Musentempel fernab der Ballungszentren: Die neue Tauberphilharmonie in Weikersheim

Weikersheim  Am 13. Juli eröffnet mit der Tauberphilharmonie eine multifunktionale Architektur. 14 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Warum Kultur heute nachhaltig sein muss und er die Konkurrenz nicht fürchtet, erzählt Intendant Johannes Mnich unserer Zeitung.

Von Claudia Ihlefeld

Musentempel fernab der Ballungszentren: Die neue Tauberphilharmonie in Weikersheim
Studierter Konzertpianist und Organisationstalent: Johannes Mnich, der Intendant der neuen Tauberphilharmonie, schätzt "nachhaltige Kulturarbeit". Foto: Mario Berger

Wenn übernächsten Samstag, am 13. Juli, die Tauberphilharmonie eröffnet, ist sicher nicht die letzte Silikonfuge gesetzt. Weikersheim aber hat dann ein Konzerthaus, das nicht nur architektonisch ein Zeichen setzt in der 7800-Einwohner-Stadt. 18 Veranstaltungen bis Ende September hat Intendant Johannes Mnich für den Sommer geplant, ab Oktober beginnt dann die eigentliche Saison.

Fotos ohne Baufahrzeuge gibt es noch keine, die Architektur der Philharmonie besticht nichtsdestotrotz: Im Dreieck zwischen Renaissanceschloss und Stadtkirche steht die Tauberphilharmonie und zitiert von außen die Schlossfassade. Im Konzertsaal entsprechen die Raumverhältnisse denen der Kirche: eine Fusion von Geschichte und Moderne.

Eine Konzerthalle mit spektakulärer Akustik

Johannes Mnich ist für seine 34 Jahre gut vernetzt, ein Hansdampf in allen Gassen im besten Sinne und selbstbewusst genug, dass das ambitionierte Projekt erfolgreich wird: fernab der Ballungszentren ein Haus zu etablieren, das dem gerecht wird, was Mnich "nachhaltige Kulturarbeit nennt". "Die Tauberphilharmonie ist ein wunderschöner Zwitter", sagt Mnich. Das heißt, eine Konzerthalle mit "spektakulärer Akustik". Und eine Stadthalle für Veranstaltungen von der Lesung bis zum Kabarett.

"Wir wollen ein Kulturzentrum sein für den gesamten Main-Tauber-Kreis." Mnich weiß wohl, dass Weikersheim allein zu klein ist, die 600 Plätze im großen Konzertsaal zu füllen, zumal es noch einen zweiten Saal gibt. Als "ein Haus für alle", versteht der umtriebige Kulturvermittler die Tauberphilharmonie und setzt auf die "grenzüberschreitende Wirkung von Kultur und Musik, von Gesprächen und Begegnungen".

Eine größere Bühne als im Carmen-Würth-Forum

Musentempel fernab der Ballungszentren: Die neue Tauberphilharmonie in Weikersheim
Bis nächsten Samstag sollen Gerüste und Baufahrzeuge verschwinden, wenn die Tauberphilharmonie eröffnet wird. Foto: Tauberphilharmonie

"Wir denken groß", lässt sich der junge Intendant von der Konkurrenz etwa eines Carmen-Würth-Forums in Künzelsau oder den zahlreichen Klassik-Sommerfestivals nicht beirren. Übrigens war in Weikersheim dasselbe Akustikbüro aus München am Werk wie in Künzelsau, wenngleich die 200 Quadratmeterbühne der Tauberphilharmonie größer ist als im Carmen-Würth-Forum.

Hinter dem bemerkenswerten Projekt stehen die Stadt Weikersheim, der Landkreis, das Land, der Bund und Sponsoren, allen voran die Wittenstein SE, der Hersteller von Planetengetrieben, Verzahnungstechnik und elektromechanischen Antriebssystemen.

Johannes Mnich, das spürt man, brennt für das Konzept Tauberphilharmonie. 1985 in Würzburg geboren, aufgewachsen bei Bremen, hat der studierte Konzertpianist früh realisiert, "dass es mir leichter fällt, zu organisieren". Obwohl er nach dem Diplom noch den Master in London gemacht hat. Mehrere Jobs gleichzeitig hatte Mnich damals im teuren Pflaster London, spielte Klavier auf Kreuzfahrtschiffen, organisierte Festivals, managte Kollegen.

Ein Stahlbetonkern mit Blechummantelung

Zurück in Deutschland, arbeitet er beim BASF-Kulturmanagement, leitet die Festivalakademie beim "Heidelberger Frühling", bis er die Stellenanzeige für die Tauberphilharmonie entdeckt. Wenn Mnich von den neuen Konzertsälen in Weikersheim spricht, gerät er ins Schwärmen: "Stahlbetonkern, Blechumantelung, Gipsfaserplatten, voll verklebte Eichenholzpaneelen schaffen eine fantastische Akustik."

Dass am 15. August sein Studienfreund, der Starpianist Igor Levit, einen Beethovenabend präsentiert und auf das Honorar verzichtet, so dass die Tauberphilharmonie 200 Karten Menschen anbieten kann, die sonst nicht ins Konzert kämen, freut ihn.

"Politisch und gesellschaftlich sind wir auch mit der Kultur nicht mehr in den 80er Jahren. Heute muss ich mir überlegen, welche Relevanz Musik jenseits von l"Art pour l"Art hat." Johannes Mnich spricht von einem Bildungsauftrag - ohne erhobenen Zeigefinger.

Die Eröffnung am 13. Juli ist ausgebucht

Die Eröffnung am 13. Juli bei freiem Eintritt ist längst ausgebucht, das heißt, alle 750 Zählkarten sind vergriffen. Bis Ende August ist vom Konzert mit Mic Donet, Elisabeth Brauß, einem Benny-Goodman-Abend, der Blasmusikformation Meute, dem Klanglabor Crescendos, dem Klavierkabarettisten Bodo Wartke bis zum Klaviertrio Catch und Entertainer Götz Alsmann das Programm so weit als möglich gefasst. In der Herbst-Wintersaison dann werden neben dem Royal Prague Philharmonic Orchestra, Ulrich Tukur oder Comedian Rolf Miller auch das Württembergische Kammerorchester Heilbronn unter Case Scaglione erwartet.

Bis jetzt läuft alles nach Plan für die Philharmonie in der Provinz. Wenn sein zweites Kind, das Mnich und seine Frau in diesen Tagen erwarten, noch vor der Eröffnung auf die Welt käme, wäre es perfekt.


Informationen und Karten

www.tauberphilharmonie.de

Baugeschichte: Die Stadthalle aus den 50er Jahren umbauen - oder ein Neubau? Aus der Analyse 2011 wächst der Wunsch der Stadt Weikersheim, sich eine multifunktionale moderne Konzerthalle zu leisten. Es folgt ein Architektenwettbewerb, den das Münchner Büro von Henn Architektur gewinnt. 2016 beschließt der Gemeinderat das 14-Millionen-Projekt, zwei Drittel übernehmen Bund, Land, Landkreis und Sponsoren, ein Drittel finanziert die Stadt. 2017 Baubeginn, jetzt am 13. Juli wird die Tauberphilharmonie eröffnet, ein kühler Bau mit zwei Sälen und einer Nutzfläche von 2200 Quadratmetern.


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