Das Heilbronner Hawaii-Viertel als Roman-Schauplatz

Heilbronn  Volksfest, Allee, Creme: Die Schauplätze in Cihan Acars Romandebüt "Hawaii" dürften vielen in der Region bekannt vorkommen. Der Nachwuchsautor aus Bad Friedrichshall erzählt darin, wie ein gescheiterter Profi-Fußballer in Heilbronn versucht, wieder Fuß zu fassen.

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Nachwuchsautor Cihan Acar hat einen Heilbronn-Roman geschrieben. Das Hawaii-Viertel hat dem Buch den Titel gegeben. Foto: Mario Berger

Im Leben läuft nicht immer alles nach Plan. Bisweilen wirft das Schicksal einen auch plötzlich aus der Bahn. Im Fall von Kemal Arslan ist es sein Auto, das ihn von der Fahrbahn wirft. Das Bein: futsch. Der große Traum von der Karriere als Profifußballer in der Türkei ebenso. Also kehrt der Anfang 20-Jährige wieder zurück in seine Heimatstadt Heilbronn.

Dort kocht innerhalb weniger heißer Junitage die Stimmung hoch. Denn zwei verfeindete Gruppierungen - Rechte und Migranten - geraten immer stärker aneinander. Ziellos streift Kemal unterdessen umher. Versucht, an alte Freundschaften anzuknüpfen, seine Ex-Freundin Sina wieder zu erobern, und seine Eltern davon zu überzeugen, dass ihm ein Neuanfang gelingt. Diese kamen einst aus der Türkei nach Deutschland und leben nun im Hawaii-Viertel.

Um sein Buch zu schreiben, zog Acar nach Berlin

"Ich habe das jahrelang mit mir herumgeschleppt", sagt Autor Cihan Acar über diese Geschichte, "jetzt ist es herausgeschrieben." Bis er die ersten Kapitel von "Hawaii" - so der Titel seines Debütromans - aber zu Papier brachte, hat es gedauert. "Ich hatte ja noch die Uni, die gleichzeitig nebenher lief", erinnert sich der Bad Friedrichshaller. Er merkte: Will er seine Idee wirklich umsetzen, muss er sich reinhängen.

Also legte er sein Jurastudium in Heidelberg auf Eis und zog für ein halbes Jahr nach Berlin. Anstatt sich dort nur auf Inspiration zu verlassen, machte er sich diszipliniert an die Arbeit. Acar: "Man muss sich fürs Schreiben jeden Tag eine feste Stundenzahl setzen." Aus der Distanz heraus habe er dann auch einen anderen Blick auf Heilbronn entwickeln können.

Volksfesttrubel auf der Theresienwiese, eine Party im Club Creme, Straßenschlachten auf der Allee: Leser aus der Region werden viele Schauplätze des Romans wiedererkennen. Am meisten Spaß gemacht habe ihm aber, dass er sein eigenes Heilbronn erfinden, hier und dort andere Akzente setzen konnte, erzählt Acar. Die Entscheidung, Szenen im Hawaii-Viertel spielen zu lassen, sei dabei spontan gefallen. 

"Im Laufe der Geschichte wurde das Viertel immer wichtiger"

 

"Im Laufe der Geschichte wurde das Viertel und der Name Hawaii immer wichtiger, sie haben sich immer weiter entwickelt, am Ende hat es dann am besten gepasst, dass "Hawaii" auch der Titel sein sollte", erklärt der Bad Friedrichshaller.

 

Weil auch seine Eltern in der Türkei geboren sind, er selbst eine Zeit lang in Istanbul lebte und gerne Fußball spielt, liegt es nahe, die Hauptfigur mit ihrem Autor zu vergleichen. Der wiederum räumt ein: "Man kann es nicht verhindern, dass vieles aus der eigenen Geschichte mit einfließt." Allzu autobiografisch wollte er "Hawaii" aber nicht anlegen. "Kemal ist wie ein jüngerer Bruder von mir", sagt er.

Buchpremiere

"Hawaii": Nachwuchsautor Cihan Acar hat Heilbronn-Roman geschrieben

Am Dienstag, 18. Februar, findet um 20 Uhr in der Boxx im Theater Heilbronn die Buchpremiere von "Hawaii" statt.

Im Finale gerät die Situation komplett außer Kontrolle

Auch wenn Acar nicht gerne über literarische Vorbilder spricht: Durch das Episodenhafte der Geschichte und die Verlorenheit seines Protagonisten erinnert "Hawaii" entfernt an J. D. Salingers "Der Fänger im Roggen". "Der Ton dieses Buchs gefällt mir ganz gut. Die Figur kommt einem so real vor, als ob sie sich beim Erzählen mit einem unterhält", sagt er. Ungleich surrealer geht es bei Acar hingegen im Finale zu, wenn die Lage in einigen Stadtvierteln komplett außer Kontrolle gerät.

Hanser Berlin konnte er mit diesem Mix überzeugen. Der Verlag hat das Buch in sein aktuelles Programm aufgenommen. Momentan bereitet sich Acar auf Lesungen und Interviews vor. Genug Ideen für weitere Geschichten habe er auch schon. Ob die wieder in Heilbronn spielen werden? Das lässt Acar offen. "Man sollte mit jedem Buch was Neues machen, ich möchte viel experimentieren", sagt er. Andererseits hieße es aber auch, man solle über das schreiben, was man am besten kenne. Zuerst einmal möchte er jedoch sein Examen machen. Pläne und so.


Zur Person

Cihan Acar wird 1986 in Bad Friedrichshall geboren, wo er inzwischen wieder lebt. Nach seiner Schulzeit liebäugelt er für eine Weile damit, Journalist zu werden, und berichtet beispielsweise für die Deutsche Presse-Agentur aus der Türkei. Schließlich entscheidet er sich für ein Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg. In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball. Nach verschiedenen Stationen - unter anderem beim FC Union Heilbronn - schnürt er aktuell wieder für seinen ersten Verein, die Spvgg Oedheim, die Sportschuhe. Cihan Acar hat zwei Sachbücher geschrieben - eines über den türkischen Sportverein Galatasaray und eines über Hip Hop. "Hawaii" ist sein erster Roman. Dieser erscheint am Montag im Verlag Hanser Berlin (256 Seiten, 22 Euro).


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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