Konzertbericht: Friede, Freude, Helene Fischer

Stuttgart  Schlagerstar Helene Fischer singt an fünf Abenden in Folge in der Stuttgarter Schleyerhalle - alle Konzerte sind ausverkauft. Kein Wunder bei dieser Show.

Von Andreas Gugau

Friede, Freude, Helene Fischer

Foto: Andreas Gugau

 

Sie steht mit dem Rücken zum Publikum, hebt das ohnehin ziemlich knapp bemessene Röckchen über der Lederhose darunter − und wackelt mit dem Hintern. Und damit es auch jeder sieht, ist Helene Fischers Po formatfüllend auf den riesigen Videoleinwänden zu sehen.

Sexy, gerne, friedlich bitte auch, es gibt eine Ansprache der Künstlerin dazu an "meine Lieben". Die Lieben, das sind an diesem Dienstagabend 10.000 in der seit langem ausverkauften Hanns-Martin-Schleyer-Halle. 40.000 weitere werden bis Samstag noch folgen.

Ausverkauft: An fünf Abenden in Folge

Die größte Arena in Stuttgart ist an fünf Abenden in Folge ausverkauft. Als Tina Turner viermal vor vollem Haus spielte, schien sie 1987 einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt zu haben. Aber damals war Helene Fischer gerade einmal zwei Jahre alt und vermutlich ahnte noch niemand, dass sie einmal eine der erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten vom Thron stoßen würde.

Mehr als drei Stunden lang singt, tanzt, turnt und animiert Helene Fischer ihr Publikum. Sie tänzelt über die beiden Laufstege, schwebt hoch über der ausladenden Bühne, macht einen Ausflug für drei Stücke auf eine zweite, kleinere Bühne in der Hallenmitte, von wo aus sie gen Decke entschwebt. Helene Fischer, das sind nicht nur Pop-Schlager mit Discobeat, Helene Fischer ist vor allem auch eine Show, die mindestens genauso wichtig ist wie der Gesang.

Alle warten auf "Atemlos durch die Nacht"

Tatsächlich schafft Helene Fischer die Balance zwischen Tanz, großen Effekten, ein bisschen Kitsch und "Wir haben uns alle lieb"-Stimmung und ihren Liedern. 29 Stücke werden es bis zum Ende des Konzertabends und als sie ihren wohl größten Hit "Atemlos durch die Nacht" im andauernden Konfettiregen von einer großen Schaukel aus singt, setzt das Publikum zum Begeisterungssturm an. Natürlich haben alle auf dieses Stück gewartet und, Helene Fischer sagt es selbst, manche sind nur deshalb gekommen. Auch sie können zufrieden nach Hause gehen.

Die Frau, die "Mit keinem anderen" gerne mal mit 300 über die Autobahn fährt, gibt Vollgas, von Anfang bis zum Ende − mit einer kleineren Verschnaufpause bei drei langsamen Stücken kurz nach der Halbzeitpause des Konzerts.

Eine eigene Liga

Die Jubelstürme, das Staunen und Johlen der Zehntausend variiert, je nach getragener Stoffmenge bei diversen Kostümwechseln, und ist hart erarbeitet. Die Show mit zwölf Tänzerinnen und Tänzern und acht Akrobaten, vom Cirque du Soleil entworfen, setzt Maßstäbe. Sei es der angehobene, drehbare Steg über den Köpfe des Publikums, sei es der Reifrock aus Wasser, den die Sängerin zu "Wenn du lachst" trägt, Helene Fischer spielt in einer eigenen Liga.

Beeindruckend, wie die Schlager-Pop-Sängerin in allen Lagen singt. Zwar ist die Stimme leicht kratzig, dennoch klingt die Sängerin voluminös und alles in allem ist am Gesang nichts zu beanstanden. Während das Publikum noch ein wenig verträumt Richtung Hallendecke schaut, wohin die Künstlerin entschwunden ist, rennt Helene Fischer auf Stegen hoch über den Rängen zum Rand, die Treppen runter und steht keine zwei Minuten später wieder auf der großen Bühne, frisch eingekleidet und entspannt, als sei nichts gewesen.

Atemlos, das ist Helene Fischer an diesem Abend nicht.