Sänger Tom Jones feiert mit seinen Fans in Ludwigsburg

Ludwigsburg  Rund 3500 Fans sind am Mittwochabend zum Konzert des walisischen Sängers in den Hof des Residenzschlosses gekommen. Mit dabei hat Tom Jones zahlreiche Coversongs, seine großen Hits und Geschichten über Elvis Presley.

Von Ranjo Doering

Sänger Tom Jones feiert mit seinen Fans in Ludwigsburg

Sänger Tom Jones nimmt die Fans mit auf auf eine Reise durch mehr als 50 Jahre Musikgeschichte, spielt zahlreiche Cover und seine größten Hits.

Foto: dpa

Schon in der langen Schlange vor dem Eingang zum Residenzschloss wird klar: Viele Fans haben einen längeren Anfahrtsweg auf sich genommen. Aus Freiburg kommen die Besucher, aus Konstanz, sogar aus Gelsenkirchen und Erfurt sind sie angereist. 3500 sind es, die am Mittwochabend nach Ludwigsburg gekommen sind, um Tom Jones im Innenhof des Residenzschlosses bei den KSK Music Open zu erleben. Als "Tiger" wurde der gebürtige Waliser mit engen Hosen und offenen Hemden in den 1960ern zum Sexsymbol.

Bis heute, Jones ist mittlerweile stolze 79 Jahre alt, sind seine Fans ihm treu geblieben, im Schlossinnenhof trifft man nicht nur auf zahlreiche Fan-Shirts, auch die walisische Flagge haben einige Anhänger mitgebracht.

Krachend rockend geht es los mit "Burning Hell", einem John Lee Hooker-Cover, zu dem auf der Videoleinwand Funken sprühen, und sich im Laufe des Songs in einen Feuerball verwandeln. Und ja, Jones hat sie immer noch, diese gewaltige, kraftvolle Stimme und dazu die gewohnten Entertainerqualitäten. Kurzer Jubel brandet auf, als er beim hauchzarten Leonard-Cohen-Cover "Tower Of Songs" die Zeile "I Was Born With A Gift Of A Golden Voice" (Ich wurde mit einer goldenen Stimme geboren) anstimmt. Passend.

Tom Jones erzählt zu vielen Songs eine Geschichte

Was folgt, ist eine Reise durch mehr als 50 Jahre Musikgeschichte, eine Hommage an Weggefährten und Vorbilder, breitgefächert im Stil mit ausgesuchten Traditionals, Blues- und Rocksongs, hinter denen auch immer eine Geschichte steckt. "Run On" ist so ein Lied. "Diesen Gospelsong haben Elvis Presley und ich in Las Vegas manchmal die ganze Nacht gesungen", erzählt Jones. Randy Newmans Striptease-Hymne "You Can Leave Your Hat On", vielen besser bekannt in der Version von Joe Cocker, bekommt mit Jones" Stimme einen neuen Dreh - dazu räkeln sich auf der Leinwand lasziv drei weibliche Silhouetten.

Doch natürlich hat der "Tiger" auch seine eigenen Stücke dabei, auch wenn er sie live ein wenig abändert: "It"s Not Unusual" kommt mit einem Konga-Intro daher, "Delilah" atmet mit Akkordeonklängen und Kontrabass Südstaaaten-Cajun-Flair. "Diesen Song hat Peter Alexander auf Deutsch gesungen", sagt Jones und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Sexbomb" verpasst Jones ein Swinggewand und dehnt die Melodie bis zum Äußersten. Die Fans haben - nicht nur bei den bekannten Songs - Lust zu tanzen, und besetzen schnell die Plätze zwischen den Stuhlreihen und direkt vor der Bühne. Die Security-Mitarbeiter müssen nach einigen Minuten für Ordnung sorgen.

Amüsant ist eine Anekdote über die Castingshow "The Voice UK"

Jones ist nicht mehr der Geschmeidigste auf der Bühne, der Bewegungsradius ist überschaubar. Trotzdem lässt er sich beim Solomon-Burke-Cover "Cry To Me", bekannt aus dem Schmachtfetzen "Dirty Dancing", zu einem kurzen Tänzchen hinreißen. Amüsant wirft Jones eine Anekdote aus der Musik-Castingshow "The Voice UK" ein, bei der er als Juror dabei ist. Bei den sogenannten Blind Auditions, bei denen die Jury die Kandidaten nur singen hört, nicht aber zu Gesicht bekommt, kam dem Waliser eine Stimme bekannt vor. Und wer steht da? Der 35-jährige Peter Donegan, dessen Vater Lonnie Donegan in den 60ern Tom Jones den Hit "I"ll Never Fall in Love Again" schrieb. Beide spielen den Song in der Show, auch Ludwigsburg bekommt die pianogetragene Ballade zu hören.

Mit einem "Wir lieben dich Stuttgart", zahlreichen Verbeugungen und vielen Dankesworten verabschiedet sich Tom Jones nach 115 Minuten und 23 Songs von seinem Publikum, das den Waliser und seine fünfköpfige Band mit Standing Ovations verabschiedet.

Kompliziert wird es am Konzertabend für einige Fotografen. Dem Fotovertrag des Managements, das bei der Bilderauswahl der Berichterstattung mitentscheiden möchte, stimmen einige Pressevertreter nicht zu, darunter auch die Heilbronner Stimme. Deshalb wurde für diesen Bericht ein Agenturbild von einem älteren Konzert in Frankfurt am Main verwendet.


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