Das sind die Neuen im Ensemble des Theaters Heilbronn

Heilbronn  21 Schauspieler gehören zum Ensemble des Stadttheaters. Der harte Kern wird jetzt von vier frischen Gesichtern ergänzt. Wir stellen sie vor.

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Das sind die Neuen im Ensemble des Theaters Heilbronn
Die neuen Ensemblemitglieder (v.l.): Sarah Finkel, Winnie Ricarda Bistram, Pablo Guaneme Pinilla und Johanna Sembritzki. Foto: Theater Heilbronn

Das Interesse am Schauspielberuf scheint ungebrochen groß, die Bretter, die die Welt bedeuten, sind ein begehrter Arbeitsplatz. 21 fest engagierte Schauspieler gehören zum Ensemble am Heilbronner Stadttheater mit seinen drei Spielstätten Großes Haus, Komödienhaus und Boxx.

Den harten Kern des Ensembles, der seit elf Jahren am Berliner Platz spielt, frischen Gäste wie Rahel Ohm und Sonja Isemer auf sowie Kollegen, die sich für die Freiberuflichkeit entschieden haben und ab und zu zurückkehren. Und natürlich die Neuzugänge.

Auch die Grande Dame am Theater Heilbronn, Ensemble-Ehrenmitglied Ingrid Richter-Wendel, ist demnächst in der Soirée "Denn wer sich grün macht, den fressen die Ziegen" wieder zu sehen.

Von den Älteren lernen, ist Kern des Ensemblegedankens. Und: Dass alle Schauspieler mal große und dann wieder kleinere Rollen spielen. Im Idealfall hat ein Ensemble Kollegen fast aller Altersgruppen für fast alle Rollen. Die Faustregel für die Zusammensetzung: Ein Ensemble muss zwei Mal Friedrich Schillers Drama "Kabale und Liebe" besetzen können.

Wir stellen die Neuzugänge des Ensembles vor

Angelehnt an den wohl berühmtesten Fragebogen der Welt, der den Namen des französischen Schriftstellers Marcel Proust (1871-1922) trägt, obwohl Proust diesen zwar nicht entworfen, dafür zwei Mal ausgefüllt hat, stellen wir die vier Neuen im Ensemble vor: Sarah Finkel, Winnie Ricarda Bistram, Pablo Guaneme Pinilla und Johanna Sembritzki.

Am 30. November, 21.30 Uhr, präsentieren sie sich unter dem Titel "Die Funkelnagelneuen" im Late-Night-Format Boxx@Night. Das Publikum erfährt, wie sich die vier Backstage auf eine Vorstellung vorbereiten und was ist, wenn einen das Lampenfieber packt. Zwischen Warm-up und Sprechübungen plaudern sie aus dem Theateralltag, singen Lieder und lesen eigene Texte.

Sarah Finkel

Sarah Finkel. Foto: privat
1994 in Landshut geboren, Schauspielausbildung an der Athanor Akademie für Darstellende Kunst in Passau.

Ihre Gemütsverfassung jetzt im Herbst: Auf der Suche nach einem warmen Ort und hellem Licht und Tee.

Ihre Heldinnen/Helden auf der Bühne: All diejenigen, die mich durch ihre Arbeit als Zuschauer berühren und zum Nachdenken bringen. 

Ihre Heldinnen/Helden im Leben: Die gesammelten Helden der Hinterbühne. Sonst wäre ich schon tausendmal verloren gewesen. 

Wie möchten Sie leben? „Widewide wie es mir gefällt“, frei nach einem meiner Vorbilder zitiert.

Ihre Stärken? Es braucht sehr viel, bis ich aufgebe. 

Ihre Schwächen? Es braucht sehr, sehr viel, bis ich aufgebe.

Was macht Sie zufrieden und froh? Wein, Badewannen und ein gutes Buch.

Brennende Interessen neben dem Schauspiel: Ich sammle alles, was alt ist und eine Geschichte hat. Von Büchern über Fotografien bis hin zu Möbeln. 

Winnie Ricarda Bistram

Winnie Ricarda Bistram. Foto: privat
1989 in Hamburg geboren, Schauspielstudium am Max Reinhardt Seminar in Wien.

Ihre Gemütsverfassung jetzt im Herbst: Meinem Gemüte beliebt es im Herbst nach möglichst geringer Fassung. Die Freiheit drängt sich in die wenigen Sonnenstunden.

