Bloß nicht veralbern lassen

Untergruppenbach  Kabarett auf der Burg Stettenfels in Untergruppenbach: Inka Meyer überzeugt im Gewölbekeller mit ihrem Programm "Der Teufel trägt Parka".

Von Uwe Deecke
Bloß nicht veralbern lassen

Kritisch, pointiert und hintergründig: Kabarettistin Inka Meyer auf der Bühne im Gewölbekeller von Burg Stettenfels.

Foto: Uwe Deecke

Aus dem angekündigten Open-Air-Kabarett wurde leider nichts, es war dann doch zu kühl für die Premiere von Inka Meyer auf der Burg. Aber auch im Gewölbekeller wurde es ein sehr unterhaltsamer Abend mit der "mittelfränkischen Rheinhessin mit friesischem Migrationshintergrund", die den Beauty- und Konsumwahn mit viel Witz hinterfragte.

"Der Teufel trägt Parka" heißt ihr aktuelles Programm, und natürlich geht es um Mode, aber auch um Kosmetik, um neue geschlechtsneutrale Verkehrsordnungen und um schlecht angezogene Politiker, die man besser nicht wählen sollte. Die sympathische Kabarettistin liefert ein Feuerwerk an geschliffenen Texten, läuft pausenlos über die Bühne und hat so viel zu sagen, dass sie es in ihrem vollgepackten Programm anscheinend kaum unterbekommt.

Fünf Schritte, wie Mann richtig duscht

Denn es läuft vieles schief im Alltag. Nutzloses Kollagen wird für Unsummen verkauft, weiß Meyer, dabei gibt es das beim Metzger fast umsonst. Und Männern wird von der Industrie erklärt, wie sie richtig in fünf Schritten duschen sollten. Und dann erst das Super-Food, das uns in den Märkten angepriesen wird und von ganz weit her kommt. Meyer lässt hier Fakten sprechen: 64 Milliarden Euro werden jährlich für Kleidung ausgegeben, für alle Zielgruppen gibt es etwas. Wo der Dress-Code für Rapper berufsbedingt etwas anders als normal ausfällt, gibt es für Paare heute den Partnerlook in Jack Wolfskin. Und wo Joschka Fischer einst in Turnschuhen auftrat, empfiehlt sie Alice Weidel heute Springerstiefel.

Meyer zeigt hier keineswegs nur quirliges Kabarett für Frauen, sondern für alle Normalgebliebenen. Das Thema Diät darf da nicht fehlen, wenn 200 Millionen Menschen jährlich eine anfangen. Starkbier-, Kohlsuppen- und Aloe-Vera-Diät dienten letztlich nur einer "Pathologisierung einer Bevölkerung". Dick sein sei keine Krankheit sondern ein Geschäft, unterstreicht die Wahl-Bayerin. 85 Prozent der Frauen finden ihren Arsch zu dick, nur drei Prozent finden ihn in Ordnung und sind ganz froh, dass sie ihn geheiratet haben, weiß Meyer.

Kritischer Blick auf den Zeitgeist

Zwar kennt man schon manche der Witze, die sie immer wieder zwischendurch einstreut und das Thema auflockern. Doch die 39-Jährige hält Kurs und verliert nicht ihren kritisch-hintergründigen Blick auf den Zeitgeist und den täglichen Wahnsinn, dem vor allem Teleshopping-Fans ausgesetzt sind. Da wird ein Produkt ewig beworben, während die Zeit läuft und uns das verkauft wird, was man nie brauchte.

Auch um die Männer geht es, nicht nur in ihrem Gedicht über ihre Verflossenen. Er trägt nämlich heute Herrenhandtasche und zieht meist das an, was im Kleiderschrank ganz oben liegt. Sie dagegen steht auf Pelze, bei denen Deutschland immer noch eine Spitzenposition einnimmt und die von Melania Trump und Lady Gaga zur Schau getragen werden.

Die Renaissance der Jagdtrophäe

Für Frauen sei Kleidung auch politische Botschaft, glaubt Meyer. Und die große Renaissance der Jagdtrophäe habe auch schon die Jugend erreicht, die den Pelz an Parkas keinesfalls missen möchte. Der Teufel trägt heute Parka, ist Meyer überzeugt. Viel Applaus für ihr pointenreiches Programm, das sie mit viel komödiantisch-schauspielerischem Talent auf die Bühne bringt.


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