Wie der Wanderzirkus sesshaft wurde

Der Jazzclub Cave 61 feiert am Sonntag seinen 50. Geburtstag

Von Andreas Sommer
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Heilbronn - Viele seiner früheren Domizile sind zugeschüttet, abgerissen, stillgelegt oder umgewidmet. Seit zehn Jahren residiert der Jazzclub Cave 61, einer der ältesten im Land, so weit oben wie noch nie in seiner Existenz: im 3. Obergeschoss des K3. Begonnen hat alles 1961 in einem ehemaligen Luftschutzkeller in der Uhland-/Ecke Werderstraße, sozusagen im zweiten Untergeschoss. Am Sonntag jährt sich der Gründungstag zum 50. Mal.

Einer, der alle 50 Jahre der Clubgeschichte miterlebt hat, ist Jazz-Urgestein Axel Lauser (1942). Im zweiten Untergeschoss der "Uhlandslinde" war es dunkel, feucht und stickig. Der Cave 61 in den Gründerjahren war kein Verein mit eisenharten Jazzfreaks, sondern ein Zusammenschluss junger Menschen, die ungestüme, laute Musik als Teil ihrer Freiheitsbestrebungen verstanden. Man saß im Parka da, rauchte und trank. Auf dem über eine Hühnerleiter erreichbaren Notausstieg lastete eine schwere Eisentür. "Als Veranstaltungsraum würde das heute nie und nimmer durchgehen", schmunzelt Lauser.

Rustikal Es gab Probleme mit den Nachbarn und die eine oder andere Ami-Randale. Aber Albert Mangelsdorff spielte schon im Uhlandkeller, Kathies Jazzmen und die Modern Jazz Group Karlsruhe. Lausers Modern Jazz Ambassadors avancierten rasch zur Hausband.

Am 5. Oktober 1973 zog der Jazzclub in einen Keller in der Rosenbergstraße um. Im Vergleich zur Uhlandstraße ein Luxusloch mit separatem Barraum, wo es billigen Wein und endlose Diskussionen gab, unbehelligt von der Musik. Die Bühne war rustikal und bretterverkleidet. Da die Toiletten auch von Besuchern einer Kneipe benutzt wurden, waren Konflikte vorprogrammiert. Nach dem Besitzerwechsel war im Sommer 1981 Schluss.

Heimatlos Lauser, inzwischen als Geschäftsmann und Spediteur erfolgreich, übernahm 1980 den Vorsitz des Cave 61: "Man traute mir die Verhandlungen mit der Stadt am ehesten zu." Die waren auch bitter nötig, denn es entwickelte sich eine achtjährige Heimatlosigkeit, während der die Jazzer ihre Konzerte im ASV-Heim, im Deutschhofkeller ("Da rasselte der Hausmeister Punkt 24 Uhr mit dem Schlüssel"), im Bürgerhaus Böckingen oder in der Kneipe "Altstadt" durchzogen.

1989 fand der Club Unterschlupf in Peter Schmidts Bistro am Heilbronner Marktplatz in einem kleinen, mietfreien Keller: "Stickig und heiß, aber nett. Bei 30 Personen kriegte man schon Platzangst", erinnert sich Lauser. Wegen Besitzerwechsels stand der Cave schon im Dezember 1991 wieder auf der Straße. Von Januar 1992 bis Januar 1994 fand der Club Unterschlupf im Awo-Keller in der Wilhelmstraße 27. Lauser: "Feucht, nicht ideal, aber okay." Klar, dass die Caveler die Miete von 2200 Mark im Monat langfristig unmöglich schultern konnten.

Im August 1994 wurde man in der Hafenstraße fündig, einem Clublokal, in dem der Fanfarenzug Böckingen und der Spanische Club untergebracht waren. Klein und abgelegen zwar, "mit katastrophalen Klos, aber billig. Wir waren unser eigener Herr. Es gab keine Auflagen". 1998 wurde die Baracke abgerissen.

Nach drei Interims-Jahren wurde der Cave 40-jährig 2001 im ochsenblutroten Club im K3 endgültig sesshaft. Besonders Amerikaner mögen den Club: "Das schlägt sich in Bewerbungen aus den USA nieder."

Lauser, der mit Miles Davis und John Coltrane groß wurde, kann mit experimentellem Jazz wenig anfangen. Stolz ist er auf die Qualitätsverbesserung im Programm. Jazz ist noch immer eine Musik für Minderheiten, und Lauser sieht es als Verpflichtung, ein breites Spektrum dieser Musikgattung zu zeigen. Was wünschen sich die Mitglieder? "Mehr Blues". Für diesen Herbst hat er John Lee Hooker junior engagiert. John Lee Hooker senior schaute 1965 nach einem Konzert in der Harmonie im Cave vorbei: um in den Tiefen des Uhlandkellers einen Whisky zu trinken.

 

 

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