Was geschah mit Pewel Indejkin?

Heilbronn  Heilbronn - Wie das Kleist-Archiv bei einer Bildrecherche auf ein Zwangsarbeiterschicksal stieß.

Von unserem Redakteur Andreas Sommer

Was geschah mit Pewel Indejkin?

Dieses Käthchen-Bild erstand Günther Emig für 49,90 Euro bei Ebay. Gemalt hat es der 1913 geborene russische Zwangsarbeiter Pewel Indejkin 1943 im Sammellager Heilbronn. Der Verbleib des Künstlers ist unbekannt.

Fotos: Guido Sawatzki

Heilbronn - Die Geschichte beginnt bei Ebay. Bei der Internet-Börse kaufte Günther Emig, Leiter des Heilbronner Kleist-Archivs Sembdner, vor einiger Zeit privat ein altes Aquarell mit dem Motiv des Käthchens von Heilbronn. Preis: 49,90 Euro. Der verglaste Rahmen besteht aus dunkelbraun gestrichenem Holz. Signiert ist es mit "Heilbronn" in lateinischer Schrift, der Zahl 43 und dem Namen Pewel (Pawel) Indejkin in kyrillischer Schrift.

Emigs Recherchen ergaben, dass das Bild 1943 von einem russischen oder ukrainischen Zwangsarbeiter im Heilbronner Lager in der Gottlieb-Daimler-Straße hinter Stacheldraht gemalt wurde. Pewel ist am 14. Juni 1913 geboren, würde also in diesem Jahr 100 Jahre alt, und stammt aus "Wolodarsk, Kreis Lenengrad", ein Städtename der aber sowohl in Russland als auch in der Ukraine vorkommt.

Was geschah mit Pewel Indejkin?

Signatur des Bildes: Heilbronn 1943 Pewel Indejkin. Gibt es weitere Bilder mit dieser Signatur in der Region, fragt das Kleist-Archiv Sembdner im Heilbronner K3?

Urkundlich erwähnt ist Pewel Indejkin auf einer erst nach Kriegsende angelegten Karteikarte der sogenannten Ausländerkartei, die Emig im Stadtarchiv gefunden hat. Daraus geht hervor, dass der Zwangsarbeiter ab Mai 1942 bis zu einem nicht bekannten Datum als Schlosser bei den Karosseriewerken Drauz in Heilbronn beschäftigt var. Als Wohnort ist "Heilbronn, Sammellager Nord, Gottlieb Daimlerstr." angegeben. Unter der Rubrik "Falls bekannt, neuer Wohnort" steht: unbekannt.

Emigs Recherchen in den Kommunen in Russland und in der Ukraine sowie bei den Botschaften beziehungsweise Generalkonsulaten blieben bislang ergebnislos. Der 59-jährige Archivleiter klapperte diverse Suchdienste auch beim Roten Kreuz und unzählige russische Internetseiten nach dem Namen Indejkin ab: Fehlanzeige. Fest steht durch die Karteikarte, dass Pewel Indejkin nicht beim Bombenagriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 umgekommen ist. Aber was ist mit ihm geschehen?