25 Jahre Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung: Für Kunst und Bildung in Heilbronn

Heilbronn  Seit 25 Jahren fördert die Stiftung, die der Unternehmer und Mäzen Ernst Franz Vogelmann gegründet hat, die Städtischen Museen Heilbronn und weitere Einrichtungen. Der nach ihm benannte Preis für zeitgenössische Skulptur zählt zu den renommiertesten im deutschsprachigen Raum.

Email

Präsentierten im Deutschhof die Jubiläumsbroschüre: die Stiftungs-Aufsichtsratsmitglieder Iris Baars-Werner (links), Marc Gundel, Barbara Flosdorf-Winkel.

Foto: Ralf Seidel

Wir verzichten auf Feiern. Leider", sagt Aufsichtsratsmitglied Iris Baars-Werner. Was nicht heißt, dass im Jahr zwei der Pandemie nicht auf das 25-jährige Bestehen der Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung zurückgeblickt wird. Und auf das, was sich mit der Förderung von Kunst und Bildung durch die Mittel der Stiftung seither in Heilbronn getan hat und weiter tut.

Zum Jubiläum der Stiftung ist eine fundierte Broschüre erschienen, die die Aufsichtsratsmitglieder Baars-Werner, Barbara Flosdorf-Winkel und Marc Gundel, der als Museumschef in doppelter Funktion auftritt, nun im Museum im Deutschhof vorgestellt haben. Dort, wo bis Ende August ein Großteil der von Ernst Franz Vogelmann erworbenen und bezuschussten Skulpturen präsentiert wird.

Kunst muss der Öffentlichkeit gezeigt werden

Neben den Städtischen Museen fördert die 1996 von dem Heilbronner Unternehmer und Kunstmäzen Vogelmann (1915-2003) gegründete Stiftung Studierende der Hochschule Heilbronn durch Stipendien sowie das Katholische Freie Bildungszentrum St. Kilian. Für Vogelmann war Bildung "der Schlüssel zu einem zufriedenstellenden und erfolgreichen Leben". Bildung war für den Mann, der sich in den 90er Jahren vom damaligen Museumsdirektor Andreas Pfeiffer für die Skulptur begeistern ließ, von Kunst nicht zu trennen. Daher auch seine Forderung, Kunst dürfe nicht in Magazinen lagern, "sie muss der Öffentlichkeit gezeigt werden".

Seit dem Tod von Ernst Franz Vogelmann im Jahr 2003 führt seine Partnerin Ruth Reinwald an der Spitze von Vorstand und Aufsichtsrat die Stiftung weiter. Vogelmanns Appell "Das kannst du" ermutige sie bis heute "und hilft mir, Entscheidungen zu treffen", bekennt Reinwald im Interview in der Broschüre.

 

"Die Lebensversicherung unserer Museen"

Für die offizielle Präsentation am Mittwoch lässt sich der "Motor und das Herz" der Stiftung, wie Iris Baars-Werner die 96-jährige Mäzenin nennt, entschuldigen. Für Marc Gundel ist die engagierte, interessierte Ruth Reinwald "die Lebensversicherung unserer Museen".

Was vor 25 Jahren mit Kleinplastiken begann, sogenannten Bozzetti, vom italienischen bozzetto (=Skizze, Entwurf), greift heute groß in den musealen wie auch öffentlichen Raum. 2006 lobte die Stiftung gemeinsam mit den Städtischen Museen erstmals den Ernst-Franz-Vogelmann-Preis für zeitgenössische Plastik aus, der seither alle drei Jahre für das herausragende Lebenswerk eines Künstlers mit Lebens- oder Arbeitsmittelpunkt in Deutschland oder angrenzenden Ländern vergeben wird. Anfangs mit 25 000 Euro (heute 30 000 Euro) dotiert, zählt der Preis zu den wichtigen Auszeichnungen für Skulptur im deutschsprachigen Raum.

Spuren im öffentlichen Raum

Auf den ersten Preisträger Roman Signer aus der Schweiz folgten Franz Erhard Walther, Thomas Schütte, der Brite Richard Deacon und mit Ay?e Erkmen aus Istanbul und Berlin erstmals eine Frau: international renommierte Künstler, die in Heilbronn Spuren hinterlassen haben. Sei es durch die ihnen jeweils gewidmeten Ausstellungen, die mit dem Preis verbunden sind. Sei es durch Ankäufe der Stiftung und der Stadt Heilbronn von Skulpturen für den öffentlichen Raum wie das markante, signalrote Schütte-Haus auf der Inselspitze, der Deacon-Plastik auf dem Vorplatz der Kunsthalle Vogelmann. Oder einer Arbeit der letztjährigen Preisträgerin, die Ay?e Erkmen als Skulptur in sito, also just für einen Ort, konzipiert hat.

Im September werden Erkmens vier Bojenkugeln aus Metall am Adolf-Cluss-Steg sowie im Neckar platziert. Den bisherigen Preisträgern widmet die Jubiläumsbroschüre einen Schwerpunkt. Nicht von ungefähr steht das Joseph-Beuys-Diktum "Alles ist Skulptur" als Leitmotiv über dem Jubiläumsjahr der Vogelmann-Stiftung. 2007 hatte die Stiftung ein Konvolut von 300 Multiples, Grafiken und Auflageobjekten von Joseph Beuys erworben als Dauerleihgabe für die Museen.

Eine Beuys-Schau ab Ende August

Dem Jahrhundertkünstler widmet die Kunsthalle Vogelmann ab Ende August zu dessen 100. Geburtstag eine Schau. Mit der Ausstellung "Beuys für alle!" im Herbst 2010 war die Erweiterung der Kunsthalle eröffnet worden. Mit einer Million Euro hatte die Stiftung den 5,5-Millionen-Bau mitfinanziert. Und auch in Zukunft fördert die Stiftung Kunst und Bildung in Ernst Franz Vogelmanns Heimatstadt.

Mittelfristige Ziele und Broschüre: Seit ihrer Gründung 1996 durch den Unternehmer Ernst Franz Vogelmann hat die gleichnamige Stiftung mit 3,3 Millionen Euro Kunst und Bildung in Vogelmanns Heimatstadt Heilbronn gefördert. 1,3 Millionen Euro flossen in Förderungen, Spenden und Preisgelder, eine Million in Kunstankäufe und eine Million als Bauzuschuss für die Kunsthalle, die nach Vogelmann benannt ist. Ein Ziel der Stiftung ist es, das Vermögen zu erhalten mit einer nachhaltigen, transparenten Anlage. Auch will die Stiftung verstärkt öffentlich auftreten, etwa durch Foren und Tagungen.Die bebilderte Jubiläumsbroschüre gibt es auch digital auf www.vogelmann-stiftung.de.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

Kommentar hinzufügen