Hal Busse: Eine ganz besondere Frau

Heilbronn  Sie war eine Avantgardistin mit Bodenhaftung. Am 15. Mai wäre die international bekannte Heilbronner Künstlerin Hal Busse 92 Jahre alt geworden. Auf Wunsch ihrer Töchter fand am Dienstag eine Gedenkveranstaltung im Deutschhof statt.

Von Claudia Ihlefeld

Eine ganz besondere Frau

Freunde, Künstlerkollegen und Bewunderer: Im Museum im Deutschhof fand gestern, am Geburtstag der am 15. Mai 1926 geborenen Hal Busse, eine Gedenkveranstaltung für die im März verstorbene Künstlerin statt.

Foto: Dennis Mugler

 

Ihr Leben ist symptomatisch für die Kunst von Frauen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Obwohl das Werk der in Jagstfeld geborenen Hal Busse zur internationalen Avantgarde zählt, sie Stipendien im In- und Ausland erhielt und als eine der ersten Frauen Mitglied im Deutschen Künstlerbund war, wird sie nie berühmt wie die männlichen Kollegen.

Auch das offizielle Heilbronn wird erst auf sie aufmerksam, als "Die Zeit" 2015 Hal Busse zu jenen "verkannten Genies" zählte, der die Wochenzeitung aus Hamburg eine Titelgeschichte widmete. Dabei hatten die Städtischen Museen 2006 zu Busses 80. Geburtstag die Vielseitige mit einer großen Werkschau im Deutschhof gewürdigt.

Ganz vorne in der Künstlerszene dabei

Im März − wir berichteten − ist mit Hal Busse eine bedeutende Künstlerin und ein besonderer Typ im Alter von 91 Jahren gestorben. Auf Wunsch ihrer Töchter Johanna und Katarina Bendixen fand am Dienstag, am Tag von Busses Geburtstag, eine Gedenkveranstaltung im Deutschhof statt: mit Freunden der Familie, Künstlerkollegen, Oberbürgermeister Harry Mergel und Kulturbürgermeisterin Agnes Christner, mit erinnernden Worten des Kunstpädagogen Siegfried Simpfendörfer. Und Gesprächen bei der anschließenden Erfrischung. Wer konnte, ging danach mit zum Grab auf den Hauptfriedhof.

"Ich war eigentlich niemand, der ganz vorne marschieren wollte", hat sie zu ihrem 90. Geburtstag gesagt. Dabei hat die Hochbegabte ganz vorne mitgemischt. In den 50er und 60er Jahren stellt sie mit Otto Piene, Mitbegründer der Künstlergruppe Zero und Wegbereiter der Lichtkunst, mit Heinz Mack und Yves Klein in Düsseldorf und Berlin aus.

In der engeren Auswahl für die Documenta

Noch bevor Günther Uecker mit seinen Nagelbildern berühmt wird, entstehen Hal Busses Nagelreliefs, weiterentwickelt aus den sogenannten Arenenbildern, die sie Ende der 50er Jahren als Avantgardistin auszeichnen. Ihre Streifenbilder kommen in die engere Auswahl für die Documenta, sie malt und zeichnet mit den unterschiedlichsten Farbträgern, schafft Objekte aus den verschiedensten Materialien und arbeitet in einer Vielzahl an Techniken.

Die am 15. Mai 1926 geborene Tochter des Malers Hermann Busse studiert an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Manfred Henninger und Willi Baumeister. Kurze Zeit lebt sie in Paris, 1956 heiratet sie den Maler Klaus Bendixen (1924-2003) und zieht mit ihm 1961 von Stuttgart nach Hamburg.

Beides sein: Familienmutter und Künstlerin

Eine ganz besondere Frau

Die Welt in Bildern und Strukturen gestalten: Hal Busse am 90.?Geburtstag zu Hause vor einem ihrer Rasterbilder und einem Raumobjekt.

Foto: Archiv/Andreas Veigel

 

Bis zuletzt malt sie in dem Haus im Heilbronner Osten, in das ihre Eltern in den 60er Jahren von Jagstfeld zogen und wo Hal Busse ab den 80er Jahren ihre Mutter pflegt. Die gebremste Karriere der Hal Busse erzählt viel über Frauen in der Männerwelt. Der Gatte wird zum Kunstprofessor in Hamburg berufen, dort kommt die zweite Tochter zur Welt. Busse versucht, beides zu sein: Familienmutter und Künstlerin.

Immer wieder nimmt Hal Busse an Wettbewerben für Kunst am Bau teil, es entstehen kinetische und farbige Objekte, Zeichnungen und Druckgrafiken. 1968 erhält sie ein Stipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris. Inspiriert von der Pop-Art, malt Busse Bilder mit politischem Inhalt. Strand- und Badeszenen beschäftigen die Wahl-Hanseatin in allen Phasen. 1982 entsteht für das Freibad in Kirchhausen die Skulptur "Springer".

Späte Werke: Gartenimpressionen und Aquarelle

In den letzten Jahren werden Gartenimpressionen und Aquarelle ihr Thema: Figuration und Abstraktion, Landschaften und Rasterbilder sind für Hal Busse kein Widerspruch. Dass die Mutter "über die Jahre vielfältiger war als der Papa", daran erinnert sich Katarina Bendixen, die ebenfalls Künstlerin ist. Von Busses "extremen Blick nach vorn" spricht Johanna Bendixen.

Eine kleine Auswahl von Hal Busses Bildern hängt nun im Deutschhof. OB Mergel wünscht sich einen Teil des umfangreichen Nachlasses für die Städtischen Museen und hofft "auf gute Gespräche".