Käthchen-Vater Dieter Läpple ist tot

Heilbronn  Der Vater der Käthchenfigur sorgte mit seiner Bronzestatue für viel Wirbel in Heilbronn. Am vergangenen Mittwoch ist der Bildhauer im Alter von 80 Jahren gestorben.

Von unserer Redaktion
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Kunsterzieher und Bildhauer: Dieter Läpple im Alter von 80 Jahren gestorben.

"Mein Käthchen, das ist die kosmische Macht der Liebe": Bildhauer Dieter Läpple, hier 2019 bei "Artists" Favourites" in der Kunsthalle Vogelmann.

Foto: Archiv/Welzin

Vor fast 54 Jahren - im Juli 1965 - bewegt eine Bronzestatue die Gemüter der Stadt Heilbronn. Mittendrin damals: Dieter Läpple. Damals hatte der Bildhauer den Wettbewerb zur Gestaltung des Käthchenbrunnens in Heilbronn gewonnen und der Käthchen-Entwurf löste einen kleinen Skandal aus.

Der Entwurf des Käthchens polarisierte 

Viele Menschen störten sich an der "Hühnerbrust" der Figur. Andere fanden nicht gut, dass die Figur das Käthchen als so gewöhnliches Mädchen darstellte. Der Vater der umstrittenen Käthchenfigur, Kunsterzieher und Bildhauer Läpple, ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 80 Jahren gestorben.

1938 wurde Läpple im hohenlohischen Oberheimbach geboren. Er studierte an der Kunstakademie Stuttgart Bildhauerei, 1963 und 1964 war Läpple Assistent am Lehrstuhl für Modellieren und Aktzeichnen an der Technischen Hochschule Braunschweig. Als freischaffender Künstler wirkte er von 1965 bis 1970 in Hannover.

Rückkehr nach Heilbronn

1971 kam Läpple nach Heilbronn zurück, wo er einst auch sein Abitur abgelegt hatte. Zahlreiche seiner Werke fanden in der Stadt und im Umland Aufstellung im öffentlichen Raum. 1975 entstand der Seeräuber-Brunnen in Böckingen, 1988 der Linsafamer-Brunnen in Neckargartach.

1979 ließ er in der Jägerhausstraße ein Wohnhaus mit integriertem Atelier bauen, das er zeitweilig als Privatmuseum der Öffentlichkeit zugängig machte und wo er auch seine Meisterklassen gegeben hatte. Dass ihn sein "Käthchen" ein Leben nicht loslassen würde, hatte er wohl nicht vermutet. Andererseits: "Mein Käthchen gleitet schwerelos dahin, ist doch klar, schließlich waren wir 1965 im Weltraumzeitalter. Mein Käthchen, das ist die kosmische Macht der Liebe", sagte Läpple.

Immer im Gespräch

Immer wieder war das Käthchen Teil des Tagesgesprächs in Heilbronn. So zum Beispiel 2008, als die Figur Vorbild für die Käthchenparade in Heilbronn wurde, als 78 Käthchenfiguren im öffentlichen Raum ausgestellt wurden. Oder 2013, als die Statue plötzlich nicht mehr auf ihrem Sockel stand. Regelmäßig war der Bildhauer beteiligt an den Frühjahrs- und Herbstausstellungen des Kunstvereins Hannover und an Kollektiv-Ausstellungen in Heilbronn sowie in Göttingen.

Die Kunst kam aus Läpple selbst

Was Dieter Läpple nicht mochte, war "moderne" Kunst. An ihr fehlte ihm "die Trance, die Erotisierung" der Kunst, wie er sagte. Auch das Christentum lehnte der Lebemann ab, da es "die Freude am Künstlerischen bestraft".

Lustfeindlichkeit war ihm ein Graus: "Kunst soll beglücken", so sein Credo. Dieter Läpples Kunst kam aus ihm selbst. "Ich schaue mir nicht an, was die Kollegen machen", betonte er. Kunst sollte wahrhaftig sein. red

 


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