Ex-Motörhead-Gitarrist Phil Campbell spielt ein Konzert in Neuenstadt

Neuenstadt  Am 21. September kommt der Waliser mit seiner Band Phil Campbell And The Bastard Sons für einen Auftritt in die Stadthalle. Im Interview spricht der Musiker über den ungewöhnlichen Bandnamen und den verstorbenen Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister.

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Ex-Motörhead-Gitarrist Phil Campbell spielt ein Konzert in Neuenstadt

Phil Campbell (l.) rockte mit Lemmy Kilmister 32 Jahre bei Motörhead.

Foto: dpa

Er war 32 Jahre Gitarrist der Hardrockband Motörhead und ist ein alter Hase im Geschäft: Phil Campbell. Mit Phil Campbell And The Bastard Sons hat der Waliser mit seinen drei Söhnen und Sänger Neil Starr eine neue Band gegründet, 2018 erschien das Debütalbum "The Age Of Absurdity". Am 21. September kommt das Quintett für ein Konzert in die Stadthalle nach Neuenstadt. Im Interview erzählt der 58-Jährige, wie seine Frau auf den ungewöhnlichen Bandnamen reagierte und wie er Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister kennengelernt hat.

Herr Campbell, Sie haben mit Ihren drei Söhnen Todd, Tyla und Dane eine Band gegründet. Wie kommt man auf eine solche Idee?

Phil Campbell: Wir haben schon immer zusammen Musik gemacht, auch als ich noch bei Motörhead war. Am Anfang war es nur als Spaß gedacht, wir sind auf einem Geburtstag aufgetreten und haben ausschließlich Songs gecovert. Nach dem Ende von Motörhead hatte ich mehr Zeit und bin die Sache ernsthafter angegangen. Der Sound war super und wir haben daraufhin unsere ersten Songs geschrieben.

 

Eine Band mit Familienmitgliedern. Klingt kompliziert.

Campbell: Eigentlich nicht. Es ist eine andere Dynamik. Man geht ein wenig offener mit vielen Situationen um. Oft werden Dinge auch viel direkter angesprochen.

 

Der Bandname Phil Campbell And The Bastard Sons (Phil Campbell und die Bastardsöhne) klingt ja nicht gerade schmeichelhaft. Was hat Ihre Frau dazu gesagt?

Campbell: Sie war nicht sehr glücklich darüber (lacht). Unsere Kinder sind ja alle in der Ehe entstanden. Unser Sänger Neil Starr kam auf die Idee, ich habe über den Namen nicht wirklich nachgedacht. Inzwischen beschwert sich meine Frau aber nicht mehr so oft.

 

"Age of Absurdity" (Zeitalter der Absurdität) heißt das Debütalbum. Sind die Zeiten wirklich so schlimm?

Campbell: Ich denke schon. Man muss einfach nur den Fernseher einschalten oder die Zeitung lesen. Die Menschen werden immer unempfindlicher, weil sich die schlechten Nachrichten in den Medien häufen. Fast täglich werden irgendwo Menschen getötet oder man hört von einem Bombenanschlag. Vor Jahren wäre das noch eine große Schlagzeile gewesen und die Leute hätten wochenlang darüber gesprochen. Heutzutage ist so viel los, dass die Meldungen am nächsten Tag fast schon wieder vergessen sind.

 

Sie waren 32 Jahre lang Bandmitglied bei Motörhead. War die neue Band eine Möglichkeit, andere musikalische Wege zu gehen?

Campbell: Klar. Ich habe bei Motörhead den Großteil der Gitarrenriffs geschrieben, und natürlich wird viel von unserem neuen Material ein wenig nach Motörhead klingen. Wir lieben es, Classic- und Hardrock zu spielen, in diesem Stil fühlen wir uns zu Hause. Wir haben eine große Spielwiese ohne jegliche Grenzen.

 

Wie haben sie Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister kennengelernt?

Campbell: Ich habe ihn bereits mit zwölf Jahren getroffen. Er spielte damals noch bei Hawkwind und hat mir nach einer Show in Cardiff ein Autogramm gegeben. Mit meiner ersten Band Persian Risk bin ich im Jahr 1983 noch als Vorgruppe von Motörhead aufgetreten, kurz darauf war ich selbst Mitglied der Band.

 

Denken Sie noch oft an Motörhead?

Campbell: Jeden Tag. Es war eine lange und wichtige Zeit in meinem Leben. Ich vermisse das alles sehr, die Band, die gesamte Crew, das war eine große Familie. Leider hält nichts für immer, deshalb muss man positiv nach vorne schauen.

 

Am 25. Oktober kommt Ihr erstes Soloalbum "Old Lions Still Roar" (Alte Löwen können noch brüllen) auf den Markt. Müssen Sie noch jemandem etwas beweisen?

Campbell: Nein, ich muss niemand etwas beweisen. Ich bin gespannt, wie die Leute meine Solostücke annehmen. Ich habe über zwei Jahre an den Liedern gearbeitet und sie mit einigen Freunden wie Alice Cooper, Rob Halford von Judas Priest und Danko Jones als Sänger aufgenommen. Das war mir wichtig, denn ich bin nicht der beste Sänger.

 

Lassen Sie uns zum Abschluss politisch werden: Sie leben in Wales, der neue britische Premier Boris Johnson wurde dort nicht so freundlich empfangen, erntete viel Gegenwind. Was ist Ihre Meinung zum Brexit?

Campbell: Ich rede nicht gern über Politik, im Moment hat das für mich alles einen Monty-Phyton-Charakter. Ich konzentriere mich lieber voll und ganz auf die Musik, davon verstehe ich wesentlich mehr.

 

Konzert in Neuenstadt

Samstag, 21. September, Stadthalle, 20.30 Uhr, Karten ab 28 Euro bei allen Geschäftsstellen unserer Zeitung oder unter www.eventim.de.

Ex-Motörhead-Gitarrist Phil Campbell spielt ein Konzert in Neuenstadt

Eine schrecklich rockende Familie: Der Waliser Phil Campbell (Mitte) hat mit seinen drei Söhnen und Sänger Neil Starr (2. v. r.) eine Band gegründet.

Foto: Jeon Heon-Kyun


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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