Randy Hansen rockt auf der Bundesgartenschau

Heilbronn  Randy Hansen aus Seattle lässt auf der Sparkassenbühne "The Music of Jimi Hendrix" aufleben. Ein klares Statement gibt es beim zweistündigen Konzert vom Musiker auch zur US-amerikanischen Regierung.

Von Leonore Welzin
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Keine Jimi-Hendrix-Kopie: Randy Hansen katapultiert das Publikum auf der Bundesgartenschau ein halbes Jahrhundert zurück. Foto: Leonore Welzin

"A wildcat did growl?and the wind began to howl" ("Eine Wildkatze knurrte und der Wind fing an zu heulen"): Die Fender wirbelt durch die Luft. Er schnappt sie, legt sie hinter den Kopf, spielt blind weiter, schließlich ganz nah und auf Augenhöhe, beißt er in die Saiten der E-Gitarre, zupft sie, wie eine Tier seine Beute, mit Zähnen: "There"s too much confusion (Zu viel Konfusion), No reason to get excited (Kein Grund zur Aufregung), There must be some kind of way outta here (Irgendeinen Ausweg muss es hier geben)" - was Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan poetisch verschlüsselt, mehr andeutet als ausformuliert, verdichtete Jimi Hendrix in einem Amalgam intensivster Emotionen.

Essenz der Rockmusik 

Keine andere Cover-Version von "All along the watchtower" ("Entlang des Wachturms") geht mehr unter die Haut, keine erlangt derartigen Kultstatus. Vom Urheber Dylan bekam sie den Segen, er hat sich fortan bei eigenen Auftritten an Hendrix orientiert. Für den Frankfurter Musikjournalisten Volker Rebell war es "die Essenz der Rockmusik schlechthin". Ein Revival dieser Essenz bringt seit Jahrzehnten Randy Hansen auf die Bühne. Mit "Watchtower" zieht Hansen ins Finale seiner knapp zweistündigen Hendrix-Hommage "The Music of Jimi Hendrix" auf der Buga.

Randy Hansen katapultiert das Publikum ein halbes Jahrhundert zurück

Randy Hansen ist keine Hendrix-Kopie. Auch wenn sich Stimmlage und Gesang des 64-Jährigen nicht vom Original unterscheiden, auch wenn er mit bekannten Titel wie "Foxy Lady" oder "Hey Joe" (Billy Robert) das Ü70-Publikum ein halbes Jahrhundert zurück katapultiert und in der Zeit des Debüt-Albums "Are You Experienced" (1967) landet, wirken die Songs nicht wie nacherzählt oder nachgemacht, sondern wie frische Schlüsselreize oder Türöffner in eine Welt der Mehrdeutigkeit, von Subtexten und Metaebenen.

Hansen, 1954 in Seattle (Washington) geboren, spielte in den frühen 1980er-Jahren unter anderem mit den Original-Musikern der Jimi Hendrix Experience Noel Redding (Bassist) und Mitch Mitchell (Jazz- und Rock-Schlagzeuger) sowie mit Buddy Miles, dem Schlagzeuger und Sänger von Hendrix" Band of Gypsys. Hansens aktuelles Line-up besteht in Europa aus Ufo Walter am Bass und Manni von Bohr am Schlagzeug.

Wie bei Hendrix fasziniert bei Hansen der Sinn für Ambivalenzen. Akkord-Umspielungen klingen sowohl nach Dur wie nach Moll. Wenn Hendrix dem Publikum den Rücken zukehrte, fummelte er an Verstärker, um auf kreative Weise gewohnte Klangbilder zu dekonstruieren. Ebenso Hansen, der zerrissen zwischen Rampe und Verstärker hin und herspringt, auf den Spuren des Originals technische Verfremdungen, elektronische Effekte und gezielte Rückkopplungen (er)findet.

Ein klares Statement zu US-Präsident Donald Trump

Seine scharfen, schroffen, oft auch schrillen Riffs suchen das Abgründige, der Sound wirkt extrovertiert. Ganz im Gegensatz dazu wird Hendrix von Freunden charakterlich als eher scheu und introvertiert beschrieben.

Was mit den Beatles-Titeln "Dear Prudence" und "Lucy in the Sky" begonnen hat, gipfelt im "Star-Spangled Banner" als Zugabe, der nahtlos in "Purple Haze" übergeht. Randy Hansen ist klug genug, die amerikanische Nationalhymne, damals ein Kommentar auf den Vietnamkrieg, nur als Fragment anzuspielen. Von der US-amerikanischen Regierung hatte er sich zuvor selbstironisch distanziert: "I"m not Donald Trump! No way!"

 

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