Ungewohnte Harmonien

Koch/Rau in der Musikstation

Von Hans-Ulrich Köhler

Nanna Koch, stellvertretende Konzertmeisterin bei Jörg Faerber, wurde von Hermann Rau zu zwei Konzerten in die Sontheimer Musikstation eingeladen, in denen es an Überraschungen nicht fehlte.

Die Sonate Es-Dur op. 12/3 für Klavier und Violine von Beethoven mit ihrem anspruchsvollen Klavierpart und nicht abreißenden Schwung hat den Bereich der Hausmusik in Richtung Konzertsaal verlassen. Die beiden Duo-Partner betteten das gesangliche, fantasievolle Adagio con molto expressione liebevoll zwischen die energiegeladenen schnellen Sätze. Musik zum Genießen.
Gespannt durfte man auf das sein, was Michael White (geboren 1930) über drei Bilder mit dem Titel „Klee on Klee“ in Töne umsetzte. Die Wege von Nanna Koch als Studentin und Stipendiatin der Internationalen Rotary-Stiftung und White als Professor kreuzten sich in den späten 80ern an der Juilliard School of Music in New York.

  Die Impressionen des Amerikaners sprachen trotz ungewohnter Harmonien durch die beseelte Interpretation an. Poesievoll und meditativ erklang ein Pastorale, mit Sprüngen und Klangfülle fast bildhaft das marschmäßige Reiterstück „Candide on Horseback“ und atmosphärisch schwebend das Selbstbildnis von Paul Klee im fast leeren Atelier. Auch für Rau am Flügel war die Suite eine heikle, aber mit Präzision und Gefühl gelöste Aufgabe.

Eine Kuriosität war die abschließende „Dreimänner-Sonate“. Im Freundeskreis beschlossen Robert Schumann, sein stürmisch vorwärtsdrängender Schüler Albert Dietrich und Johannes Brahms, ihren vierten Kameraden, den Spitzengeiger Joseph Joachim, mit einer besonders schwierigen Aufgabe zu fordern. Nach den Noten „F.A.E.“ (Frei aber einsam), einem Motto Dietrichs, entstand eine sehr virtuose Sonate, deren 1. Satz, Allegro, von dem jungen,  energievollen Dietrich stammte. Der 2. Satz, ein eher beschauliches, liebenswürdiges Intermezzo und ein 4. Satz, der von der Violine höchstes Können verlangt, stammte aus der Feder von Robert Schumann. Flott, ja rasant, erklang der 3. Satz Allegro von Brahms. Die von den jungen Komponisten 1853 in Düsseldorf veröffentlichte Sonate wurde 1939 wiedererweckt.

Das umfangreiche Konzert auswendig zu spielen, erforderte eine enorme Gedächtnisleistung. Die Prüfung, welche die drei romantischen Tonschöpfer dem in ganz Europa gefeierten Geiger Joachim auferlegten, dürfte Nanna Koch mit ihrem einfühlsamen und souveränen Spiel ohne jeden Zweifel bestanden haben, unterstützt durch die präzise Partnerschaft von Hermann Rau.