Rückblick auf das Leben bei der Imaginale in Heilbronn

Heilbronn  Die Compagnie La Pendue überzeugt in der Boxx des Heilbronner Theaters mit dem einfühlsam-humorvollen Stück "Tria Fata". Eine Puppenspielerin und ein Musiker sorgen für einen spannenden Abend.

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Eine Reise durch Höhen, Tiefen, Schicksalsschläge und Glücksmomente: Der Tod (Estelle Chalier) und Musiker Martin Kaspar Läuchli in "Tria Fata".

Foto: Thomas Vimmr

Wie betrachten Menschen ihr Leben im Rückblick, wenn sie wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt? Was waren die prägenden Ereignisse, die im Gedächtnis bleiben, oder kurz vor dem Tod noch einmal an einem vorbeiziehen? Und was, wenn man eigentlich noch gar nicht bereit ist, zu sterben?

Die Compagnie La Pendue aus dem südfranzösischen Herbeys nähert sich diesen Fragen am Mittwochabend beim Festival Imaginale in der Boxx des Heilbronner Theaters, mit dem Stück "Tria Fata" auf humorvolle, liebevolle, aber gleichzeitig auch eindringliche Weise.

Das Stück ist eine Reise durch die Stationen eines ganzen Lebens

"Ich bin noch nicht so weit. Ich bin noch topfit", sagt die namenlose Protagonistin des Stücks, eine alte Dame mit schloweißen Haaren, die ihr Leben lang als Hebamme gearbeitet hat. Im Rollstuhl sitzend, ist sie, am scheinbaren Ende ihres Lebens, mit dem Tod (Estelle Chalier) konfrontiert. Doch sie verhandelt, möchte ihr Leben noch einmal Revue passieren lassen, kaleidoskopähnlich ihre Erinnerungen durchspielen - zusammengehalten durch die Fäden der drei Schicksalsgöttinnen (Tria Fata).

Was folgt, ist eine Reise durch die Stationen eines ganzen Lebens, in einem bestens abgestimmten Dialog zwischen Musik und Animation in Szene gesetzt. In Zeitsprüngen begleitet der Zuschauer die Protagonistin durch Höhen und Tiefen, durchlebt Schicksalsschläge und Glücksmomente.

Von der Geburt, makaber aber humorvoll mit einem elektrischen Tortenschneider per Kaiserschnitt, geht es über die erste große Liebe, den Kampf um persönliche Freiheit im jugendlichen Alter bis hin zu Themen wie Vergänglichkeit von Zeit und Schönheit. Mit Virtuosität, Dynamik und Poesie gelingt eine temperamentvolle Inszenierung (Regie und Bühnenbild: Romuald Collinet), abwechslungsreich mit Hand-, Stab-und Schattenpuppen, die von Estelle Chalier zum Leben erweckt werden.

Untermalt wird das Ganze von eindrucksvollen Lichteffekten und dem Multiinstrumentalisten Martin Kaspar Läuchli, der mit Bassklarinette, Schlagzeug und Akkordeon passgenau Jazz-, Gypsy und Chansonklänge beisteuert.

Die Protagonistin stellt sich dem Tod mutig entgegen

"Ich habe mein Leben lang versucht, den Menschen zu helfen, Sie versuchen, den Menschen das Leben zu nehmen", stellt sich die Dame dem scheinbar übermächtigen Gegner mit viel Mut entgegen, und nimmt dem Tod dadurch vieles von seinem Schrecken. Viel Applaus nach 55 Minuten in der fast ausverkauften Boxx für eine Aufführung mit Herz und Humor, die nur einen Wermutstropfen hat: Die deutschen Untertitel der französischen Produktion im Bühnenhintergrund sind aus den hinteren Reihen nur schwer zu erkennen. Ist aber auch nicht nötig, um der einfühlsamen Geschichte zu folgen.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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