Viel Beifall für alte Meister

Kilianskirche:Umjubelte Hymnus-Chorknaben aus Stuttgart

Von Martin Betulius

Heilbronn - In der voll besetzten Kilianskirche gestalteten die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben die 778. Stunde der Kirchenmusik. Auch Knabenchöre sind durch die Persönlichkeit ihres Leiters geprägt. Anders als damals üblich sangen die Leipziger Thomaner unter Günther Ramin und Dresdens Kruzianer unter Rudolf Mauersberger eher romantisch; historischer orientiert sind die Windsbacher unter Karl-Friedrich Beringer.

Unter dem langjährigen Dirigenten Gerhard Wilhelm wirkten die Hymnusianer klar, aber der Duktus des Singens zeigte Wilhelms Ausbildung als Konzertpianist. Hanns-Friedrich Kunz, der jetzige Leiter, war Konzertsänger und Schüler von Fischer-Dieskau und Werba.

Kunz bot jetzt außer dem Psalmkonzert „Lobe den Herren“ von Heinrich Schütz zwei Motetten von dessen Zeitgenossen Andreas Hammerschmidt sowie Bachs Motetten „Jesu, meine Freunde“ und „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“.

Man hat solche Werke schon dramatischer und markanter gehört, etwa Bachs Strophe „Trotz dem alten Drachen“ oder den Bass am Schluss der Fuge „Der aber die Herzen erforschet“. Kunz fordert den Chor nicht mit großer Geste heraus, doch er gestaltet durchaus, nur eben schlichter und gesangvoller. Bei Bach spürt man die Dezenz bei „Jesus will mich decken“, bei Schütz drei dynamische Terrassen (piano, forte, fortissimo).

Vielleicht passt diese einfachere, aber gesangliche Art zu einem Knabenchor besser als eine allzu pointierte Stilisierung, zumal das musica viva-Ensemble Stuttgart, barocker Tradition entsprechend, colla parte mitspielte und die Wiedergabe farbig bereicherte.

Es bot auch zwei etwas huschend und wenig prägnant wirkende Sätze aus Telemanns Darmstädter Konzert, sowie das Adagio aus Bachs Konzert d-Moll BWV 1060, wobei die Sologeige hinter der Oboe zurücktrat, vielleicht aufgrund der niedrigen Platzierung. Langer Beifall für den beliebten Chor.


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