Drehort Heilbronn: Aufmüpfige Alte in der Villa Fuchs

Heilbronn  Ulrike Grote und Team drehen bis Mitte Juli den SWR- Sechsteiler "Der letzte Wille" im Heilbronner Osten in der Villa Fuchs. Wann die komödiantische Serie gesendet wird, steht noch nicht fest.

Von Claudia Ihlefeld
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Drehort Heilbronn: Aufmüpfige Alte in der Villa Fuchs

Blick auf den Tagesablauf: Produzentin Ilona Schultz (rechts) und Producerin Mina Avramova.

Eigentlich ist es die Ausnahme, dass fast alles an einem Ort gedreht wird. Oder, wie Filmer sagen, an einem Motiv. Die sechs Folgen der kleinen SWR-Serie "Der letzte Wille" indes werden bis auf wenige Szenen in der Villa Fuchs im Heilbronner Osten gedreht, nur selten verlässt das Team das Anwesen.

"Die Villa spielt eine Hauptrolle", sagt Regisseurin Ulrike Grote, von der auch das Drehbuch stammt. "Ich habe die Villa gesehen und dachte: Das habe ich 1:1 so geschrieben. Welch" schöner Zufall."

"Die Villa ist ein Glückstreffer"

Gesucht und gefunden hat das Motiv der sogenannte Locationscout. Grote und Ilona Schultz, die beiden Geschäftsführerinnen der Fortune Cookie Film GmbH mit Sitz in Hamburg, die die Serie im Auftrag des SWR produziert, waren sofort überzeugt. "Ein Glückstreffer."

Szenenbildnerin Tanja Arlt hat die komplett leere Villa, die der Diakonie gehört, in eine eigene Welt aus morbidem Pomp verwandelt. Das meiste dazu hat sie im Fundus des SWR entdeckt, Kleinrequisiten wie Vasen und Geschirr hat Arlt bei der Heilbronner Aufbaugilde gekauft oder auch ausgeliehen - wie die Rattanmöbel für die Terrasse.

An insgesamt 45 Tagen wird in Heilbronn abgedreht, eine kurze Szene zeigt den nächtlichen Einbruch in den Malersaal des Theaters. Ab Mitte Juli folgt mit Schnitt, Ton- und Bildbearbeitung die sogenannte Postproduktion. Kurz vor Weihnachten werden die fertigen Bänder dem SWR übergeben, der Sendetermin steht noch nicht fest.

"Der letzte Wille" spielt in einem Altenheim

Drehort Heilbronn: Aufmüpfige Alte in der Villa Fuchs

Mittwochnachmittag, achter Drehtag in der Villa Fuchs mit Jürgen Haug (links), Christian Pätzold, Hartmut Volle und Willem Menne auf dem Fenstersims.

Fotos: Andreas Veigel

Dafür erzählen Produzentin Ilona Schultz und Producerin Mina Avramova, wovon die komödiantische Serie "Der letzte Wille" handelt, die in einem kleinen, privaten Altenheim spielt.

Als die Heimleiterin stirbt, vererbt sie ihrer Nichte Ella das Heim samt Bewohner. Ella lebt in Marbella, und so steht im Innenhof der Villa, die im Film "Villa September" heißt, ein Kleinbus mit spanischem Kennzeichen, ein sogenanntes Spielfahrzeug.

Ella möchte das Erbe so schnell wie möglich wieder loswerden. Verkaufen kann sie aber erst, wenn die Bewohner ausgezogen sind. Die Alten haben mitnichten vor, sich vertreiben zu lassen.

Stefan Eichberg vom Heilbronner Theater hat eine Gastrolle

Ulrike Grote, in Bremen geboren, aufgewachsen in Pforzheim, hat Erfahrung mit schwäbischen TV-Komödien und bereits "Die Kirche bleibt im Dorf" gedreht. Einige der Schauspieler sind wieder dabei, Karoline Eichhorn, Christian Pätzold, Jürgen Haug und Janna Striebeck, die die Ella spielt.

Neu im gemischten Team aus Schwaben und Nicht-Schwaben sind Jochen Striebeck, Willem Menne und Katharina Matz. Und Stefan Eichberg vom Heilbronner Theater ist in einer kleinen Rolle als Galerist zu sehen. Die Komparsen kommen teils aus dem Pflegeheim Domicil gleich um die Ecke, die Älteste ist stolze 96 Jahre alt.

Der regionale Bezug macht Filme authentischer

Drehort Heilbronn: Aufmüpfige Alte in der Villa Fuchs

Er ist einer der munteren Alten, die sich nicht vertreiben lassen: Jürgen Haug liest nochmals seinen Text.

Warum sich schwäbische Serien einer solchen Beliebtheit erfreuen? "Der Dialekt erlebt eine Renaissance, der Regionalbezug macht Programme authentischer", weiß Produzentin Ilona Schultz.

Was aber unterscheidet eine Produzentin von einer Producerin? Eine Unterscheidung, die es im Englischen nicht gibt. Producerin Mina Avramova versteht sich als rechte Hand von Schultz, die wiederum gemeinsam mit Ulrike Grote am Set das Sagen hat.

An diesem Mittwochnachmittag, dem achten Drehtag, werden Szenen aus der vierten Folge aufgenommen: Die munteren Alten schmieden Pläne und werden belauscht. Willem Menne, Hartmut Volle, Jochen Striebeck, Jürgen Haug und Christian Pätzold spielen eine Ping-Pong-Szene. "2:0 Horscht, was will man machen." "Aufschlag Walter."

Regisseurin Ulrike Grote wünscht, dass die Abgänge nochmals gedreht werden. Das heißt noch einmal Schauspielprobe, Kameraprobe, Bildeinstellung und Dreh.

 


Straßensperrungen sind nicht geplant

Vor dem Drehstart hatte der SWR betroffene Anwohner über das Projekt informiert. Straßensperrungen sind nicht geplant, bei einem Außendreh in der ersten Woche war eine Straßenzufahrt kurz unterbrochen. Intervallsperrung heißt das im Film-Jargon. "Wir sind jederzeit ansprechbar", sagt Produzentin Ilona Schultz. "Im Sinne eines guten Verhältnisses zu unseren kurzfristigen Nachbarn."

Als Green Productions verstehen sich die Filme der Fortune Cookie Film GmbH mit Sitz in Hamburg, die im Auftrag des SWR "Der letzte Wille" produziert. Nachhaltige Filme "aus Überzeugung" bedeuten für die Geschäftsführerinnen Ulrike Grote und Ilona Schultz und Team unter anderem, dass sie mit dem Zug fahren und nicht fliegen, auch wenn es länger dauert und teuer ist, dass vor Ort zu Fuß gegangen wird, geradelt und keine Plastikflaschen und -geschirr verwendet werden.

 


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