Der finnische Schlagzeuger Tomi Salesvuo im Interview

Heilbronn  Schlagzeuger Tomi Salesvuo hätte am Montag mit seiner Band East Funk Attack in der Ebene 3 in Heilbronn spielen sollen. Aufgrund der Corona-Krise wurde das Konzert auf 2021 verlegt. Im Interview spricht der Musiker über die Leidenschaft für sein Instrument.

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Der finnische Schlagzeuger Tomi Salesvuo im Interview

Schlagzeuger mit Faible für Jazz, Funk, Rock und Pop: Tomi Salesvuo ist Kopf der Band East Funk Attack.

Foto: Toni Rutanen

Eigentlich sollte Schlagzeuger Tomi Salesvuo mit seiner Band East Funk Attack am kommenden Montag in der Ebene 3 in Heilbronn auftreten. Aufgrund der Corona-Krise wurde das Konzert auf den 22. März 2021 verschoben. Im Interview spricht der finnische Musiker über die Leidenschaft für sein Instrument und bestätigt vorherrschende Klischees über Schlagzeuger.

 

Herr Salesvuo, wenn man an die Musiklandschaft in Finnland denkt, fällt einem eher düstere Metal-Musik ein als Funk.

Salesvuo: Das stimmt schon (lacht). Metal und Deathmetal hat in Finnland eine sehr aktive Szene. Ich mag vor allem die Energie, die übertragen wird. Bands wie Apocylptica oder Nightwish haben diese ausgeprägte Präsenz und Wucht. Diese Energie lässt sich aber auch auf alle anderen Musikrichtungen übertragen. Auch bei den Konzerten von East Funk Attack sollen die Leute mit dem Gedanken den Raum verlassen, dass die Musiker alles gegeben haben.

 

Wie würden Sie den Sound Ihrer Band beschreiben?

Salesvuo: Eigentlich ist East Funk Attack ein Gitarren-Trio, ergänzt mit Gesang, Keyboard und Saxofon, um mehr Tiefe und Farbe in unsere Songs zu bringen. Wir verbinden Funk- und Jazzelemente und eine finnische Attitüde mit Rock und Pop. Wir wollen aber nicht amerikanisch klingen und gehen unseren eigenen Weg. Meine Vorbilder sind unter anderem Künstler wie die Red Hot Chili Peppers, Lenny Kravitz und Soul-Legende James Brown.

 

Besonders angetan hat es Ihnen die Musik der 70er-Jahre.

Salesvuo: Ja, denn das ist die Wurzel unseres Sounds. Wir alle lieben den Klang eines Fender Jazz Bass oder einer Hammond Orgel. Die Kompositionen der 70er fußen auf den Riffs und den Hooks.

 

2013 haben Sie East Funk Attack gegründet, vor zwei Jahren hat sich das Lineup der Band verändert.

Salesvuo: Wir haben die Band von neun auf sechs Mitglieder verkleinert. Ich hatte einfach das Gefühl, dass wir nicht das erreichen können, was ich mir im Kopf ausmale. Ich unterrichte an einer Universität in Helsinki, habe dort einige junge Leute kennengelernt und begonnen, mit ihnen zu arbeiten. Die Band ist eine Kollektion meiner Lieblingsmusiker. Sie können die Lieder so spielen, wie ich mir das vorstelle.

 

Ihre musikalischen Anfänge hatten Sie mit einem etwas anderen, sehr kuriosen Instrument.

Salesvuo: Das ist richtig. Mein erstes Instrument war das Akkordeon (lacht). Das ist ein sehr wichtiges Instrument in Finnland. Mein Vater war Trompeter, Musiklehrer und sehr aktiv in meiner Heimatstadt, meine Eltern hingen an traditionellen Dingen. Mit dem Schlagzeug habe ich mit elf Jahren begonnen.

 

Enfants terribles wie Ginger Baker nährten das Klischee, dass alle Schlagzeuger ein wenig verrückt sind. Können Sie das so unterschreiben?

Salesvuo: Vielleicht ein wenig (lacht). Schlagzeuger können gut zuhören, haben eine besondere Leidenschaft für die Musik. An einem Instrument wie dem Schlagzeug kann man seine Leidenschaft nicht verstecken. Alles kommt aus den Händen und Füßen, es ist ein sehr physisches Instrument. Was alle bekannten und unbekannten Schlagzeuger verbindet, ist das Leben im Moment beim Spielen.

 

Beim Konzert in Heilbronn sollte auch Riku Rajamaa, Gitarrist der bekannten Rockband Sunrise Avenue, dabei sein. Wie kam"s?

Salesvuo: Ich kenne ihn schon seit 25 Jahren, wir leben zwei Kilometer voneinander entfernt, unsere Kinder besuchen die gleiche Schule. Ich habe ihn bei einem Konzert in Helsinki eigentlich nur aus Spaß gefragt, ob er mit uns auf Tour gehen würde. Er hatte Zeit und sagte ja. Das fühlte sich surreal an.

 

Aufgrund des Coronavirus steht der Kulturbetrieb erst einmal still. Welche Auswirkungen hat diese schwierige Zeit auf Musiker?

Salesvuo: In Finnland ist die Ausbreitung glücklicherweise noch nicht so stark. Bands, Musiker und die Musikindustrie werden es schwer haben. Wir müssen Menschen treffen, wir müssen uns mit Menschen verbinden. Wir können unsere Shows nicht nur im Internet streamen. Wenn man in einen kleinen Musikclub geht, spürt man die Energie und nimmt auch die kleinen Dinge wahr, die auf der Bühne passieren. Ich hoffe, dass die Welt diese Live-Kultur aufrechterhalten kann.

 


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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