Keramikerin Lee Babel zeigt Werke aus 40 Jahren

Heilbronn  Wer sich die Werkausstellung "Nell'arco di un anno" ansieht, erfährt viel über die Gestaltung mit Ton. Die Heilbronnerin Lee Babel, die hauptsächlich in Fara in Venetien lebt, zeigt Keramiken und Skulpturen aus vier Jahrzehnten.

Von Claudia Ihlefeld
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Auch wenn der Lebensmittelpunkt von Lee Babel seit 40 Jahren in Fara in Venetien liegt, die Werkschau der Keramikerin jeden Dezember gehört zum Kulturkalender Heilbronns. "Nell'arco di un anno" − im Laufe eines Jahres −, so der Titel der Ausstellung in Babels Galeriewerkstatt im Gartengässchen, lässt Arbeiten, Entwürfe und Projekte der vergangenen Monate Revue passieren: Und zeigt diesmal Objekte aus vier Jahrzehnten.

Die Überblicksschau mit Keramiken der 1940 in Heilbronn geborenen Künstlerin präsentiert auch Plastiken ihres Kollegen und Gefährten Alessio Tasca. Der Fokus liegt auf dem Werk von Lee Babel, einer Schülerin von Walburga Külz, die wiederum bei dem Bauhaus-Künstler Otto Lindig gelernt hat.

Streng tektonische Formen, die geradlinige Ästhetik, sind ein Markenzeichen von Babel, nichtsdestotrotz hat sich im Laufe der Jahre die Leichtigkeit mediterraner Landschaften und Stadtansichten in den flirrenden Farben des Südens in ihren Plastiken durchgesetzt.

Ausstellungsraum ist auch die Werkstatt selbst

Arbeitet und experimentiert unermüdlich mit Ton: Lee Babel.

Foto: Mario Berger

So gerät die Ausstellung auch zur Reflexion darüber, Skulptur als Architektur zu begreifen und nachzuspüren, wie Lee Babel Material, Technik und Form weiter entwickelt. Dabei ist Ton unverändert ihr Material. "Damit kann ich am besten arbeiten und experimentieren." Erstmals präsentiert Babel ihre Arbeiten nicht nur im Galerieraum und im Garten, sondern in ihrer Werkstatt. Beispiele aus verschiedenen Werkphasen, dicht nebeneinander in Regalen, ermöglichen einen Einblick in die Vorgehensweise Lee Babels, die mit Gebrauchskeramik Ende der 50er Jahre begonnen hat, um bald die künstlerische Dimension des Materials für sich zu nutzen.

Ab 2007 entstehen in Fara im eigenen Brennofen farbige Glasuren und zitiert Babel munter aus Renaissancebildern. Flügeltüren, Architekturlandschaften und Treppen, kleine Würfel wie aus 1001 Nacht, die als Probelauf dienen, als Versuch über Motiv und Farbe für das, was später groß aus dem Ofen kommt: gebrannte Architekturfantasien in sattem Grün und tiefem Blau auf Ocker. Sie sind der reizvolle Kontrast zu frühen Arbeiten wie dem surreal anmutenden "Federico warf den Ball" oder zwei Objekten aus Plexiglas, die Carlo Bonato nach ihren Papiermodellen geschaffen hat.

Eine Fotodokumentation zur 40-Jahre-Werkausstellung diesen Sommer in Fara vermittelt einen Eindruck davon, was diese Brückenbauerin zwischen ?Italien und Deutschland bewegt.

Ausstellungsdauer: Gartengässchen 12, bis 23. Dezember, 11 bis 19 Uhr.

 

 

 

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