60 Jahre Cave 61: Ein Auftakt, der Lust auf mehr macht

Heilbronn  Energiegeladene Auftritte, harmonisches Zusammenspiel, melodiöse Eigenkompositionen: Das Sandi Kuhn Quartett sowie Karolina Strassmayer & Drori Mondlak - Klaro! haben am Donnerstag das Festival 60 Jahre Jazzclub Cave 61 eröffnet.

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Ging im Alten Theater in Sontheim energiegeladen zu Werk: Das Quartett Klaro! um Saxofonistin Karolina Strassmayer und Schlagzeuger Drori Mondlak. Foto: Ralf Seidel

Warum Cave 61? Wofür steht eigentlich die Zahl? Schlagzeuger Drori Mondlak hat dem Heilbronner Jazzclub gerade zum Geburtstag gratuliert, hat dabei betont, wie dankbar Musiker für solche Orte sind, die jahrzehntelang mit viel Engagement durch dick und dünn gehen, als ihm noch eine Frage auf den Nägeln brennt. "But why 61?", wendet sich der drahtige US-Amerikaner ans Publikum.

Die Antwort folgt prompt. Und Mondlak schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, gibt zu verstehen: Natürlich, was auch sonst? "And I became a drummer", erwidert er selbstironisch. "Und ich bin Schlagzeuger geworden."

Im Jahr 1961 also hatte sie begonnen, die Geschichte des Cave 61. Im zweiten Untergeschoss eines ehemaligen Luftschutzkellers in der Uhland-/Ecke Werderstraße, wie der langjährige erste Vorsitzende Axel Lauser den Besuchern zu Beginn des Doppelkonzerts noch einmal in Erinnerung ruft. "Eine richtig verräucherte Bude war das."

Viele Domizile sollten folgen. Man habe eine Odyssee durch die Stadt Heilbronn hinter sich, erzählt Lauser, und dabei immer wieder namhafte Szenegrößen empfangen, darunter Chick Corea, Ron Carter, Al Jarreau. Am längsten, nämlich 15 Jahre, residierte der Jazzclub im K3, seit 2016 ist er im Alten Theater in Sontheim beheimatet.

Insgesamt acht Bands sind bis Sonntag zu erleben

Dort beginnen am Donnerstagabend auch die Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag. Bis Sonntag hat sich das Cave 61 insgesamt acht Bands eingeladen. Während die jeweiligen Vorgruppen hauptsächlich aus dem Ländle stammen, reisen die Hauptgruppen unter anderem aus den Niederlanden, Frankreich und den USA an. Schon der doppelte Auftakt macht Lust auf mehr - und wird vom Publikum mit viel Applaus bedacht. Gleichermaßen europäische und US-amerikanische Einflüsse zusammenführend, bestechen beide Formationen durch ihre energiegeladenen Auftritte, ihr harmonisches Zusammenspiel und melodiöse Eigenkompositionen.

Zu denen wird Alexander Sandi Kuhn übrigens schon mal beim Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers in Stuttgart inspiriert. So erzählt der mit dem Jazzpreis ausgezeichnete Saxofonist, Jahrgang 1981, in "Window Views" beispielsweise vom quirligen Leben draußen auf der Straße. Flott seine Hommage an den Standard "I"ll be seeing you", zart wiederum das Titelstück seines aktuellen Albums "The Place in the North", großes Fingerschnipp-Potenzial besitzt das brandneue Stück "Number One", das im Alten Theater seine Uraufführung erlebt. Kuhn zur Seite stehen Jazzpreisträger Volker Engelberth am Flügel, Jens Loh am Bass und Dominik Raab am Schlagzeug - Mitstreiter, die immer wieder in funkelnden Soli ihr Talent beweisen.

Am Ende des Auftaktabends verlangte das Publikum nach einer Zugabe

Als Quartett angetreten sind auch Karolina Strassmayer & Drori Mondlak - Klaro!, neben der 1971 in Österreich geborenen Saxofonistin und Flötistin Karolina Strassmayer von der WDR Big Band Köln und ihrem Mann, dem New Yorker Schlagzeuger Drori Mondlak, komplettieren Bassist Thomas Stabenow und Pianist Christian Elsässer die Besetzung.

Aufeinander vertrauen, sich dem Moment überlassen, überhaupt dem Leben offen zugewandt sein: Die mitunter weit ausholenden Kompositionen, die Strassmayer mit ihren Begleitern mal zu viert, mal zu dritt oder nur zu zweit zum Besten gibt, tragen Titel wie "Courage" oder "Quiet Fortitude", also "Beherztheit" oder "Stille Kraft", und sprühen vor positiver Energie. Sie bieten der Band ebenso Gelegenheit, verträumt innezuhalten sowie ungebremst nach vorne zu marschieren. Ein Auftritt, der nach einer Zugabe verlangt.

 

Am Freitag stehen das Thilo Wagner Trio sowie im Anschluss die Dutch Swing College Band auf dem Programm. Bereits ausverkauft ist der Festivalsamstag, an dem die US-amerikanische Fusion-Band Yellowjackets sowie als Vorgruppe das Dr. Syros Quartett im Alten Theater in Sontheim zu Gast sind. Für das Abschlusskonzert am Sonntag, ab 19 Uhr, "Unter der Pyramide" der Kreissparkasse Heilbronn hingegen gibt es über die KSK noch Karten (VVK: 29,90 Euro/AK:37 Euro). Dann treten das Juliana Blumenschein Quintett auf, gefolgt von Malia feat. Joo Kraus.


Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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