer politisch gewesen, habe das aber auf der Bühne lieber zwischen den Zeilen verhandelt. Aber derzeit gibt es Themen, um die kommen wir nicht mehr herum.
 

... und die wären ...

Perlinger: Klima, Rechtsruck, Rassismus und Raubtierkapitalismus. Bei all diesen Themen und einigen mehr kommt man der Quintessenz näher eben mit der Frage, worum es hier wirklich geht.
 

Nennen Sie ein Beispiel.

Perlinger: Die Tatsache, dass es immer wichtiger wird, dass wir nicht komplett gläsern werden, aber der Plan ganz konkret auf uns zu kommt, dass das Bargeld abgeschafft werden soll. Viele sagen: Na und, ich habe nix zu verbergen. Aber was ist, wenn es plötzlich verboten ist, zu dick zu sein, weil es die Arbeitsleistung schmälert? Der Staat erhält über die Abrechnung der Kreditkarte genaueste Einsicht in unser Essverhalten. Wir sollten alle wieder alles, was geht, in bar bezahlen. Kaufen ist das neue Wählen. Der Kunde entscheidet.
 

Obwohl wir selbst entscheiden könnten, sind wir denkfaul, manipulierbar und verführbar.

Perlinger: Die Leute werden ganz klar systematisch verblödet. Wenn ich den Fernseher anmache, spüre ich, wie man uns auf fast allen Kanälen auf ein niedriges Schwingungsniveau bringt aus Selbstentfremdung, Angst und Unzufriedenheit. So züchtet man Konsumenten.
 

Und nun liegt es an den Kabarettisten, Tacheles zu reden. Das tönt ein wenig nach Publikumsschelte, zumindest recht pädagogisch.

Perlinger: Tacheles reden, ja, Publikumsschelte, nein. Mein Programm ist zwar politischer, aber auch extrem lustig. Außerdem gebe ich den Zuschauern eine Art Handwerkszeug mit auf den Weg, mit dem sie sich aus eventuell aufkommenden Depressionen wieder raus ziehen können. Die menschliche Psyche ist nicht dafür gebaut, ständig mit der desolaten Lage der Welt konfrontiert zu werden...
 

... weswegen Ihre Show ...

Perlinger: ...eine Mischung aus dem ist, was gesagt werden muss, und dem, was einen Abend unterhaltsam macht. Ich möchte die Leute in erster Linie in ihrer Frequenz hochziehen. Dafür arbeite ich wirklich mit allen Tricks, die einem das Showbiz zur Verfügung stellt.
 

Sie sind Schauspielerin, Musikerin, Sängerin, Tänzerin, Kabarettistin, Autorin, bezeichnen sich selbst allerdings als Bühnen-Schamanin.

Perlinger: Die Bühnen-Schamanin ist die Summe all dessen, was ich bin. Schamanismus ist ja geistiges Heilen, das gelingt mir durch die Geschichten, die ich vorlebe, die Musik, die ich vorspiele, und vor allem durch das Lachen, das ich erzeuge. Wenn die Leute zwei Stunden richtig abgelacht haben, ist ihr Immunsystem für drei Wochen gestärkt.
 

Unter anderem mit Lachen wollen Sie tief in uns sitzende Muster knacken.

Perlinger: Es geht darum, seit der frühesten Kindheit tief sitzende, negative Glaubenssätze zu knacken und nicht an die eigenen Kinder weiterzugeben. Ich hatte das Glück, mit Hilfe einer Therapie solche Muster auflösen zu können und Tinnitus und mein Burn-out zu überwinden.
 

Es heißt, Sie waren schon als Kind außergewöhnlich gekleidet. Seit 15 Jahren tragen Sie ausschließlich Leoparden-Look. Woher diese Extravaganz?

Perlinger: Ich bin einfach Katze und nur in Leo wirklich Ich. In allem anderen fühle ich mich verkleidet. Wenn ich auf der Bühne in eine Rolle schlüpfe, dann wird es bunt, aber im normalen Leben ist es auch extrem praktisch, sich für einen Stil zu entscheiden. Ich muss nichts Neues kaufen, weil ich inzwischen für jeden Anlass und jede Temperatur alles habe. Alles ist super kombinierbar. Speziell Leo-Print hat den Vorteil auf Tourneen, es schmutzt nicht, es sind ja schon Flecken drin.
 


Auftritt in Heilbronn

Samstag, 25. September, 20 Uhr, Komödienhaus, Karten für 27 Euro: 07131 563001, www.theaterheilbronn.de.


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