Ihre Heldinnen/Helden auf der Bühne: Ich habe Jörg Pohl mal ganz vorzüglich einen lustigen Baum spielen sehen. 

Ihre Heldinnen/Helden im Leben: Die Straßenkehrer und -kehrerinnen, die die Existenz des Vortages infrage stellen können, sind doch wahre Magier.

Wie möchten Sie leben? Wach und handlungsfähig. Wachhund längerlebig.

Ihre Stärken? Morgens bewölkt, abends heiter.

Ihre Schwächen? Morgens bewölkt, abends heiter. 

Was macht Sie zufrieden und froh? Eis und Cointreau.

Brennende Interessen neben dem Schauspiel: Ich sammle leidenschaftlich Brillen in verschiedenen Stärken, um einen differenzierten Blick auf die Welt zu bekommen.

Pablo Guaneme Pinilla

Pablo Guaneme Pinilla. Foto: privat
1985 in Berlin geboren, Schauspielstudium Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ Leipzig.

Ihre Gemütsverfassung jetzt im Herbst: Ein Hauch von Melancholie, gelb-rot-orange getupft mit einem Schwung unerträglicher Leichtigkeit und einem Geschmack von Salbei auf der Zunge.

Ihre Heldinnen/Helden auf der Bühne: Zuletzt: Frederik Tidén, eigentlich Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus, wegen seines sehr persönlichen, mutigen Auftritts bei einem Gesangsabend.

Ihre Heldinnen/Helden im Leben: Meine Mutter und mein Stiefvater. Für ihr großes Engagement in ihrem Umfeld und die Nestwärme, die sie mir und meinen Stiefgeschwistern bieten.

Wie möchten Sie leben? Am liebsten fröhlich und als Bereicherung für meine Mitmenschen.

Ihre Stärken? Quizduell

Ihre Schwächen? „TV-Serien“ und „Sport & Freizeit“ bei Quizduell.

Was macht Sie zufrieden und froh? Nett sein zu den Nachbarn, fettes Essen vermeiden, ein paar gute Bücher lesen, Spaziergänge machen und in Frieden und Harmonie mit Menschen jeden Glaubens und jeder Nation leben.

Brennende Interessen neben dem Schauspiel: Der weite Sternenhimmel. Ich brauche dringend ein Teleskop. Und muss bei der Robert-Mayer-Sternwarte vorbeischauen.

Johanna Sembritzki

Johanna Sembritzki. Foto: privat
1981 im Ruhrgebiet geboren, Schauspielstudium an der Bayerischen Theaterakademie „August Everding“ in München.

Ihre Gemütsverfassung jetzt im Herbst: Ich finde den Herbst gemütlich. Man kann Wollsocken rausholen, sich was Warmes anziehen und durch das Laub spazieren. Schade ist, dass es so früh dunkel wird.

Ihre Heldinnen/Helden auf der Bühne: Lucille aus „Dantons Tod“. Sie ist eine starke Frau, die die Revolution vorangetrieben hat. Es gibt nicht eine spezifische Heldin – es sind Frauen, die der Männerwelt auf dem Theater entgegen treten. Damit meine ich nicht nur Hauptrollen.

Ihre Heldinnen/Helden im Leben: Das Pflegepersonal in Kliniken und Seniorenheimen und Menschen, die sich um kleine Kinder kümmern. Leider viel zu schlecht bezahlt in dieser Gesellschaft.

Wie möchten Sie leben? Ich möchte frei sein, aber nicht ungebunden. Ich möchte viel von der Welt sehen und erleben, aber nicht so viel, dass ich keine Träume mehr haben kann.

Ihre Stärken? Ich bin ein Organisationstalent, einfühlsam und kann gut zuhören. Und ich kann aus kleinen Sachen große Sachen machen - aus Steinen ein Spielzeug oder ein Instrument, aus einem ganz normalen Kinderbild ein Kunstwerk.

Ihre Schwächen? Schokolade, Kekse und Kuchen.

Was macht Sie zufrieden und froh? Wenn meine Familie zusammen ist und es allen gut geht. Gute Gespräche mit Freunden. Wenn eine Probe richtig rund war. Und ich fühle mich wohl in der Natur.

Brennende Interessen neben dem Schauspiel: Psychologie finde ich wahnsinnig interessant – auch für unseren Beruf.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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