Gruselgeschichte für Kinder in der Boxx des Heilbronner Theaters

Heilbronn  "Nachtgeknister" heißt das Stück, das mit dem Deutschen Kindertheaterpreis ausgezeichnet wurde. Die Schauergeschichte für Kinder ab sechs Jahren feiert diesen Sonntag Premiere in der Boxx.

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"Nachtgeknister" für Kinder ab sechs Jahren in der Boxx des Heilbronner Theasters

"Alles, was auf der Bühne zu sehen ist, kann von den Figuren verändert werden. Sie haben alles selbst in der Hand", sagt Regisseurin Nicole Buhr.

Foto: Andreas Veigel

Horror- und Gruselfilme erfreuen sich in den letzten Jahren einer immer größerer Beliebtheit: Filme wie "Get Out", "A Quiet Place" oder die zweigeteilte Neufassung von Stephen Kings "Es" mit dem unheimlichen Clown Pennywise waren Blockbuster und erwiesen sich als Schlager an den Kinokassen.

Die neuere Generation von Horrorstreifen greift dabei gezielt immer wieder die Themen Familie, Beziehung und Freundeskreis auf und stößt damit in die letzten Rückzugsorte und Stabilitätsanker eines Menschen vor. Doch was macht die Faszination an Gruselgeschichten aus?

Schauerliche Geschichten stehen im Mittelpunkt

"Man stellt sich bewusst einer Herausforderung, hat am Ende ein Glücksgefühl, dass man es geschafft hat. Und man hat auch ein Stück weit Selbstbewusstsein gewonnen", sagt Nicole Buhr. Schauerliche Geschichten stehen auch im Mittelpunkt von "Nachtgeknister" von Stephen Kenny, das die Regisseurin auf die Bühne der Boxx bringt.

Am Sonntag um 15 Uhr feiert das Stück, das 2012 mit dem Deutschen Kindertheaterpreis ausgezeichnet wurde, Premiere.

Zur Person

Nicole Buhr wurde 1981 in Hannover geboren. Dort studierte sie nach dem Abitur Germanistik und Geschichte. Anschließend beendete sie in Hamburg ihr Medientechnik-Studium. Sie arbeitete in der Videoabteilung der Münchner Kammerspiele und machte eine Ausbildung zur Theaterpädagogin und Darstellerin für Clowntheater und Komik. Seit September 2016 ist sie Regieassistentin im Jungen Theater in der Boxx in Heilbronn.

Eine aufregende Fantasiereise

Worum es geht? Im Zentrum des Stücks steht eine kleine Familie - die Kinder Marie, François und ihre alleinerziehende Mutter, die als Köchin arbeitet. Am Abend eines aufregenden Tages auf dem Jahrmarkt findet der kleine François keine Ruhe in seinem Bett, und so erzählt Marie ihm eine Geschichte zum Einschlafen.

Bewusst wählt die große Schwester, die es spannend liebt, eine Gruselgeschichte. Nach einer aufregenden Fantasiereise in die Abgründe ihrer Ängste werden sie aus gemeinsamer Kraft zu Helden ihrer eigenen Geschichte.

"Beide Kinder sind Identifikationsfiguren für die Zuschauer", sagt Buhr über die Protagonisten. Das Stück, eine verschachtelte Symbiose aus Märchen, Familienalltag und Fantasie, ist für die Regisseurin auch "eine Abenteuergeschichte über die faszinierende Imaginationskraft der Angst, man könnte es als "Hänsel und Gretel 3.0" bezeichnen".

Das Interessante, so Buhr, ist, dass die Geschichte in zwei Ebenen stattfindet. "Es ist eine Erzählung in der Erzählung, beide verschmelzen miteinander. Es ist ein Schweben zwischen Realität und Fiktion", sagt die 38-Jährige, die zum dritten Mal am Heilbronner Theater inszeniert.

Das Bühnenbild spielt eine wichtige Rolle

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Bühnenbild. Der Mond, als immer präsenter, wachender Beschützer der Kinder im Hintergrund, ein schwebendes Fenster und eine Holzschräge sollen die Fantasie des Zuschauers anregen. "Wir haben einen sehr assoziativen, aber auch spielerischen Raum erdacht", sagt Buhr.

"Alles, was auf der Bühne zu sehen ist, kann von den Figuren verändert werden. Sie haben alles selbst in der Hand." Seile sollen nicht nur einen Märchenwald abbilden, "sie symbolisieren auch die Fäden der Geschichte, die Beziehungen und Spannungen zwischen den Personen".

"Mitnehmen sollen die Zuschauer vor allem, dass man sich, ob Kind oder Erwachsener, seinen Ängsten stellen sollte und sie bewältigen muss", sagt die Regisseurin, die selbst keine große Freundin von Horror- und Gruselstreifen ist. "Ich mag eher psychologische Filme. Wenn es nur um den Ekelfaktor geht, kann ich damit nichts anfangen. Wenn ich doch mal einen solchen Film schaue, muss ich mir allerdings gut überlegen, zu welcher Tageszeit ich das mache", sagt Buhr und lacht.


"Nachtgeknister"

Schauspiel für Kinder ab sechs Jahren von Mike Kenny Premiere: Sonntag, 15 Uhr, Boxx

Regie: Nicole Buhr

Ausstattung: Gesine Kuhn

Mit: Anja Bothe, Sarah Finkel und Patrick Isermeyer.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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