Konzert von Naturally 7 in der Harmonie Heilbronn

Heilbronn  Naturally 7 sind nach eigenen Angaben die "Band ohne Band". Am Mittwochabend überzeugte die A-capella-Gruppe aus New York beim Konzert in der Harmonie und hatte besondere Gäste aus der Region mit auf der Bühne.

Von Andreas Sprachmann
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Konzert von Naturally 7 in der Harmonie Heilbronn

Besonderer Auftritt: Naturally 7 und das Vokalensemble des Justinus-Kerner-Gymnasiums Weinsberg performten in der Heilbronner Harmonie gemeinsam den Song "Happy Xmas (War Is Over)" aus der Feder von John Lennon.

Foto: Andreas Sprachmann

Zwischen brennenden Mülltonnen und dampfenden Gullideckeln in Seitenstraßen Manhattans würde man den Herren nicht so gerne begegnen. Vor allem nicht, wenn sie einem gleich zu siebt begegneten, reich ausgestattet mit Klischeeikonen des Gangstertums. Zwischen glitzerweißen Weihnachtsbäumchen auf einer ansonsten geheimnisvoll illuminierten Bühne der Harmonie hingegen wirkt die authentische Gangsta-Rap-Choreographie der New Yorker A-capella-Gruppe Naturally 7 mit überdimensionierter Sonnenbrille, Baseballcap und Goldkette, die jeder Bürgermeisteramtseinführung zur Ehre gereichen dürfte, eher als selbstironisches Sahnehäubchen einer atemberaubenden Performance in Sachen Stimmkultur.

Selbst die Kunst des frühbarocken Madrigals wäre den sieben Meistern quer durch das Spektrum männlicher Stimmlagen noch zuzutrauen, ihre eigentlichen Heroes aus der Welt des polyphonen Vokalsatzes allerdings sind schnell ausgemacht.

Die Band mixt R&B und Rap mit Pop und Rock

Während die fantastischen Vier der New York Voices oder Manhattan Transfer als Neudefinition des zeitgenössischen Quartettgesangs in Jazz und Pop Meilensteine setzten, begeistert Naturally 7 seit zwanzig Jahren mit dem Konzept einer - nach eigener Aussage - "Band ohne Band". Wenn jedoch andernorts Drumcomputerbeats und Diskjockey-Scratches als körpergeneriertes Beatboxing als Selbstzweck zelebriert wird, zählt solcherlei Kunst im Vortrag des charismatischen Gesangsseptetts eher zur Standardausrüstung.

Da lassen die Tenöre Rod Eldridge, Lee Ricardo, Warren Thomas und Sean Simmonds die Sounds kreischender E-Gitarren, gestopfter Trompeten und geschundener Vinylplatten erklingen, da liefert Kelvin Mitchell in der tiefsten aller Stimmlagen zuverlässige Basslines und ein wunderbares Gebrummel, das selbst Tieftöner Barry White begeistert haben dürfte. Hier frappierend realistische Posaunenimprovisationen von Bariton Dwight Stewart, dort Rap in Reinkultur des Stimmfachkollegen Roger Thomas.

Der wird sich nach zwei faszinierenden Stunden R&B, Rap und grandiosen Adaptionen von Pop- und Rockklassikern wie Phil Collins "In the Air Tonight" oder Queens Hymne "Bohemian Rhapsody" lobend über das "Excitement" des Heilbronner Publikums äußern.

Ein Vokalensemble aus Weinsberg steht mit auf der Bühne

Wie über die Professionalität ganz besonderer Gäste. Dass man die "special friends" des Vokalensembles des Justinus-Kerner-Gymnasiums Weinsberg erst beim Soundcheck am Nachmittag persönlich kennengelernt hat, fordert angesichts eines souverän geschulterten gemeinsamen "Happy Xmas (War Is Over)" aus der Feder John Lennons größten Respekt. Adrian Lewczuk und Daniel Rivier sind sich als Dirigent und Leiter des famosen Schülerchors einig, dass ihre bestens präparierten Eleven mit der erfolgreichen Bewerbung bei den glorreichen Sieben aus New York noch lange von diesem Erlebnis zehren werden.


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