Indierockband The National kommt für ein Konzert nach Stuttgart

Stuttgart  Die US-amerikanische Band The National spielt am 5. Dezember in der Porsche Arena in Stuttgart. Im Interview spricht Bassist Scott Devendorf über das aktuelle Album "I Am Easy To Find" und einen 27-minütigen Film, der dazu entstanden ist.

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Sie werden oft als Radiohead Amerikas bezeichnet: die Indierocker von The National. Am 5. Dezember spielt die US-amerikanische Band ein Konzert in der Stuttgarter Porsche Arena. Im Interview spricht Bassist Scott Devendorf über das aktuelle Album "I Am Hard To Find".

Herr Devendorf, The National gibt es seit genau 20 Jahren. Wie haben sich der Sound und die Bandmitglieder seit Gründung verändert?

Scott Devendorf: Wir sind immer noch die gleichen Menschen, aber mit deutlich mehr Erfahrung. Unser Sound hat sich in den Jahren entwickelt, wir versuchen mit jedem Album etwas Neues zu erschaffen, uns neu zu erfinden. Und, was ganz wichtig ist, wir sind noch Freunde.
 

Zwei Brüderpaare spielen bei The National. Wenn man an die Dispute der Gallagher-Brüder der Band Oasis denkt: Ist bei dieser Konstellation Streit nicht vorprogrammiert?

Devendorf: Das kann passieren, wir streiten und werden auch in Zukunft streiten. Wir haben aber eine Dynamik, die funktioniert und sprechen Dinge offen und direkt an.

Für das aktuelle Album "I Am Easy To Find" haben sie mit Regisseur Mike Mills zusammengearbeitet. Entstanden ist ein spannendes 27-minütiges Musikvideo mit Hollywoodstar Alicia Vikander.

Devendorf: Mike hat als Regisseur eine völlig andere Perspektive auf kreative Projekte. Er hat den Film gedreht, bevor wir das Album aufgenommen haben. Er ist ein sehr intuitiver und sensibler Mensch. Das Gute ist: er ist auch Musiker, hat in Bands gespielt. Er hat sich Skizzen von Songs angehört, dann hat er sie auseinandergenommen und nach seinen Vorstellungen neu zusammengesetzt. Das Video ist eigentlich eine perfekte Zusammenfassung eines ganzen Lebens.
 

Konzert in Stuttgart

Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Porsche Arena, Tickets ab 55 Euro in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

Auf dem Album sind ausschließlich Gastsängerinnen zu hören: Ex-Bowie-Bassistin Gail Ann Dorsey, Lisa Hannigan oder Sharon Van Etten. War das eine bewusste Entscheidung?

Devendorf: Es war schnell klar, ja. Auch der Film dreht sich um eine Frau. Es hat einfach gepasst. Das Album behandelt zwischenmenschliche Beziehungen, das tägliche Leben mit Höhen und Tiefen, Glücksmomenten und Verlusten.
 

Die Texte schreibt Sänger Matt Berninger. Oft sind sie düster, melancholisch und kryptisch. Passiert es, dass auch der Rest der Band nicht versteht, um was es in den Songtexten geht?

Devendorf: Ja (lacht). Manchmal müssen auch wir interpretieren, was er genau meint. Aber das finde ich gut, man kann Gefühle oder Situationen mit seinen Texten verbinden. Das hat oft etwas Mystisches und holt die Leute vielleicht auch ein wenig aus ihrer Konfortzone.
 

Im Jahr 2008 unterstützte Ihre Band Barack Obama bei seiner Präsidentschaftskandidatur. Im kommenden Jahr könnte Donald Trump bei den US-Wahlen auf Milliardär Michael Bloomberg treffen. Wohin steuert Amerika in den nächsten Jahren?

Devendorf: Das ist eine sehr große Frage. Die letzten drei Jahre unter Trump waren sehr zäh für Amerika. Diese Dinge bekommt jeder in den Medien mit. Man kann eigentlich nur das Beste hoffen.
 

Und was wäre das Beste?

Devendorf: Wenn Trump hoffentlich nicht wiedergewählt wird.


Die Band hat schon einen Grammy gewonnen

1999 gründete sich die US-amerikanische Band The National. Ihr Stil wird grob dem Indie-Rock zugeschrieben und mit Joy Division, Leonard Cohen, Wilco und Nick Cave and the Bad Seeds verglichen. Die fünfköpfige Band besteht aus den Brüderpaaren Aaron und Bryce Dessner sowie Bryan und Scott Devendorf und Sänger Matt Berninger. Bislang hat die Band acht Studioalben veröffentlicht. "Sleep Well Beast" räumte 2018 den Grammy für das beste Alternative-Album ab. Alle Bandmitglieder sind neben The National auch in weitere künstlerische Projekte involviert.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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