Die Musik aus "Game of Thrones" in der Harmonie

Heilbronn  Mit dem Czech Symphonie Orchestra und dem Universitätschor Augsburg bringt Dirigent Franz Bader am Sonntagabend den Soundtrack der erfolgreichen Fantasy-Serie in der Harmonie auf die Bühne. Die Fans sind euphorisiert.

Von Andreas Sprachmann
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Die Musik aus "Game of Thrones" in der Harmonie

Bringen "Game of Thrones" nach Heilbronn: das Czech Symphonie Orchestra, der Universitätschor Augsburg und Dirigent Franz Bader (Mitte).

Foto: Andreas Sprachmann

Wer "Game of Thrones" noch nie gesehen hat möge ein Handzeichen geben, bittet Franz Bader sein Publikum vor Beginn des Konzerts. Und tatsächlich outen sich einige wenige Besucher der Harmonie als Neulinge im Kosmos von "GoT", der derzeit weltweit erfolgreichsten Fernsehserie.

Dirigent Bader jedoch, der mit rund fünfzig Musikern des Czech Symphonie Orchestra und noch einmal soviel Mitgliedern des Universitätschors Augsburg angereist ist um mit einer schwindelerregenden Melange aus symphonischen Klangwelten und einer bis ins kleinste Detail ausgeklügelten Lightshow seine Zuhörer zu begeistern, weiß dem Manko abzuhelfen.

Am Palmsonntag beginnt die letzte Staffel

Wenn man sich sofort daran mache, sich mit sämtlichen Folgen der bislang sieben Staffeln des Fantasy-Epos um Macht, Intrigen und Gewalt vertraut zu machen, habe man bis zum Beginn der achten Staffel in der Nacht vom Palmsonntag zur beginnenden Karwoche eine veritable Chance, einzutauchen in eine Fake-History, deren Ausmaße alles bis dahin Erlebte in Sachen Fantasy in den Schatten stellt.

Die Frage nach dem Guten und Bösen, das hemmungslose Dahinraffen der Sympathieträger und die absolute Diffusion von Moral und Happy End gelten mittlerweile als Alleinstellungsmerkmal von "GoT". Die Komplexität der unüberschaubaren Anzahl an Charakteren, Volksstämmen, Kontinenten und Phantasiesprachen sprengt durch die Möglichkeiten des Bezahlfernsehens nicht nur das konventionelle "Fortsetzung-folgt-Schema", sondern fordert mit ihrer neuartigen Dramaturgie auch andere Gesetzmäßigkeiten der musikalischen Abbildung.

Mit der genialen Umsetzung der kompositorischen Herausforderungen bei der Vertonung der Geschichte mit all ihren überraschenden Wendungen und Unwägbarkeiten hat sich der deutsch-iranische Komponist Ramin Djawadi in die Riege der ganz Großen seiner Zunft katapultiert. Wie John Williams, der Vater des Star-Wars-Soundtracks, beherzigt Djawadi das Grundrezept im Fantasy-Genre, wonach je unrealistischer die Handlung, die Musik desto klassischer ausfallen sollte.

Wie Howard Shore, der sich bei seiner wegweisenden Vertonung des "Herr der Ringe" auf die epische Erzählweise Richard Wagners bezieht, ist es auch hier das Leitmotiv, das als Vehikel den Kosmos zwischen Westeros und dem eisigen Reich der Weißen Wanderer durchpflügt.

Das "GoT"-Motiv unterliegt ständiger Veränderung

Djawadi, der sein Handwerk in der Talentschmiede des oscarverwöhnten Hollywood-Komponisten Hans Zimmer perfektionierte, geht einen Schritt weiter. Sein "GoT"-Motiv bleibt nicht unangetastet als personen- oder landschaftsgebundenes Zitat im Raum stehen, sondern unterliegt ständiger Veränderung - mal in keltisch-irischem Gewand, mal mit mitreißenden Orientalismen verziert oder grundsolide in europäische Romantik verpackt.

Mit der großartigen Mezzosopranistin Simone Werner, einem glänzend disponierten Augsburger Universitätschor unter Leitung von Andreas Becker, mit dem leidenschaftlich am Leitmotiv-Cello agierenden Pavel Belouek und dem in bester Philip-Glass-Manier Orgelkadenzen schmetternden Jacob Burzin entlässt Franz Bader nach gut zwei Stunden eine euphorisierte "GoT"-Gemeinde in die letzte Wartephase bis zum Start der neuen Staffel.

 


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