Und ewig hält die Männerfreundschaft

Schwäbisch-kurpfälzische Fassung von „Indien“ in den Kammerspielen

Von Uwe Grosser

Und ewig hält die Männerfreundschaft
Mal so richtig einen saufen, da kommen Bösel (Ferdinand Grözinger, links) und Fellner (Martin Herrmann) sich näher.

Foto: Katja Zern

Wenn aus der Musikbox „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens dröhnt und an einem Tisch ein einsamer Mann ein Schnitzel mit Kartoffelsalat verputzt, ist schnell verortet, wo wir uns befinden: in einer deutschen Wirtschaft. Der Mann im braunen Cordanzug heißt Heinz Bösel, ist ein ganz arg schwäbischer Schwabe und Gastronomietester. Die wenig heimelige Gaststätte (Ausstattung: Susanne Cholet) befindet sich in den Kammerspielen Heilbronn und ist Schauplatz der Tragikomödie „Indien“.

Kurt Fellner heißt der andere, der Kurpfälzer, der viel auf seine gefühlte Bildung und seinen charmanten Umgang gibt. Er bewertet die Fremdenzimmer, während Bösel sich auf die Angebote der Speisekarte stürzt. Ferdinand Grözinger spielt diesen Bösel, diesen verbohrten Schwobaseggl. Martin Herrmann ist der ach so kultivierte Kurpfälzer. Zusammen sind sie unausstehlich und verachten sich zutiefst. Ein Traumpaar also für das Theater. Bösel und Herrmann haben das Stück der beiden Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer auch übersetzt: aus dem Österreichischen ins Schwäbische und Kurpfälzische. Schon dabei ist ihnen ein famoser Streich gelungen. Mundartschwänke sind meist peinlich, oft unerträglich.

Grözinger/Herrmann aber haben dem Original seine Seele belassen und die österreichischen Derbheiten mit viel Feinsinn für die Eigenheiten des jeweiligen Dialekts übertragen. Eine deftige Sprache, so oberflächlich und tiefgründig wie ihre Sprecher. Diese beiden Übersetzer und Schauspieler bescheren dem Theater Heilbronn eine der witzigsten, galligsten und bösesten Inszenierungen dieser Spielzeit.

Regie führt Günther Beelitz, ein Altmeister des Theaters, der ganz offensichtlich ein feines Gespür nicht nur für seine Schauspieler, sondern auch für Atmosphäre hat. Zwischen elender Drecksau und liebevollem Freund lässt er alle Facetten der Zwischenmenschlichkeit aufschimmern, denn die beiden Herren, die im Auftrag des offiziellen „Hotel- und Gaststättenführers Baden-Württemberg“ unterwegs sind, haben nicht nur eine Mission in Sachen Fremdenverkehr. Sie sind auch auf dem Weg zueinander und zu sich selbst.

Auf ihrer Reise durch die Gasthöfe der Region Heilbronn entsteht eine Männerfreundschaft, die bis zum Tod hält. Dass diese Entwicklung so glaubwürdig, fast zwingend vonstatten geht, ist die herausragende Leistung der beiden Hauptdarsteller. Sie philosophieren auf ihre Art über Gott, die Welt und Indien, sind mal frauenfeindliche Schweine, mal einsame kleine Jungs, die am liebsten heute noch mit ihrem roten Tretauto um den Christbaum kreiseln würden. Hut ab vor Grözinger und Herrmann.

Aber da ist noch einer: Gerold Ströher als Wirt, Arzt und Priester, der seine kurzen Auftritte zu kleinen Momenten der Aufmerksamkeit macht. Denn er ist die Welt, an der die anderen beiden sich reiben.

Die nächsten Aufführungen: Freitag, 16. März, und Sonntag, 18. März, jeweils 20 Uhr. Karten gibt es unter 07131 / 56 30 01.