Burgfestspiele und Freilichtspiele bangen um Spielzeit

Jagsthausen/Schwäbisch Hall  Banges Warten, was die Politik nach den Osterferien verordnet: Noch ist ungewiss, wann, ob und in welcher Form Freilichtspiele stattfinden. Warum sich die Festpielleitungen nicht festlegen wollen und was mit bereits gekauften Karten geschieht.

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Für die Freilichtspiele der Region könnten sich die Folgen der Pandemie im Wortsinn dramatisch auswirken. Ende April sollten die Proben beginnen, noch ist ungewiss, was Landes- und Bundesregierung nach den Osterferien verordnen.

Die Burgfestspiele Jagsthausen wollten am 6. Juni mit dem Musical "Monty Python"s Spamalot" in ihre 71. Saison starten und am 19. Juni mit Stephan Szász in der Titelrolle einen neuen "Götz" präsentieren. "Wir wollen immer noch mit ,Spamalot" beginnen", sagt Roland Halter bestimmt. "Allerdings leben wir nicht auf einer Insel der Glückseligen", relativiert der Geschäftsführer der Burgfestspiele und Bürgermeister von Jagsthausen. "Wir sind abhängig von der politischen Entscheidung, ob wir die Premiere spielen oder nicht." Ein Plan B? "Wir haben mehrere Pläne, die müssen noch mit den Gremien abgesprochen werden."

"Das wäre der Supergau"

Halter weiß, der "Zeitkorridor", wie er es nennt, wird eng. Ein Szenario ist, später mit den Burgfestspielen anzufangen und weniger Stücke zu zeigen. Eine sogenannte Rumpfspielzeit. Welche Stücke würde die Festspielleitung opfern? "Das kann ich im Moment nicht sagen. Da unsere Schauspieler meist in mehreren Produktionen auf der Bühne stehen, müssen wir erst die Verträge prüfen, wie wir das Ensemble umbauen." Natürlich denkt man in Jagsthausen darüber nach, was kommt, wenn die gesamte Spielzeit ausfällt. "Das wäre der Supergau. Wir sind existenziell bedroht."

Seit Anfang März fehlen den Burgfestspielen die Ticketerlöse. Was passiert mit gekauften Karten? "Wenn wir spielen, steht der Vertrag mit dem Zuschauer", erteilt Roland Halter jenen eine Absage, die aus Vorsicht jetzt ihre Karte stornieren. Dann gibt es kein Geld zurück.

Finanzieller Schutzschirm

Wenn nicht gespielt wird, "werden wir, soweit wir können, die Karten rückerstatten". Im Moment sind die Burgfestspiele im Gespräch mit ihren Geldgebern, den Sponsoren, dem Land, den Freunden der Burgfestspiele. Für die Mitarbeiter der Festspiele hat die Geschäftsführung Kurzarbeitergeld beantragt. Der finanzielle Schutzschirm gilt für die gemeinnützige GmbH Burgfestspiele. Ob das auch für Verträge greift, die erst ab Ende April mit Probenbeginn oder später anlaufen, prüft ein Arbeitsrechtler. "Wir wissen im Moment nichts", sagt ein hörbar entnervter Roland Halter, der sich "eine klare Vorgabe vom Land" wünscht.

Auch die Freilichtspiele Schwäbisch Hall arbeiten an unterschiedlichen Szenarien. Wenngleich Intendant Christian Doll nicht damit rechnet, dass die 95. Saison von Deutschlands zweitältesten Freilichtspielen am 13. Juni auf der Großen Treppe vor St. Michael mit Friedrich Schillers "Maria Stuart" eröffnet wird. "Wir können nicht proben, alle Aktivitäten sind heruntergefahren."

Das Publikum um Geduld bitten

Burgfestspiele Jagsthausen und Freilichtspiele Schwäbisch Hall bangen um Spielzeit

Mit rund 69?000 Besuchern erzielten die Freilichtspiele Schwäbisch Hall 2019 eines ihrer besten Ergebnisse. Was dieser Sommer bringt, ist ungewiss.

Foto: Freilichtspiele

"Wir bangen und sind auf die Aussagen der Politik angewiesen, wir bereiten uns auf alle Möglichkeiten vor", sagt der Intendant der Freilichtspiele, die in der vergangenen Saison mit rund 69.000 Besuchern eines ihrer besten Ergebnisse erzielten. Noch bittet Christian Doll das Publikum um Geduld. Was mit bereits gekauften Karten geschieht, dazu wird er sich "wohl nach den Osterferien" äußern.

Wie Roland Halter würde sich Doll freuen, beteiligten sich dann zahlreiche Freilichtspiel-Freunde an der Aktion "Meine Karte für meine Bühne" und würden keine Rückerstattung fordern. Doll hofft, "dass wir verschieben und Mitte Juli, Anfang August spielen, vielleicht etwas anderes, Abgespecktes". Der Theatermann wirbt um Verständnis: "Wir wollen nicht jede Woche eine neue Meldung herausgeben." Derzeit wird geprüft, wie man im Freien die Sitzreihen lockern, also entzerren kann. Und was ist mit Online-Proben? Damit könne man Leseproben bestreiten, aber das geht nicht lange. "Theater ist physisch."

Alle sind solidarisch

Wenn gar nichts stattfindet, machen die Freilichtspiele Kurzarbeit. Und hoffen, dass die Hauptzuschüsse von Stadt und Land weiter fließen. Anders als die Burgfestspiele, sind die Freilichtspiele ein Ganzjahresbetrieb, die Wintersaison soll im Oktober starten. Der Schwerpunkt aber liegt auf dem Sommer. "Wenn der verloren geht, fehlt das Herz", sagt Christian Doll. "Alle denken mit, sind solidarisch, wie können wir mutig nach vorn blicken. Das ist jetzt das einzig Positive."

Freilichtspiele: Die Burgfestspiele Jagsthausen finden seit 1950 im Hof der Götzenburg statt und sind durch Goethes Schauspiel "Götz von Berlichingen" die einzige Spielstätte im deutschsprachigen Raum, die ein Stück am Originalschauplatz zeigt. Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall, die zweitältesten Deutschlands, finden seit 1925 auf den 54 Stufen der Treppe vor St. Michael statt. 2019 wurde das neue Globe Theater eröffnet.

 

Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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