Aufschlussreiche Ausstellung im neuen Hölderlinhaus in Lauffen

Lauffen  Die Neukonzeption der Ausstellung zeigt die vielen Seiten einer sprachgewaltigen Persönlichkeit und lässt Friedrich Hölderlin in Briefen und Gedichten selbst zu Wort kommen.

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Aufschlussreiche Ausstellung im neuen Hölderlinhaus in Lauffen

Gegliedert in vier Themenbereiche − Familie, Beziehungen, Autor und Weltsicht −, geben Briefe und Zitate Einblick in Hölderlins Denken und Fühlen.

Foto: Andreas Veigel

Die Treppe im Hölderlinhaus ist ein Kleinod, rund 270 Jahre liefen hier Menschen hoch- und herunter, und doch ist sie gut erhalten. Ein für die damalige Zeit kostbar verzierter, gedrechselter Baumstamm, der die Treppe hält, reicht über drei Stockwerke.

Diese Treppe führt in die ehemaligen Wohnräume und zur neu konzipierten literarischen Ausstellung zu Leben und Werk Friedrich Hölderlins. An das Haus, das sein Großvater 1743 in Lauffen kaufte und bis 1750 zu einem großzügigen barocken Beamtenhaus um- und ausbauen ließ, dürfte sich Hölderlin kaum erinnert haben. Auch wenn er in dem Gedicht "Stuttgart" von seinem "lieben Geburtstort" spricht. Umso gründlicher erinnert die Ausstellung an den Dichter - wenngleich sie ganz ohne Originale auskommt. Die liegen im Tresor im Hölderlin-Archiv in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart.

Vier Themenbereiche und zahlreiche Unterkapitel

Die Ausstellungkonzeption stammt von Eva Ehrenfeld, der Leiterin des neuen Hölderlinhauses. Gegliedert in die vier Themenbereiche Familie, Beziehungen, Autor und Weltsicht mit zahlreichen Unterkapiteln, werden Zitate aus Briefen und Gedichte gezeigt.

"Wir lassen Hölderlin persönlich sprechen, um in seine Seele zu schauen." Und: "Wir zeigen seinen Willen, Schriftsteller zu werden, seine politische Haltung." Auch der verzweifelte Schüler der Maulbronner Klosterschule kommt zu Wort, der streitbare Student, Liebhaber und Frauenfreund, der passionierte, stramme Wanderer, der politische Schwärmer und der radikal politische Kopf. Und schließlich der geniale Schöpfer von Worten wie "Langegelerntes", "Fremdlingin", "ruhigahnend" oder "bleierne Zeit": eine Sprache, die der Lyrik des 20. Jahrhunderts einiges vorwegnahm

Der Liebende und der Leidende

In dem Raum "Weltsicht" sind einzelne Textbruchstücke auf vier große Globen appliziert. Allzu textlastig ist diese Neukonzeption aber nicht. Eva Ehrenfeld weiß um die Besonderheiten einer Literaturausstellung, da der Besucher eher ungern lange Erklärtexte liest. Vielmehr wird der Mensch und Dichter, der Liebende und Leidende in markanten Auszügen seiner eigenen Worte lebendig.

Hölderlin, der Kultdichter, die gebrochene Lichtgestalt, die die Hälfte ihres Lebens seelisch und geistig zerrüttet im Turm in Tübingen verbrachte: Seine faszinierende Biografie schreibt er in Lauffen selbst anhand von Zitaten, Briefen und Gedichten. Zum tieferen Verständnis von bizarrem Leben, Werk und der Epoche Hölderlins gibt es einen ausgezeichneten Audioguide.

Dielenfußboden aus dem 18. Jahrhundert

Auf vier Räume der ehemaligen Wohnetage erstreckt sich die Schau. Bemalt im Stil der Zeit die Wände, stammen die Türen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die Fenster sind nach einem historisch erhaltenen nachgebaut. Im dritten Raum sieht man Spuren des einzigen Ofens im Haus, im vierten Ausstellungsraum ist der Dielenfußboden aus dem 18. Jahrhundert erhalten.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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