Laible und Frisch bei den Burgfestspielen

Jagsthausen  Der schwäbische Mundart-Schwank "Urlaubsreif" von Laible und Frisch feierte am Freitagabend Premiere bei den Burgfestspielen in Jagsthausen. Trotz eines spielfreudigen Ensembles, guter Ideen und der exklusiv für die Götzenburg geschriebenen Story zündet der Witz nicht richtig.

Von Leonore Welzin

 

Zehn Jahre Laible und Frisch! Alles hatte in der Ludwigsburger Filmakademie unter dem Arbeitstitel „Rosinen-Bomber“ begonnen. Aus der Erfolgsgeschichte: zwei TV-Staffeln (2009-2011) im SWR-Fernsehen mit zahlreichen Wiederholungen vor einem Millionenpublikum, zwei Theaterstücken (2015/2016), einer anschließenden Theatertournee durchs Ländle und dem Film „Do goht dr Doig“ (2017 mit 40.000 Zuschauern) wurde nun ein Spatzen-Lacher und Krähen-Kracher. 

Witz zündet nicht wirklich

In der Regie von Eva Hosemann uraufgeführt, gibt es in „Urlaubsreif“ (Autor: Sebastian Feld, Produzenten Frieder Scheiffele und Feld) zwar ein Wiedersehen mit Simon Licht als Manfred Frisch, Ulrike Barthruff als Marga Laible und Monika Hirschle als Dorffrisörin Uschi, aber verglichen mit „Bühnenreif“ und „Gut geklaut ist halb gebacken“ (maßgeschneidert für die Stuttgarter Komödie im Marquardt und das Komödienhaus Heilbronn) zündet der Witz nicht wirklich - trotz des spielfreudigen Ensembles, guter Ideen und der, fernab von Schafferdingen, exklusiv für die Götzenburg geschriebenen völlig neuen Story. 

Bühne wird zur Rezeption eines Luxus-Hotels

Öffentlicher Hotel-Betrieb trifft in der Götzenburg auf den Theater-Betrieb der Burgfestspiele samt Werkstätten, Publikums-Tribüne, Gewölbekeller und Open Air im Innenhof. Was für manchen Hotelgast verwirrend ist, nimmt der schwäbische Mundart-Schwank „Urlaubsreif“ als Ausgangssituation: Kriminalkommissar Ulmer (Ulrich Gall), offenbar ein Hotelgast der Rucksack-Fraktion, hat sich  im geschichtsträchtigen Gemäuer verlaufen und steht plötzlich auf der Bühne, die zur Rezeption eines Luxus-Hotels umgebaut ist (Bühne: Sabine Kohlstedt, Yvonne Marcour). Hinter der Theke empfängt ihn James, ein Service-Androide. Christian Bock, eine sensationelle Verkörperung dieses futuristischen Wesens, das am Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (KI) in Saarbrücken entwickelt wurde, spricht emotionslos in hoher Tonlage und  behauptet von sich „Ich habe keine Meinung, ich habe einen Code. Menschlicher Humor ist selbst für eine hochentwickelte KI wie mich zu komplex“. 

In „Urlaubsreif“ ist von der Fehde zwischen Bäcker-Handwerk und Großindustrie nur noch zwischen den Zeilen etwas zu hören, etwa wenn Manfred Frisch stichelt: „Wo das Arsen ist, kann das Spitzenhäubchen nicht weit sein“ und damit Uschi und Marga meint. Die beiden haben beim Kreuzworträtsel ein Wochenende im Burghotel gewonnen. Er will hier inkognito einen ungestörten Kurzurlaub mit seiner neuen Flamme Kicki (schön grotesk und akrobatisch Luisa Meloni) verbringen. Als Marga und Uschi fälschlicherweise für Damen des Hochadels gehalten werden, beschert dies Uschi einen fragwürdigen Verehrer (ehemaliger Götz-Darsteller Christopher Krieg als charmanter Heiratsschwindler) – auch Marga versucht sich nochmal als schwäbischer Vamp und beißt sich an einem Hotelgast,  Kommissar Ulmer die Zähne aus.

Gute Ideen sind nicht ausgereift

Der Humor, mal unter der Gürtellinie („Intimwaxing um die Fuckability zu erhalten“), mal nur für Schwaben verständlich („A halber Bolla isch nausgschmisses Geld“) zündet nicht wirklich. Gute Ideen (Kicki zur Burlesk-Tänzerin zu stilisieren, Slapstick mit den Sitzmöbeln) sind nicht ausgereift, werden nur angedeutet, aber nicht durchgeführt. Das Karussell aus Vorspiegelungen falscher Tatsachen, Irrungen und Wirrungen in Liebesdingen, gewürzt mit Alkohol und einem mittelalterlichen Todesfluch dreht sich, nimmt aber wenig Fahrt auf. Ein „Burghotel mit gehobener Gastronomie und Schluckspecht als Wappentier“, da lachen die Spatzen und die Krähen feixen, bis es kracht. 


Laible und Frisch

Die Väter von "Laible und Frisch" sind Frieder Scheiffele, 1979 in Reutlingen geboren und Sebastian Feld, 1967 in Möckmühl geboren. Sie haben sich beim Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg kennengelernt und im Fachbereich Serien-Produktion bzw. Drehbuch, unter dem Arbeitstitel „Rosinenbomber“ 2006 das Konzept erarbeitet. Erstmals hat 2009 ein Fernsehsender (SWR) in Deutschland auf Grund einer Abschlussarbeit einer Filmhochschule gleich sechs Folgen in Auftrag gegeben. „Laible und Frisch“ bot das perfekte Experimentierfeld, um Heimat aus der Sicht verschiedener Figuren zu beleuchten. 

 

 


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