"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" feierte Premiere

Heilbronn  Mit "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" feierte am Sonntag im Großen Haus des Heilbronner Stadttheaters ein authentisches und zauberhaftes Wintermärchen Premiere.

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"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" feierte Premiere

Vincek (Hannes Rittig) wird den Tellerstapel fallen lassen und das gute Aschenbrödel (Tamara Theisen) die Schuld auf sich nehmen.

Foto: Thomas Braun

Fast jedes Kind kennt das Grimmsche Märchen vom Aschenputtel: dem Mädchen, das von der bösen Stiefmutter fies malträtiert, aber später vom Prinzen zur Ehefrau auserkoren wird. Mittlerweile mindestens ebenso bekannt ist die jetzt auf die Heilbronner Bühne gebrachte Fassung (Uli Jäckle). Schließlich steht die gleichnamige Defa-Verfilmung aus dem Jahr 1973 seit vielen Jahren regelmäßig auf dem weihnachtlichen Fernsehprogramm.

Der Film von Václav Vorlícek und Frantisek Pavlícek basiert wiederum auf einer Aschenputtel-Version von Bozena Nemcová. Die tschechische Schriftstellerin erdachte schon im 19. Jahrhundert ein Aschenbrödel, das reiten wie jagen kann und selbstbewusst nur den heiratet, den sie will. Sie lässt sich vom Prinzen nicht einfach zur Frau nehmen, weil er sie aufgrund ihres beim Ball verlorenen Schuhs findet. Komischerweise passt der auch der Stiefmutter. Nein, sie nimmt ihn nur zum Mann, wenn er drei Rätsel löst, die sie ihm stellt.

Frisch, frech und natürlich gibt Tamara Theisen die Titelrolle. Fürs Wintermärchen unter der Regie von Thomas Winter ist die 27-Jährige als Gastschauspielerin zurück nach Heilbronn gekommen. Hier stand sie bereits von 2016 bis 18 als festes Ensemblemitglied auf der Bühne, spielte da im "Zauberer von Oz" schon eine Hauptrolle. Dann verabschiedete sie sich, um auf ihre Ausbildung an der Hamburger Schauspielschule noch ein Studium an der Royal Academy of Dramatic Arts in London draufzusatteln.

Herrlich exaltierte Darstellung und viel Komik

Die Autorin

Der tschechisch-deutsche Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", für die Bühne bearbeitet von Uli Jäckle, basiert auf dem Märchen von Bozena Nemcová (1820-1862). Die Autorin wuchs als Tochter eines Kutschers und einer Magd an einem Hof in Böhmen auf. Bis heute ist unklar, ob sie einer herrschaftlichen Liaison entstammte, die verschleiert werden sollte, da die Herzogin sie förderte. Nemcová versuchte zeitlebens, als Frau eigenständig zu leben.

Ihre Stiefmutter spielt, herrlich exaltiert, arrogant und betont unsympathisch, Judith Lilly Raab, während Malin Kemper entzückend naiv Stiefschwester Dorchen, gibt. Neben Sympathieträger Hannes Rittig, der quasi mit je einem Bein auf beiden Seiten steht - in seiner Doppelfunktion als König und als linkischer Vincek, Diener am Gutshof und Aschenbrödels guter Freund, zieht vor allem Gabriel Kemmether die Lacher auf sich. Allein schon seine urkomische Hochfrisur lässt Kinder wie Erwachsene im ausverkauften Saal kichern.

Wenn er als (dummer?) Augustin, Lehrer des gelangweilten Prinzen (Pablo Guaneme Pinilla), vergeblich versucht, diesen in Fächern wie huldvolles Winken, vornehmes Benehmen und geistreiche Konversation zu unterrichten, ist das herrlich schräg.

Bei der turbulenten Handlung mit Slapstickszenen, Sprachwitz, der etwa in den lustigen Namen auf der Gästeliste zum Brautschauball steckt, die die Königin (Winnie Ricarda Bistram) verliest, bei den opulenten Kostümen sowie der einen oder anderen Albernheit, ist das Bühnenbild (Ausstattung: Toto) angenehm schlicht gehalten. Aber effektvoll: Schnee tanzt auf den Winterwald herab, auf der Drehbühne wird Aschenbrödels Ritt auf Pferd Nikolaus in Szene gesetzt, große goldfarbene Bilderrahmen dekorieren den Ballsaal, Sternengeglitzer und Kerzenlichter betonen das romantische Ende. Kindern und Erwachsenen wird was für Auge und Ohr geboten, erfahrenen Theaterbesuchern auch der eine oder andere Insider wie das Shakespeare-Zitat: "Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter".

Turbulente Slapstickszenen und opulente Kostüme

Derweil gehen die Kinder mit wie beim Kasperltheater. "Jaaa!", rufen sie aus dem Publikum, als Aschenbrödel an einer Stelle eher rhetorisch fragt: "War das der Prinz?". Und spenden nach 70 märchenhaften Minuten viel Applaus. Die Theaterbühne ist näher als die TV-Mattscheibe.

 

 


Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Im Team Kinder & Jugend sowie Familie kümmert sie sich um die entsprechenden Themen und Projekte. Gelegentlich hilft sie im Kulturressort aus. 

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