Christoph Sonntag geht auf Weltreise

BRACKENHEIM  Kabarettist begeistert mit seiner neuen Live-Show "Wörldwaid" 600 Fans im Bürgerzentrum Brackenheim

Von Leonore Welzin
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Christoph Sonntag geht auf Weltreise

Mit seinem neuen Programm "Wörldwaid" begeisterte Christoph Sonntag seine Fans im Bürgerzentrum in Brackenheim und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Foto; Leonore Welzin

Wie BER, der Flughafen in Berlin, lässt auch der neue Stuttgarter Bahnhof S 21 auf sich warten. Christoph Sonntag ist gefragt, er hat"s eilig und nichts ist alternativlos. Also hat sich der gewitzte Kabarettist aus Bad Cannstatt den "Yes, we Cannstatt-Airport" ausgedacht und, quasi mit der Möglichkeit zum Abflug vor der Haustür, daraus für seine neue Live-Show "Wörldwaid" ein tolles Bühnenbild gebaut. Breitwand versteht sich, denn ein Schwabe macht keine halben Sachen.

Optisch ein Hingucker mit großer Glasfront (dahinter sind Flugzeuge zu sehen) und mit integrierter Anzeigetafel, über die - mal witzig, mal didaktisch - chinesische Rezepte laufen oder aber der Text der "Ode an die Freude" zum Mitsingen für die 600 Fans im Brackenheimer Bürgerzentrum.

Über die zwei Arten von Reisenden

"Letzter Aufruf!", ertönt es aus dem Off: "Christoph Sunday please proceed to gate C1 immediately." Während das Publikum angewiesen wird, sich anzuschnallen, das Rückgrat gerade zu halten, Augen und Ohren aufzumachen, rollt Sonntag im riesigen Überseekoffer auf die Bühne. Kaum aus dem Kasten textet er los. Zwei Arten von Reisenden gäbe es: die Reisenden und die Nichtreisenden. "Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien": Das sagen die einen, zitiert Sonntag den Andy-Möller-Lacher der humoristischen Allgemeinbildung. Die anderen hatten zwischen 1939 und 1945 als Individualreisende wenig Einfluss auf ihr Reiseziel.

Lockeres Themenhopping von Columbus zu Sanifer-Klos

Locker assoziierend hüpft der Kabarettist thematisch von Columbus, der schnell mal Indien erreichen wollte (was "der beste Beweis ist, dass Männer ungern nach dem Weg fragen") zu Rentnerbussen aus Deutschland, Schlangen vor Klos und dem Elend mit Saniflor-Bons.

Große Leistungen der Chinesen gewürdigt

Touristen aus Amerika ("Is this the Dome of Cologne or the Collosseum?") sind ebenso bemerkenswert wie jene aus Fernost: Der Durchschnitts-Chinese hält das Stuttgarter Neckartor für einen Luftkurort. Allerdings dürfe man gerade die Chinesen nicht unterschätzen: "Sie sind die Erfinder von Toilettenpapier, Mundduschen und - lange vor (Johannes) Gutenberg - des Buchdrucks. Auch das Kopieren haben sie bereits vor dem anderen Guttenberg erfunden." Ganz großartig sind die Erkenntnisse ihrer Philosophen: "Erst wenn eine Mücke auf deinem Hoden landet, wirst du lernen, gewaltfrei zu leben."

Warum stehen die Deutschen im Glücks-Ranking nur auf Platz elf? Die Schweden belegen Platz eins, obwohl in Skandinavien ein halbes Jahr die Sonne nicht aufgeht und der Schnaps viel teurer ist.

Humoristisch aufbereitetes Kultur-Panorama

Frei nach dem Motto "andere Länder, andere Sitten" liefert Sonntag ein humoristisch aufbereitetes Kultur-Panorama mit selbstreflektierendem Mehrwert und streut neue Szenen mit bekanntem Personal ein, wie den Kutte tragenden Bruder Sonntag oder die Oettinger-Kretschmann-Dialoge als Handpuppenspiel.

Dieser Ausflug ins globale Ganze ist eine runde Sache. Gäste aus Ludwigsburg und Heilbronn waren doppelt angetan, da man im Bürgerzentrum die Nähe zum Künstler genießen könne. Sonntag ist beliebt und nahbar. Er lässt es sich nicht nehmen, für ein Schwätzle in den Saal zu kommen.

Zum Abschluss Extase mit der E-Gitarre

Auch das fulminante Finale endet inmitten des Publikums mit E-Gitarren-Ekstase - das Design des Instruments ist überdies ein Gestalt gewordenes Bekenntnis zur baden-württembergischen Bodenständigkeit. Wie in alten Tagen zelebriert Sonntag darauf eine fetzige Rockparodie von "Here we go, rockin" all over the world", einem Hit der Band Status Quo aus dem Jahr 1975. Rockmusik als Treibstoff mit Vollgas (Fernweh) und angezogener Handbremse (schlechtes Öko-Gewissen) durch die Weltgeschichte - das ist Kurzweil und Aufbruchstimmung anno 2020 und schwäbische Premium-Unterhaltung. Christoph Sonntag ist mitreißend und stärkt mit "Wörldwaid" das Urvertrauen ins globale Ganze.


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