Kabarettist Sebastian Pufpaff im Komödienhaus Heilbronn

Heilbronn  Sebastian Pufpaff war am Mittwochabend zu Gast im ausverkauften Komödienhaus in Heilbronn. In seinem Programm "Wir nach" holt der Kabarettist zum verbalen Rundumschlag aus: gegen Verblödung durch den digitalen Wandel und gegen rechtspopulistische Parolen.

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Kabarettist Sebastian Pufpaff im Komödienhaus Heilbronn
Beißende Satire: Sebastian Pufpaff im Komödienhaus. Foto: Christiana Kunz

Gleich zu Beginn stellt Sebastian Pufpaff klar: "Ich möchte bewusst keine Politiker- und Parteinamen nennen." Trotzdem weiß jeder im ausverkauften Komödienhaus, von wem der Kabarettist in seinem aktuellen Bühnenprogramm "Wir nach" spricht. Zum Beispiel, wenn es um den "Präsident mit der Meerschweinchenfrisur" geht.

Pufpaff spielt den Egomanen, Kinderhasser, Sexisten und Wohlstands-Zyniker

Und natürlich ist es nur eine Rolle, die Pufpaff am Mittwochabend spielt: den Egomanen, den Kinderhasser, den Sexisten, den selbstzufriedenen Wohlstands-Zyniker, vereint in seiner Person. So überzeugend, dass man ihm das überhebliche Ekel an vielen Stellen abkauft. "Ich bin weiß, hetero, ein Mann und habe Abitur. Die vier Grundpfeiler des Erfolgs."

Zeitgeist und Politik werden von von Pufpaff, der durch Auftritte in der "Heute Show" (ZDF) und aus "Pufpaffs Happy Hour" (3sat und ZDFkultur) bekannt ist, aufs Korn genommen. Mit beißender Satire, bewusst politisch unkorrekt, entlarvt er rechtspopulistische Parolen, deutsche Statussymbole und die Oberflächlichkeit der digitalen Gesellschaft. Im schwarzen Anzug und mit gegelten Haaren redet er sich in Rage, kokettiert dann schmierig lächelnd: "Bei mir wird MeToo zu Why Not You?"

Für die Zuschauer hat er einen Trick parat. Das Zauberwort heißt selektive Wahrnehmung. Wie das geht? Die Probleme der Welt einfach nicht an sich heran lassen. Sich über Impfgegner aufregen? "Das Problem löst sich bei der nächsten Masernepidemie von selbst."

Die Forderung eines Tempolimits auf den Straßen? "Zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens sollte man alle Straßen freigegeben. Während die normalen Leute friedlich im Bett liegen, sollen sich die Vollidioten eine Betonecke suchen, an der sie sich wegschmirgeln." Charles Darwin lässt grüßen.

Die Zombieepidemie digitaler Wandel

Pufpaff gibt den Analytiker. "Unser gesellschaftlicher Fortschritt ist ein Rückschritt. Wir sind auf dem Weg ins Mittelalter. Die Wimpertierchen in der Pfütze sagen schon: Scheiße, die kommen zurück." Den digitalen Wandel setzt Pufpaff einer Zombieepidemie gleich: Menschen, die vor Handydisplays verblöden, vom Fernsehen "digital sediert" werden, Whats App als Werkzeug nutzen, um Verabredungen spontan abzusagen und bei der Dating-App Tinder auf falsche Lebensläufe hereinfallen.

Spannend wird es, wenn Pufpaff inne hält und mehr politisches und soziales Engagement fordert. "Wir müssen auf die schwarze Null scheißen und alles Geld rücksichtslos in das Bildungssystem stecken. Jede Schule sollte zu einer Vorzeigeschule ausgebaut werden. Bis jedes Kind eine gleiche Chance hat."

Viel Applaus für einen herrlich bissigen und durchdachten Kabarettabend.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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