Novus String Quartet aus Südkorea beim Kulturring Heilbronn

Heilbronn  Komm', lieber Tod: Vier junge Musiker überzeugen in der Harmonie Heilbronn durch ihre zupackende Haltung mit Schubert, Haydn und Respighi.

Von Michaela Adick
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Novus String Quartet aus Südkorea beim Kulturring Heilbronn

Vier junge Musiker mit Konsequenz und Biss: Das Novus String Quartett beim Kulturring in der Harmonie.

Foto: Mario Berger

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr: Er möge doch bitte weiterhin Lieder komponieren, beschied Ignaz Schuppanzigh also Franz Schubert. Und, um keinen Zweifel offenzulassen: Mit seinen Streichquartetten möge er ihn bitte, falls er seinen guten Rat nicht befolge, künftig verschonen. So der heute als Doyen aller Streichquartette bekannte Schuppanzigh. Schubert, den sicheren Tod vor Augen, hatte ihm mit "Der Tod und das Mädchen" offensichtlich zu viel zugemutet.

"Der Tod und das Mädchen" (1824) eine Zumutung? Da würden die vier jungenhaften Mitglieder des Novus String Quartets aus Südkorea, die beim Kulturring in der Harmonie ihre Visitenkarte abgegeben haben, sicherlich nur den Kopf schütteln. Tief hat sich das Quartett, das mit nur einer Umbesetzung seit 2007 besteht und inzwischen gern gesehener Gast in den großen europäischen Konzerthäusern ist, in den Subtext des bis ins Mittelalter zurückgehenden Genres des Totentanzes hineingekniet.

Etwas durchaus Erotisches

Wenn der Tod das Mädchen anlächelt und flüstert "Komm", Mädchen, ich bin dein Freund", schwingt so Vieles mit: das Erwartbare, das Makabre und Moribunde, aber eben auch etwas durchaus Erotisches. "Der Tod und das Mädchen" ist ein Monolith, schwer zu durchdringen. Viel verlangt von Musikern, die heute in etwa so alt sind wie Schubert (1797-1828) in seinem Todesjahr: Mit Finesse und dabei erstaunlich zupackend umkreisen Yaeyoung Kim (Violine), Young-Uk Kim (Violine), Kyuhyun Kim (Viola) und Woongwhee Moon (Cello) die Themen Schuberts, der sofort im ersten Satz, ja, mit dem ersten Takt, Fakten schafft: Schubert laviert nicht lange herum.

Der Tod ist schon da, mit Doppelgriffen fordert Schubert die Musiker heraus und mit einer Wucht, die ihresgleichen sucht. Das Novus String Quartet, kurz ns4tet, stürzt sich hinein in das Abenteuer Schubert, nur um im zweiten Satz erfrischt wieder aufzutauchen. Die Mitglieder des Ensembles umtänzeln sich musikalisch, der Totentanz hat begonnen: Welch ein Kräftemessen, welch ein Locken und Verlocken. Aber er ist schon da, der Sensenmann. Zuversicht blinzelt noch einmal durch, im Scherzo lässt Schubert Musiker wie die Zuhörer hoffen: vergebliche Liebesmühe, wie sich erweist.

Welch ein Drama in vier Sätzen

Der Tod ist da. Und er gedenkt nicht nur zu bleiben. Er schafft es tatsächlich, dass er vom Mädchen angenommen wird. Welch ein Drama in vier Sätzen, bravourös und klug gelöst vom Novus String Quartett aus Südkorea. Dabei hatte der Auftritt in der Harmonie verhalten bis zurückhaltend begonnen: Mit Joseph Haydns Streichquartett Nr. 6 nämlich, einer Arbeit, die Haydn, finanziell wohl versorgt, 1771 in der Zeit eines Schaffensrausches geschrieben hat.

Im "Quartetto Dorico", dem Streichquartett Nr. 6 von Ottorino Respighi (1879-1936), gelingt es dem Novus String Quartett zu zeigen, was in ihm wirklich steckt. Die Spätromantik und beginnende Moderne liegt den vier Musikern, die in den letzten Jahren viel kollegiale Unterstützung von renommierten Streichquartetten erhalten haben: angefangen beim Hagen Quartett über das Artemis Quartett bis zum Belcea Quartett.

Im sakral anmutenden "Quartetto Dorico" von Resphighi, selten gespielt, mag man einen Blick in die Zukunft der Musiker erhaschen, die durch konsequente, penible Arbeit in 13 gemeinsamen Jahren eine erstaunliche Dichte und Kompaktheit erreicht haben. Rauschhaft spielen sie sich durch das Quartett, entstanden 100 Jahre nach Schuberts "Der Tod und das Mädchen." Man darf gespannt sein auf die Koreaner.

Die Musiker: Das Novus String Quartet entstand 2007 als Projekt an der Korea National University of Arts. Jaeyoung Kim (Violine), Young-Uk Kim (Violine) und Woongwhee Moon (Cello), Bratschist Kyuhyun Kim kam erst 2018 zum Quartett, machten bald international auf sich aufmerksam. 2008 übereugten sie die Jury der Chamber Music Competition in Osaka, 2009 gelang ihnen ein Achtungserfolg in Lyon. Das Kammermusikensemble erspielte 2012 beim ARD-Musikwettbewerb einen 2. Preis. 2014 errangen die jungen Musiker einen 1. Platz beim Mozart-Wettbewerb in Salzburg. Ihren Lebensmittelpunkt haben sie inzwischen in Deutschland gefunden.

 


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