Die gebürtige Heilbronnerin Nina Sahm hat weiteren Roman veröffentlicht

Heilbronn/München  In Nina Sahms viertem Roman, der in einem kleinen bayerischen Dorf angesiedelt ist, spielt ein Schaf eine tragende Rolle. Was es damit auf sich hat, erklärt die Autorin im Gespräch mit der Stimme.

Nina Sahm, Autorin
Autorin Nina Sahm. Foto: privat

Sie sind aus der Literatur nicht wegzudenken: Ob in George Orwells dystopischer Fabel "Farm der Tiere" (1945), Akif Pirinçcis Krimi "Felidae" (1989) oder in neueren Romanen wie Marc-Uwe Klings Textsammlung "Die Känguru Chroniken" (2009) - es gibt endlose Beispiele von Geschichten mit tierischen Protagonisten.

Auch in "Die Tage mit Bumerang", dem neuen Roman der gebürtigen Heilbronnerin Nina Sahm, spielt ein Tier eine tragende Rolle: Ein Schaf wirbelt das Leben von Protagonistin Annu ganz gehörig durcheinander. Die Halbfinnin lebt am Rand eines kleinen bayerischen Dorfs. Nachdem ihre Eltern gestorben sind, hat sie dort nicht mehr viel Anschluss, pflegt aber den Kontakt zu ihrem besten Freund Lars, der mit Frau und Kind im gleichen Ort wohnt.

"Dann geschieht ein tragisches Unglück: Annu überfährt unabsichtlich Lars" Sohn. Ab diesem Moment ist sie komplett isoliert", sagt Nina Sahm. "Sie verzweifelt ein wenig und weiß nicht, was sie mit sich anfangen soll." Dann steht plötzlich ein Schaf in ihrem Garten, das sich nicht verscheuchen lässt und auf ungewöhnliche Weise wieder neuen Optimismus in Annus Leben bringt. "Sie nennt das Schaf Bumerang, weil es immer wieder zurück kommt", sagt die Autorin.

Nina Sahm widmet sich ernsten Themen - mit hoffnungsvollen Elementen

Wie sie auf die ungewöhnliche Idee kam? "Ich habe einige Artikel über Unfälle gelesen und mich gefragt: Wie geht es jemandem, dem so etwas passiert? Schnell hatte ich das Bild eines Schafs im Kopf, das immer wieder kommt", sagt Sahm.

"Die Tage mit Bumerang" ist Nina Sahms vierter Roman. Obwohl sie sich in ihren Büchern ernsten Themen widmet, will die Autorin immer auch hoffnungsvolle und lebensfrohe Elemente einfließen lassen. "Es geht immer ein wenig darum, den Platz im Leben zu finden, um den Sinn des Lebens", sagt Nina Sahm.

 

 

Autobiografisch sind ihre Bücher in erster Linie nicht. "Ich finde es wahnsinnig schwer, mein eigenes Leben aufs Papier zu bringen. Das blockiert mich eher, anstatt daraus ein guter Roman entsteht", sagt Sahm. "Aber natürlich fließen im Schreibprozess auch persönliche Dinge oder Geschichten aus Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis ein." Am besten schreiben kann sie nach eigenen Angaben in der Küche, "mit Blick nach draußen".

Bis zu ihrem dritten Lebensjahr wohnte die Autorin in Neckarsulm, zog anschließend mit ihren Eltern in den Schweizer Kanton Bern. Nach einer Station in Nürnberg, lebt die 38-Jährige inzwischen in München, wo sie als Verlagsredakteurin arbeitet. "Es ist toll. München ist eine Großstadt und trotzdem ist man in kürzester Zeit in den Bergen oder an Seen. An den Wochenenden fahre ich zum Abschalten raus." Und auch ihr Job ist passend: "Ich bin Autorin und arbeite mit Autoren, kenne also beide Seiten", sagt Sahm.

Bücher haben Nina Sahm schon früh fasziniert: "Ich hatte als Kind einen Stadtbibliotheksausweis und habe mir jede Woche stapelweise Bücher ausgeliehen." Heute noch ist sie ein Fan von Büchern aus Papier. "Ich habe mir vor Jahren mal einen E-Reader für den Urlaub gekauft, aber für mich hat sich das nicht bewährt", sagt die gebürtige Heilbronnerin. "Ich liebe es zurückzublättern, um die schönsten Stellen noch einmal nachzulesen. Ich bin noch keine digitale Leserin, auch wenn es praktisch ist."

Die Autorin hat ein Faible für Fotografie

Neben dem Schreiben, hat Nina Sahm auch ein Faible für Fotografie. Auf ihrem Instagram-Kanal finden sich idyllische Landschaftsfotografien, Bilder von ihrem Hund und natürlich auch von einem Schaf. Wäre Fotografin eine berufliche Alternative gewesen? "Überhaupt nicht. Ich mache das nebenbei und es bleibt ein spielerisches Hobby. Außerdem fotografiere ich ja nur mit meinem Handy", sagt Nina Sahm.


Buchtipp: Nina Sahm: "Die Tage mit Bumerang". Hanser Blau Verlag, München, 240 Seiten, 15 Euro.

 

Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung, ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Theater und Kabarett.

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