Die Mannheimer Band ok.danke.tschüss in Brackenheim

Brackenheim  Da kommen Erinnerungen an die Neue Deutsche Welle hoch: Mit ihrem selbsternannten Cindy-Pop und den cleveren, schwarzhumorigen Texten überzeugt die Band beim Konzert in Brackenheim.

Von Fabienne Acker
Email
Die Mannheimer Band ok.danke.tschüss in der Kapelle im Schloss in Brackenheim

Pop trifft auf Punk, Rock und Rap: Die Texte von ok.danke.tschüss mit Frontfrau Eva Sauter sind clever, schwarzhumorig und selbstreflektierend.

Foto: Fabienne Acker

Als Band ist es ziemlich umständlich, immer alle Namen der Mitglieder aufzählen zu müssen. Deshalb macht es Sinn, sich als Kollektiv einen neuen Titel zu geben. Wie zum Beispiel ok.danke.tschüss. "Und damit wir euch besser ansprechen können, haben wir uns gedacht, ihr dürft euch als Publikum auch einen Namen ausdenken", erklärt Frontfrau Eva Sauter. Nach Vorschlägen wie Horst oder Klaus-Dieter steht die Publikumsentscheidung: "Wenn eure Mama anruft oder die Polizei euch nach Personalien fragt, sagt ihr also heute: Dörte", fasst es Sauter zusammen.

In Brackenheim treten ok.danke.tschüss in Sporthosen und Poloshirts auf

Die Mannheimer Lucas Firmbach (Keyboard), Manuel Praxmarer (Bass), Benjamin Doser (Schlagzeug) und Frontfrau Sauter bringen die Kulturbühne in der Kapelle im Schloss in Brackenheim zum Kochen. Eines fällt sofort auf: Die Band weiß, was Wiedererkennungswert bedeutet. Ihre Marke: bunt. Auf ihren Promofotos sehen die Mitglieder eher aus wie Gebrauchtwagenhändlern aus den 80ern - knallige Blazer inklusive. Beim Auftritt heißt es dann allerdings: Sportdress. Kurze Trainingshosen, weiße schienbeinhohe Socken und pastellfarbene Poloshirts. Das Ganze wirkt wie eine Uniform, die perfekt zum frechen Stil der Studenten passt.

Ihre Musik, der Cindy-Pop, erinnert an die Neue Deutsche Welle. Allerdings hätten sich Markus und Extrabreit nur wünschen können, so cool und modern zu klingen wie ok.danke.tschüss. Nachdem der vier Jahrzehnte alte Staub des Genres weggewischt ist, klingen die Freunde eher wie Nena auf Speed. Dabei trifft Pop auf Punk, Rock und Rap. Wummernde Drums und Synthesizer-Beats gehören dazu, die Texte der Band sind clever, schwarzhumorig und selbstreflektierend.

So singt Eva Sauter mit ihrer beeindruckend vielseitigen Stimme über die Trägheit des Bafög-Amts, beschreibt ihre Lieblingskneipe, in der man so schön traurig sein kann, und gibt Eltern einen nicht ganz ernst gemeinten Leitfaden auf den Weg, wie sie ihre erwachsenen Kinder aus dem Haus bekommen. "Versteckt Hasch unter ihrem Kissen - dann werden sie eingesperrt", heißt es im Song. "Allerdings gibt es da bestimmt auch noch bessere Alternativen, vielleicht nicht nachmachen", schickt die Singer-Songwriterin Eva Sauter augenzwinkernd hinterher.

Die Band schafft es mit chaotischer Energie das Publikum zum Tanzen zu bringen

Das Highlight des Abends markiert der Ohrwurm "Vincent van Gogh". Kunst ist Ansichtssache, suggerieren die Lyrics. Der Beat der vorlauten Punk-Rock-Hymne geht direkt in die Beine. Die chaotische Energie der Band manifestiert sich in einem hüpfendem Tanzstil, der ansteckt und Spaß macht. Das Publikum ziert sich anfangs noch ein wenig, kann von den Newcomern aber durch das imaginäre "Lasso der Liebe" dazu bewegt werden, den Tanzboden vor die Bühne zu verlegen. ok.danke.tschüss könnten die deutsche Popwelt aufmischen. Mit deren Einheitsbrei an kaum zu unterscheidenden Melodien und holprigen Texten hat diese das auch bitter nötig.


Kommentar hinzufügen