Von Beilstein nach Nairobi

Heilbronn  Heilbronn - Filmproduzent: Das klingt nach dicker Zigarre, auch wenn die großen Hollywood-Zeiten vorbei sind. Aber dann spricht man mit einer jungen Frau, die ihre Jugendjahre in Beilstein verbracht hat, und so ganz anders klingt.

Von Michaela Adick

Von Beilstein nach Nairobi

Sarika Hemi Lakhani stellt "Something Necessary" vor.

Foto: One Fine Day Films

Heilbronn - Filmproduzent: Das klingt nach dicker Zigarre, auch wenn die großen Hollywood-Zeiten vorbei sind. Aber dann spricht man mit einer jungen Frau, die ihre Jugendjahre in Beilstein verbracht hat, und so ganz anders klingt. Ja, auch Sarika Hemi Lakhani, die sich nach einem Schauspielkurs an der Jugendkunstschule Heilbronn mit einem unheilbaren Bühnen-Virus infiziert hatte, ist Filmproduzentin.

Doch die 32-Jährige arbeitet rund fünf Monate im Jahr in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Jenem Land in Ostafrika, das bislang, anders als das nigerianische Nollywood, nicht für eine ausgeprägte Filmwirtschaft bekannt war, sondern nur allzu gerne als exotischer Schauplatz gebucht wurde. Für Filme wie "Jenseits von Afrika" etwa oder "Die weiße Massai". Ein Unding, fanden Filmemacher wie Tom Tykwer.

Tykwer-Team

Die Absolventin der Deutschen Film-und Fernsehakademie Berlin stieß 2009 zu Tykwers Team von One Fine Day Films. Afrikanische Filmstoffe sollten in Nairobi selbst entstehen. Und das nicht eines fernen Tages. Sondern jetzt. Als Produzentin und Mädchen für alles ist Lakhani dabei, zuständig für die Stoffentwicklung von Filmen, für die Auswahl von Drehbuchautoren, für Kalkulation, Finanzierung und Vermarktung.

Am Montag stellt die Strippenzieherin in den Heilbronner Arthaus-Kinos ihren neuen Film "Something necessary" vor, der sich mit den politischen Unruhen 2007 beschäftigt. One Fine Day Films wird gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, der Film- und Medienstiftung NRW und dem Goethe-Institut.

Oscarnominierung

Doch das Geld, knapp 600.000 Euro im Jahr, versickert nicht: "Die Herstellung eines Films ist nur ein Aspekt unserer Arbeit", so Lakhani. Auch wenn sie zugibt, dass die Tatsache, dass "Nairobi Half Life" als bester ausländischer Film für den Oscar vorgeschlagen wurde, alle beflügelt hat. Jedes Jahr veranstalten sie in Nairobi Workshops, in denen Filmemacher in acht Gewerken fortgebildet werden. Aus diesen Teilnehmern, zuletzt 67 aus neun Nationen, bestimmen sie, wer am nächsten Film mitwirkt.

Einen weiten Weg ist die Tochter einer deutschen Mutter und eines kenianischen Vaters indischer Herkunft gegangen. Vom Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein, wo sie damals eine Theatergruppe ins Leben gerufen hatte, an die Filmakademie in Berlin bis nach Nairobi. "Ein unglaubliches Glück."

Filmvorführung

Sarika Lakhani präsentiert am Montag 25. Februar, 20 Uhr, in den Arthaus-Kinos Heilbronn mit dem Team "Something necessary".


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