High-Speed-Folk und eine Jodelzugabe bei der Paddy's Night in Wimpfen

Bad Wimpfen  550 Besucher erleben musikalische Kontraste bei der Paddy's Night mit drei internationalen Bands im Kursaal.

Von Andreas Sommer
Email
High-Speed-Folk und eine Jodelzugabe bei der Paddy's Night in Wimpfen

Uncel Bard & The Dirty Bastards sind eine astreine Partyband und spielen ungestümen, elektrischen Folkrock.

Wir wissen nicht, wie der irische Bischof Patrick die nach ihm benannte Paddy"s Night am Samstag im Kursaal aufgenommen hätte.

Wahrscheinlich hätte der Nationalheilige dasselbe getan, was die 550 Besucher der von der Bonfelder Kulturinitiative Blacksheep organisierten Nacht auch taten: feiern, Guinness trinken und drei Bands aus Deutschland, Italien und der Schweiz lauschen.

Sympathische Augsburger auf Einheizer-Kurs

Perfekter Auftakt des Trios Acoustic Revolution: Mit "Whiskey In The Jar" sind die drei sympathischen Augsburger sofort auf Einheizer-Kurs. Dabei sind die bayrischen Schwaben von einer musikalischen Revolution so weit entfernt wie die Briten von einem geordneten Brexit.

Höchst klassisch und gediegen folkig geht es bei ihnen her. Mit Mandoline, Gitarre und Kontrabass gestalten sie ihr eigenes Material aus Pop, Bluegrass und Country und drücken Klassikern wie "Johnny B" von den Hooters ihren eigenen Stempel auf.

Aus "Highway To Hell" von AC/DC machen sie eine nervöse Folknummer, liefern sich in "Country Boy" heiße Banjo-Gitarren-Duelle, legen beim sanften "Boat On The River" von Styx mal ihren markigen, dreistimmigen Gesang à la Seemannschor ab und erweisen den 80ern mit "She Is A Maniac" aus "Flashdance" ihre Reverenz.

Ein Geschwisterpaar und ihre Sandkastenfreundin

Aus dem eingeschneiten Zermatt im Wallis nach Bad Wimpfen zu kommen, stellte die Band Wintershome vor eine große Herausforderung. Drei Geschwister Zurbriggen, das Geschwisterpaar Müller und eine Sandkastenfreundin (Rebecca Graven am Schlagzeug) bilden das Musiker-Kollektiv, das zunächst wie ein Kulturschock wirkt.

Nach kräftigem Seemannschor nun sehr helle Frauenstimmen, leise Intros, feinfühliger Westcoast-Pop und lyrische Rockballaden, getragen von einem wunderschönen sechsstimmigen Gesang.

Im Verlauf ihres Auftritts gewinnen sie an Sicherheit und Souveränität, und so entwickelt ihr Songmaterial allmählich seine Sogwirkung. Es gibt natürlich viel Beifall, der sogar frenetisch wird, als Wintershome eine Jodelzugabe ("Das machen wir eigentlich nie") spendiert.

Italienische Hektik trifft auf Amüsierlust des Publikums

Nach Schweizer Gelassenheit folgt mit Uncle Bard & The Dirty Bastards italienische Hektik. Die sechs Mannen aus der Nähe von Mailand sind eine Partyband und fackeln nicht lange - immer in Bewegung, immer auf 180.

Mit traditionellen Instrumenten wie Uileann Pipes, Irish Flute, Banjo und Mandoline garnieren sie ihren ungestümen, elektrischen Folkrock, der die Amüsierlust des Publikums vortrefflich bedient. Bald schon haben die Musiker Westen und Krawatten abgelegt und hauen ihren schweißtreibenden Hochgeschwindigkeitsfolk im Feinripp-Leibchen raus.

Das klingt auf Dauer etwas gleichförmig, macht aber Spaß und wird durch Cover wie Johnny Cashs "Ring Of Fire" angenehm variiert. Dass sie einen Song namens "Blacksheep" im Gepäck haben, feuert die tanzenden Massen zusätzlich an.

High-Speed-Folk und eine Jodelzugabe bei der Paddy's Night in Wimpfen

Feinfühliger Westcoast-Pop und lyrische Rockballaden kommen von der Band Wintershome.

Fotos: Michaela Keicher


Kommentar hinzufügen