Zu Miniaturen degradiert

Heilbronn  Schiller pur: Axel Vornams dichte "Don Karlos"-Inszenierung feierte am Samstag im Großen Haus des Theaters Heilbronn Premiere.

Von unserem Redakteur Andreas Sommer

Schillers "Don Karlos", zwei Jahre vor der Französischen Revolution 1787 in Hamburg uraufgeführt, ist ein harter Brocken. Ein Verwirrspiel aus Liebses- und Machtintrigen, eine Verquickung von Familientragödie und politischem Machtkonflikt.

Axel Vornam hat für seine Inszenierung im Großen Haus des Heilbronner Stadttheaters die sogenannte Rigaer Version gewählt, in der Schiller seine Figuren nicht in Versform, sondern in einer kraftvollen Prosa sprechen lässt und auf die komplette klerikale Dimension seines Werks verzichtet. Das entschlackt den Stoff und lässt den Blick freier auf die Personenkonstellationen schweifen. Vornams Inszenierung ist ebenso streng wie konsequent, ebenso ruhig wie sachlich, verzichtet auf vordergründige Aktualisierungsversuche und schafft immer wieder Momente von großer inhaltlicher Dichte.

Wer sich konzentriert und auf die Sprache einlässt - was zunächst anstrengend sein mag -, erlebt Schiller pur auf der genialen Bühne von Tom Musch. Riesige, sechs Meter hohe T-förmige Monumente der Macht drehen und verschieben sich ineinander zu Hohlräumen und Labyrinthen, in denen die Protagonisten auf der Bühne herumirren wie zu menschlichen Miniaturen degradiert. In einem ambitioniert aufspielenden Ensemble ragt das Männertrio mit Joachim Foerster als Kronprinz Don Karlos, Sebastian Weiss als Marquis von Posa und Stefan Eichberg als König Philipp II. von Spanien heraus. Foersters Karlos ist ein umwerfender Sturm-und-Drang-Typ, ein James Dean des 16. Jahrhunderts, der mit körpertbetontem Spiel und leidenschaftlicher Sprache zum Publikumsliebling wird. Nach zweidreiviertel Stunden spendenten die konzentriert lauschenden Premierengäste fast zehn Minuten lang Beifall.