Drohende Schließung: Fans kämpfen um die Rockfabrik in Ludwigsburg

Ludwigsburg  Die Rockfabrik in Ludwigsburg steht vor dem Aus, der Mietvertraeg wurde den Betreibern zum Jahresende gekündigt. Die Fans kämpfen für den Erhalt der Kultdiscothek und nutzen dafür vor allem das Internet.

Johannes Rossbacher ist enttäuscht. "Ich verstehe nicht, warum man nicht normal miteinander reden kann", sagt der 66-Jährige, einer der vier Geschäftsführer der Rockfabrik (Rofa) in Ludwigsburg. Adressiert ist seine Enttäuschung an die Max-Maier-Immobiliengesellschaft. Die hat den Betreibern der Kultdiscothek in der Ludwigsburger Weststadt ein Anwaltsschreiben zukommen lassen. Die Forderung: Das Gebäude bis Ende des Jahres zu räumen und mit dem Rückbau der Immobilie zu beginnen. "Wir haben den Mietvertrag immer auf fünf Jahre verlängert. Eineinhalb Jahre vor Ablauf hat man sich dann wieder zusammengesetzt." Das wollte man auch im vergangenen Jahr wieder tun.

Die Immobilienfirma aus Ludwigsburg will kein Statement abgeben

Doch der Vermieter blockte jede Kontaktaufnahme ab. "Wir versuchen seit über einem Jahr, einen Gesprächstermin zu bekommen, was aber nicht möglich ist", sagt Rossbacher. Der Mietvertrag läuft am 31. Dezember aus. Was dann mit dem Gebäude geschieht, ist völlig offen. "Wir sind 36 Jahre brave Mietzahler, und wir bezahlen nicht gerade eine geringe Summe", sagt der Rofa-Geschäftsführer. Selbst wenn Maier andere Pläne mit dem Gelände habe, könnte er wenigstens Alternativen aufzeigen, meint Rossbacher.

"Das Thema interessiert keine Sau. Wir geben dazu kein Statement ab", sagt ein Sprecher der Max-Maier-Immobiliengesellschaft auf Nachfrage der Heilbronner Stimme.

Ein Fan der Kultdisco hat inzwischen eine Online-Petition zum Erhalt der Rofa gestartet, auf der in kürzester Zeit mehr als 28.000 Menschen unterzeichnet haben. Darunter auch: Ludwigsburgs Noch-Oberbürgermeister Werner Spec und sein am Sonntag gewählter Nachfolger Matthias Knecht. "Mit solch einer großen Resonanz haben wir wirklich nicht gerechnet", sagt Johannes Rossbacher. "Die Betreiber der Petitions-Plattform haben sich sogar bei uns gemeldet und gesagt, dass sie so etwas noch nie erlebt haben."

Solidarität zeigen im Internet nicht nur zahlreiche Bands und Fans, die sich für den Erhalt der Discothek stark machen, sondern auch Szene-Magazine wie "Metal Hammer" und "Rock Hard". Bei Facebook hat sich eine Gruppe unter dem Titel "Rettet die RockFabrik!" mit schon mehr 2000 Mitgliedern zusammengetan, in der Erlebnisse in der Kultdisco beschrieben und geteilt werden.

Große Bands traten in der Rockfabrik auf

Gerüchte über ein Aus der Rofa gibt es laut Johannes Rossbacher schon seit Gründung der Discothek im November 1983, als nach einem einjährigen Umbau in den Hallen einer ehemaligen Kühlschrankfabrik eröffnet wurde. Seit den 80ern fanden in der Rofa bislang über 1000 Konzerte statt, unter anderem waren Bands wie Metallica, Iron Maiden, Manowar, Nazareth, Motörhead, Scorpions, Doro oder Volbeat zu Gast. "Wir hatten viele Bands bei uns, bevor sie ihren großen Durchbruch schafften", sagt Rossbacher.

Wie es jetzt weitergeht? "Wir wollen die Rockfabrik natürlich weiterführen, wollen unser Programm ein wenig auffrischen", sagt Rossbacher. "Wir müssen vom Schlimmsten ausgehen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt." Einen Umzug der Rockfabrik kann er sich nur schwer vorstellen: "Klar gäbe es auch einen Alternativplan, aber eine Kultstätte wie die Rofa lässt sich nicht eins zu eins irgendwohin versetzen."

 

Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung, ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Theater und Kabarett.

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