Konzert des WKO mit Geiger Emmanuel Tjeknavorian

Heilbronn  Mit Werken von Beethoven, Mozart und Brahms begeistert das WKO bei seinem Konzert in der Heilbronner Harmonie. Der noch junge Solist Tjeknavorian zeigt eine außergewöhnliche reife Leistung und überzeugt mit technischer Brillanz und explosiver Leidenschaft.

Von Uwe Grosser
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Konzert des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn mit Geiger Emmanuel Tjeknavorian

Eine Meisterleistung bot Emmanuel Tjeknavorian beim Konzert in Heilbronn.

Foto: Tina Schulze

Darf eine Konzertbesprechung mit der Zugabe beginnen? Ja, unbedingt, schließlich war die Zugabe beim Konzert des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn (WKO) in der Harmonie ein besonderes Juwel: Sologeiger und Star des Abends Emmanuel Tjeknavorian bittet den WKO-Konzertmeister Zohar Lerner zum Duett.

Gemeinsam entfachen sie einen durchaus humorvollen Geigenzauber mit zwei Arien aus Mozarts "Zauberflöte", die der Komponist ursprünglich für zwei Flöten arrangiert hatte. Die Arien der Königin der Nacht und des Papageno zeigen nicht nur, wie witzig zwei für die Stimme komponierte Werke auf der Violine klingen können, sondern auch, dass Lerner ein erstklassiger Geiger und Entertainer ist. Die beiden Musiker verstehen sich glänzend, und der Saal jubelt.

So auch schon zuvor, nach Beethovens Violinkonzert, einem der herausragenden Werke für Geige, bei dem der gebürtige Wiener Tjeknavorian all die Lobeshymnen, die ihm in seiner noch jungen Karriere bereits zuteil wurden, rechtfertigt.

Solist Emmanuel Tjeknavorian zeigt feines Gefühl für Rhythmik und Dynmik

Technische Brillanz, tiefe Empfindsamkeit, explosive Leidenschaft, ein feines Gefühl für Rhythmik und Dynamik: All das sind nur vage Umschreibungen dessen, was diesen 24-jährigen Künstler ausmacht, der in Heilbronn eine außergewöhnlich reife Leistung bot.

In Beethoven eintauchen, dessen 250. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert, heißt, einen musikalischen Kosmos zu betreten, in dem sich schon viele suchend bewegt, manche auch verloren haben. Und doch gibt es immer wieder Künstler, die darin etwas Besonderes, ganz Eigenes entdecken, wie Anne-Sophie Mutter, Hilary Hahn oder auch Nigel Kennedy das beim Violinkonzert, dem einzigen, das der Bonner komponiert hat, auf ihre jeweils eigene Art gelungen ist.

Tjeknavorians Interpretation ist eine durch und durch emotionale. Hier wird das Wesen des Werks erfühlt, ertastet, mal mit großer Impulsivität, dann, im zweiten Satz, mit feinster Zartheit und insgesamt mit einer Leidenschaft, die der hagere Solist sich äußerlich kaum anmerken lässt.

Liebhaber dieser Komposition bekommen gleich bei den fünf sanften Schlägen der Pauke zum Auftakt eine Gänsehaut, ehe dann die Holzbläser einsetzen und schließlich die Streicher. Auch WKO-Chefdirigent Case Scaglione ist anzumerken, dass er das Beethoven-Violinkonzert nicht auf die leichte Schulter nimmt.

Konzentriert, präzise geht er das Werk an, bei dem der Solist erst nach etwa zweieinhalb Minuten einsetzt. Die Zeit nutzt das WKO, seine Beethoven-Klasse zu zeigen. Die Musiker, die auf der sprichwörtlichen Stuhlkante sitzen, entfachen einen Klangzauber, in den Tjeknavorian elegant eintaucht. Eine wunderbare Symbiose entsteht, und das Publikum erlebt eine Sternstunde. Jubel brandet auf, der schließlich mit der erwähnten Zugabe belohnt wird.

Dem WKO gelingt ein kluger Einstieg mit der A-Dur-Serenade von Johannes Brahms

Eine Besonderheit bot das Orchester schon zum Konzertauftakt mit der A-Dur-Serenade für kleines Orchester von Johannes Brahms. Besonders insofern, als keine Violinen zum Einsatz kommen. Vier Bratschen, drei Celli, zwei Kontrabässe, dazu elf Bläser - und es fällt kaum auf, dass die Geigen fehlen. Wie ein Leichtgewicht kommt die Serenade im Vergleich zum Beethoven-Violinkonzert daher.

Ganz sanft beginnen die Holzbläser, die an diesem Abend mit erstklassigen Gästen besetzt sind, ehe die Streicher einsetzen. Behutsam ist auch das Dirigat von Scaglione in dieser dunklen, warmen Klangwelt, die ganz der Romantik verpflichtet ist. Hier zeigt sich, dass die WKO-Mitglieder nicht nur Orchestermusiker sind, sondern auch immer wieder in kleinen Besetzungen an ihrer Individualität feilen. Diese kammermusikalischen Feinheiten kommen in der Serenade zum Tragen, bei der die Solo-Bratscherin Irene Lachner zur Konzertmeisterin wird.

Die Serenade ist nicht spektakulär und doch sehr berührend. In ihrer Gegensätzlichkeit zum Beethoven-Konzert sogar ein kluger Einstieg in einen großartigen Abend.


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