Ende einer Ära: Die Musik-Kneipe Red River geht in ihre letzte Saison

Heilbronn  Das Red River wird 30 Jahre alt und feiert am Samstagabend mit einer Jamsession. Gleichzeitig startet die Kneipe in die letzte Saison: Ende Juni 2020 ist Schluss. Die beiden Betreiber blicken auf eine Zeit voller Höhen und Tiefen zurück.

Email
Ende einer Ära: Die Musik-Kneipe Red River geht in ihre letzte Saison

Kult in Heilbronn: Andreas Kurz und Renate Krumrein feiern 30 Jahre Red River. 2020 schließt die Live-Musik-Kneipe in der Neckarsulmer Straße.

Foto: Andreas Veigel

"Die Zeit ist wie im Flug vergangen", sagt Renate Krumrein und lächelt. "Wir hätten niemals gedacht, dass wir 30 Jahre hinter der Theke vom Red River stehen", sagt die Gastronomin. Der runde Geburtstag der Live-Musik-Kneipe in der Neckarsulmer Straße, die Krumrein (67) gemeinsam mit Andreas Kurz (57) betreibt, soll am Samstag mit einer Jubiläums-Jamsession (20 Uhr) gefeiert werden.

Und doch ist irgendwie alles anders. Denn die kommende Saison wird für das Red River die letzte werden, Ende Juni 2020 schließt die Kneipe für immer ihre Pforten. "Es ist uns nicht leicht gefallen. Und es wird auch ein wenig weh tun. Wir schließen aus Altersgründen", sagt Andreas Kurz. "Es war eine gemeinsame Entscheidung. 30 Jahre sind ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören", ergänzt Krumrein. "Man hätte auch einige Dinge renovieren müssen." Die beiden Gastronomen haben das Grundstück verkauft. Was mit dem Gelände passieren wird, steht bislang noch nicht fest.

Die Anfänge im Red River waren nicht einfach

Mit der Schließung endet in Heilbronn eine musikalische Ära. Wie viele Konzerte in 30 Jahren im Red River stattfanden? "Genau können wir das nicht mehr sagen. Es waren um die 3500", schätzt Andreas Kurz. Hardrock, Rockabilly, Blues, Country, Soul, Funk, Punk und Metal - die Bandbreite an Genres war und ist den beiden Betreibern wichtig.

Ende einer Ära: Die Musik-Kneipe Red River geht in ihre letzte Saison

Echte Rampensau mit Mundharmonika: Stacie Collins & The Almighty Band aus den USA.

Foto: Archiv/Veigel

Besondere Highlights waren für die beiden Gastronomen der Auftritt der Stuttgarter Folk-Rock-Polka-Band Hiss 1997 und die Konzerte des Plattenlabels Blue Rose Records, das inzwischen in Heilbronn beheimatet ist, und viele US-amerikanische Künstler nach Heilbronn holte. "Die Amerikaner lieben unseren Club und besonders unsere Schnitzel", sagt Krumrein.

1989 eröffnete Krumrein die Musik-Kneipe mit der grünen Leuchtreklame. "Ich kam als Musiker mit der Band Intravenoes ins Red River, half beim Bedienen aus und bin geblieben", sagt Andreas Kurz. "Die Anfänge waren schwierig, es hat ein Jahr gebraucht, bis der Laden lief", erinnert sich Krumrein. "Besonders gut waren die Zeiten zwischen 1991 und 1994. Wir hatten die ganze Woche geöffnet und die Bude war voll", sagt Andreas Kurz.

Inzwischen haben sich, so die beiden Gastronomen, die Ausgehgewohnheiten der Menschen verändert. "Besonders unter der Woche ist es schwieriger. Die Leute trinken weniger und gehen nur noch am Wochenende aus. Es gibt ein Überangebot an Veranstaltungen." Mit ein Grund: das Internet. "Zum Kennenlernen braucht man heute nicht mehr vor die Tür gehen", sagt Kurz. Das Red River hat inzwischen nur noch am Wochenende oder für private Feiern geöffnet. Bis Juni diesen Jahres hatte das Paar mit einem Lokal in Alt-Böckingen noch ein zweites Standbein.

Ende einer Ära: Die Musik-Kneipe Red River geht in ihre letzte Saison

Geschminkt wie Gene Simmons und Ace Frehley: 2000 trat die Kiss Forever Band auf.

Foto: Archiv/Sattar

Das Red River ist Kult - aus vielen Gründen

In 30 Jahren hat sich auch in der Kneipenkultur einiges verändert. Das eingeführte Rauchverbot 2007 brachte ein Umsatzminus. "Das war ein Bruch", sagt Renate Krumrein. Auch die Einführung der Gema-Lizenzen (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) waren finanziell ein Einschnitt. "Es gibt immer mehr Vorschriften und Auflagen, aber gleichzeitig bleibt immer weniger übrig."

Seinen Charme hat das Red River über 30 Jahre behalten: Der Western-Stil mit der großen Salon-Schwingtür, die zahlreichen Devotionalien an den Wänden wie Tourposter und Gitarren oder die Toilette, die nur über die Bühne zu erreichen ist. Kult sind auch die Sprüche, die Renate Krumrein mit Lippenstift an den Spiegel hinter der Theke malt: "Ehrlich währt am längsten. Aber wer hat schon so viel Zeit" - ein Zitat von Journalist Robert Lembke. "Alle vier bis sechs Wochen werden die Sprüche ausgewechselt."

Was die beiden Betreiber nach der Schließung machen? "Ich will wieder mehr Orgel spielen. Vielleicht nehme ich sogar professionellen Unterricht", sagt Andreas Kurz.

Woher der Name Red River kommt

Seinen Namen, der auf den Western-Film "Red River" aus dem Jahr 1948 zurückgeht, hat das Red River seit 1983. Das Haus wurde vorher als Auto- und Ofensetzerwerkstatt, Teppichlager, Steakhaus im Western-Stil und Pizzeria genutzt. Seit 1989 ist in der Neckarsulmer Straße 40 die Musik-Kneipe zu Hause.

Einige Highlight-Konzerte stehen in der Abschiedssaison an, darunter der Auftritt von The Black Sorrows am 3. Oktober. Weitere Infos zum Programm gibt es auf www.musikkneipe-redriver.de.

Mehr zum Thema: Was die Musikkneipe Red River in ihrer Abschiedssaison bietet

 

Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

Kommentar hinzufügen