Interview mit Salut Salon vor dem Konzert in der Heilbronner Harmonie

Interview  Iris Siegfried von Salut Salon spricht im Interview über die Magie von Träumen, die Vorteile von sozialen Medien und eine ganze besondere Puppe. Am 30. April, 20 Uhr, spielt das kammermusikalische Quartett ein Konzert in der Heilbronner Harmonie.

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"Die Überwindung der Realität ist eine große Sehnsucht des Menschen", sagt Iris Siegfried (Zweite von rechts) von Salut Salon. Das kammermusikalische Quartett verbindet Klassik, Chanson, Filmmusik und Kabarett. Foto: GABO

Die vier Musikerinnen vom Salut Salon verbinden Kompositionen aus den Bereichen Klassik, Chanson, Pop, Folk mit Humor und Puppenspiel. Am 30. April spielt das Quartett ein Konzert in der Harmonie Heilbronn. Im Interview spricht die Gründerin Iris Siegfried (Geige und Gesang) über Erfolg und Musik als Grunderfahrung.

 

Frau Siegfried, am 30. April kommt Salut Salon mit dem Programm "Magie der Träume" nach Heilbronn. Was verbindet Träume und Musik?

Iris Siegfried: Träume haben immer etwas mit Sehnsucht zu tun. Diese Sehnsüchte musikalisch auszudrücken, hat Komponisten natürlich fasziniert. In unserem neuen Programm spielen wir Tschaikowskys "Winterträume" und Ysayes "Traum eines Kindes". Auch die Überwindung der Realität ist eine große Sehnsucht des Menschen. Für die magischen Traumwelten haben wir unter anderem Dukas berühmten Zauberlehrling, Filmmusik von "Harry Potter" sowie eine eigens für uns von Franz Wittenbrink vertonte Version des "Hexeneinmaleins" von Goethe im Programm.

 

Gut oder schlecht, an welchen Traum können Sie sich zuletzt erinnern?

Siegfried: Das war ein sehr schöner Reise-Traum. Das muss an dem kühlen Wetter derzeit liegen (lacht).

 

Salut Salon verbindet Klassik, Chanson, Filmmusik und Kabarett. Haben Sie anfangs mit diesem Crossover auch eine Marktlücke gesehen?

Siegfried: Wir haben als Quartett schon vor über 20 Jahren begonnen und immer bei einem kleinen Jour Fixe gespielt, in einer Altbau-Wohnung in Hamburg-Eppendorf. Damals haben wir nicht darüber nachgedacht, ob das, was uns Spaß macht, irgendwann auch erfolgreich sein könnte. Ich empfinde es als Glück, dass wir unsere Leidenschaft, verschiedene Genres zusammenzubringen, vom ursprünglich kleinen Salon auf die großen Bühnen bringen konnten und das Publikum die Freude an unserer Musik nach wie vor zu teilen scheint.

 

Muss Klassik heutzutage unterhalten, um erfolgreich zu sein?

Siegfried: Nein, wir sehen ja auch den Erfolg der "puren" Klassik. Für jede Idee und Sparte gibt es eine Daseinsberechtigung und einen Markt. Die Diskussion, ob das Klassik-Publikum irgendwann ausstirbt, wird schon seit Jahren geführt, obwohl ich häufig, je nach Ausrichtung des Veranstaltungsortes, viele junge Klassik-Fans im Publikum sehe.

 

Soziale Medien sind auch für Klassik-Interpreten wichtig geworden. Das erfolgreichste Video von Salut Salon hat bei YouTube mittlerweile über 27 Millionen Klicks.

Siegfried: Klar, sowas bringt einen Schub und besondere Aufmerksamkeit, aber wir hatten es auch ohne soziale Medien geschafft, die großen Konzerthäuser in Deutschland zu bespielen. Allerdings wurden nach dem YouTube-Erfolg verstärkt Auslandstourneen angefragt. Es ist und bleibt für mich faszinierend, dass trotz der kulturellen Unterschiede, der Humor weltweit funktioniert - ohne Worte, einfach über die Musik.

 

Bei Salut Salon stehen vier Frauen auf der Bühne, doch es gibt auch einen männlichen Protagonisten.

Siegfried: Sie meinen bestimmt unsere Puppe Oskar (lacht). Wir haben diese Figur gemeinsam mit dem bekannten Schweizer Clown Dimitri entwickelt. Er hat der Puppe das Gesicht gemalt und uns während einer zehntägigen Probenphase gelehrt, auf die Kraft der Poesie zu vertrauen. Im aktuellen Programm darf Oskar übrigens zaubern und sorgt so für den einen oder anderen magischen Moment.

 

Salut Salon in Heilbronn

Donnerstag, 30. April, 20 Uhr, Harmonie Heilbronn, Tickets ab 37, 60 Euro in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung.

Sie selbst sind "Jugend Musiziert"-Absolventin und setzen sich mit zahlreichen Projekten dafür ein, dass junge Menschen Musik als Grunderfahrung erleben können.

Siegfried: Ich habe mit Angelika Bachmann (Mitgründerin von Salut Salon, Anmerkung der Redaktion) schon gemeinsam im Schulorchester gespielt. Wir haben früh erfahren, was es bedeutet, zusammen Musik zu machen. Man lernt in der Gemeinschaft einander zuzuhören, erlebt unvergessliche Dinge, das hat auch viel mit Freundschaft zu tun. Es war und ist unser Traum, möglichst vielen Kindern einen Zugang zur Musik zu ermöglichen, besonders wenn die Eltern nicht die (finanziellen) Möglichkeiten haben.

 

Was würden Sie Eltern raten, die ein talentiertes Kind haben, das aber zu faul zum Üben ist?

Siegfried: Als erstes sollte man den Lehrer wechseln (lacht). Ein neuer Lehrer bringt meistens neuen Schwung. Man kann aber nicht jedes Kind zwingen, Musiker zu werden, das muss von selbst kommen. Aber: Um schwierige Lebensphasen bei Kindern zu überbrücken, kann ein neuer Einfluss den entscheidenden Impuls bringen, das Musizieren nicht aufzugeben.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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