Brasilien, neu entdeckt: Sons e Cores begeistern

Heilbronn  Zwischen alteuropäischer Salonmusik und brasilianischer Poesie: Das Musiker-Duo Juliana Blumenschein und Johannes Engelhardt zauberten in der Ebene 3 einen besonderen Abend.

Von Michaela Adick

Sons e Cores in der Ebene 3.  

Ein Stipendium zu ergattern, ist immer etwas Aufregendes. Was passiert aber, wenn so eine Förderung einen Musiker tatsächlich genau an jenen gewissen magischen Ort führt, dorthin, wo sein musikalisches Herz schlägt? Konkreter gefragt: Was macht eine Sängerin mit deutsch-brasilianischem Migrationshintergrund, die tatsächlich nach Salvador Bahia, einer Millionenstadt im Nordosten Brasiliens, geschickt wird: einem jener kulturellen Schmelztiegel in dem die Architektur der alten portugiesischen Kolonialherren auf eine eher afrobrasilianisch geprägte Kultur trifft?

Juliana Blumenschein nimmt sich das Beste aus beiden Welten: Die Saudade Portugals und die Rhythmik des Schwarzen Kontinents, kleinere Einsprengsel von alteuropäischer Salonmusik und brasilianischer Poesie sind nicht ganz ausgeschlossen.

Publikum ist restlos hingerissen

Und das Publikum in der Ebene 3? Es ist restlos hingerissen. Sons e Cores, zu deutsch etwa Töne und Klänge, ein abstrakter Name hinter dem das Musiker-Duo Juliana Blumenschein (Gesang) und Johannes Engelhardt (E-Bass) zum Vorschein tritt, dieses so unkompliziert auftretende Duo fasziniert: Durch seine Unaufgeregtheit, durch seine Aufrichtigkeit, ja, auch durch diese immer wieder schlichte Konfrontation Stimme und Bass. Eine heikle Situation: verstecken kann sich hier niemand.

Klar werden alle kleineren und größeren Musikgötter der Bossa- und Nachbossa-Zeit zu dem ein oder anderen Moment zitiert in dem eigenwilligen Programm der beiden (Noch)-Studenten an der Musikhochschule Mannheim, Antonio Carlos Jobim und Caetano Veloso sowieso. Juliana Blumenschein erweitert dann den Abend durch kleinere lyrische Exkurse, erzählt von den Poeten Brasiliens, wie sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Das Sonnenlicht, auf wie vielen Wegen es doch beschrieben werden kann. Und wenn den Lyrikern gar nichts mehr einfällt? Dann gehen sie unter die tropischen Dadaisten. Joao Donato ist so ein Kandidat, der mit einem schön unsinnigen Text den "Bananeira" beschrieb, den Bananenbaum.