Barfuß auf der Sparkassenbühne

Heilbronn  Sympathische Stars der Volksmusik: Die Schäfer treffen auf der Buga in Heilbronn auf eine begeisterte Zuhörerschaft. Die Markenzeichen der Volksmusikgruppe? Barfuß auf der Bühne stehen und deutsche Liedertexte.

Von Andreas Sprachmann
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Barfuß auf der Sparkassenbühne

Drei der vier Schäfer: Michael Kastel, Bianca App und Gitarrist Uwe Erhardt, das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Gruppe, die seit drei Jahrzehnten in der Volksmusikszene erfolgreich ist.

Foto: Andreas Sprachmann

Für einen kurzen Augenblick legt Carla Scheithe ihr Akkordeon beiseite und bittet ein völlig losgelöstes Publikum, doch demnächst bei der Krankenkasse vorstellig zu werden. Die vergebe nämlich Bonuspunkte für Aktivprogramme zur Förderung geistigen und körperlichen Wohlbefindens. Etwa für die Teilnahme an zwei "Schäferstündchen der besonderen Art".

Das Miteinbeziehen seines Publikums ist ein solider Pfeiler der weltweiten Erfolgsgeschichte des Gesangs- und Instrumentalquartetts "Die Schäfer" aus dem badischen Bretten, das seit nunmehr drei Jahrzehnten aus der Volksmusikszene nicht mehr wegzudenken ist.

Die Texte sind ausnahmslos lebensbejahend

Bar jeglicher Starallüren und stets mit einem persönlichen "Ihr" und "Eure Schäfer" auf den Lippen - man nimmt es den Vieren im Schäfer-Festtagsgewand ab, wenn sie mit dem Buga-Publikum die Freuden ihrer gemeinsam zelebrierten Musik am liebsten "ohne Bühnenkante" teilen würden. Die bleibt auf der Sparkassenbühne am Ort. Gefühlt jedoch sind die Schäfer vom ersten Takt an Teil ihrer begeisterten Zuhörerschaft.

Die lauscht entweder fußwippend und händeklatschend den ausnahmslos lebensbejahend-positiven Textbotschaften der famosen Vier oder sie stimmt aus voller Kehle mit ein, wenn dann und wann das Schatzkästchen deutschen Volksliedguts mit all seinen sattsam bekannten Texten geöffnet wird. Fremdsprachliches wird nicht nur bei der Auswahl des Liedguts vermieden. Auch in der liebenswert-authentischen Moderation des Quartetts fehlen Neologismen und Denglisches als Bestandteile einer längst salonfähig gewordenen Bühnensprache.

Nur ein Gründungsmitglied ist noch mit dabei

Ob Volkslied oder Eigenkomposition - ausschließlich Lieder mit deutschen Texten seien bei der Gründung der Formation die tragende Idee gewesen, erzählt Uwe Erhardt: "Wir wollen unser Publikum mitnehmen, und das schaffen wir am besten mit unserer Muttersprache". Wenn der Komponist, Sänger und Gitarrist als einzig verbliebenes Gründungsmitglied über die Anfangsjahre berichtet, wird ein sympathisches Kapitel deutscher Mediengeschichte lebendig.

Der Weg einer Brauchtumsgruppe im Schäfergewand vom Mittelalter-Stadtfest über die Chefetage des Schallplattenverlegers Ariola bis ins ZDF-Studio zu Quizmeister Wim Thoelke: "Der ,große Preis" war unser endgültiger Start ins Profilager."

Fast immer macht das Publikum mit

Beeindruckend professionell, wie Bianca App mit balletteusenhafter Leichtigkeit Tiefe und Breite der Bühne auslotet, ohne dabei in stimmliche Schwierigkeiten zu geraten, oder wie Michael Kastel sein hochgestimmtes Publikum charmeoffensiv zum Mitwirken ermutigt, was ihm in fast allen Punkten gelingt. Die Barfüßigkeit als Markenzeichen der Schäfer überlassen die Heilbronner Fans trotz mehrmaliger Aufforderung aber dann doch den Akteuren auf der Bühne.

"Barfuß unter Palmen" - wie verträgt sich tropische Exotik mit heimischem Schäfer-Idyll, wie vor allem erklärt sich der enorme Erfolg der Schäfer in Gefilden fern der Heimat? "In Hamburg hält man uns für eine Gruppe aus der Lüneburger Heide, im US-Bundesstaat Michigan punkten wir bei einer der größten deutsch-amerikanischen Gemeinden", verrät "Oberhirte" Erhardt augenzwinkernd.

Zur heimischen Fangemeinde zählt sich die Informatikerin Arlette Adjibi. Die gebürtige Kamerunerin, mit ihrer Familie seit 15 Jahren im Unterland heimisch, gerät zum Finale des Schäfer-Events ins Schwärmen: "In meiner Heimat haben wir auch traditionelle Musik. Volksmusik wie diese aber kennen wir nicht".

Markenzeichen ist die Barfüßigkeit

Aus einer Brauchtumsgruppe, die in historischen Schäfergewändern beim alljährlichen Peter-und-Paul-Fest in der badischen Kleinstadt Bretten auftritt, entwickelte sich eine Volksmusikgruppe, die mit Eigenkompositionen und der Interpretation von Volksliedern seit drei Jahrzehnten international große Erfolge feiert. Markenzeichen der "Schäfer" mit den Vokalisten Bianca App und Michael Kastel sowie Carla Scheithe (Akkordeon) und Uwe Erhardt (Gitarre) sind die Barfüßigkeit und der Vortrag ausschließlich deutscher Liedtexte.

 

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