Üppiges Mantel- und Degenspektakel

Gefeierte Premiere des Musicals „3 Musketiere“ im Apollo Theater in Stuttgart

Von Uwe Grosser
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Ein famoses Quartett, das sowohl gesanglich als auch in den Fechtszenen überzeugt: (von links) Enrico de Pieri, Thomas Hohler, Jens Janke und Marc Clear.

Foto: dpa

Man kann aus fast allem ein Musical machen, doch manche Stoffe eignen sich ganz besonders für diese besondere Form der leichten Muse, die schon immer mehr an das Herz appelliert hat als an den kritisch-analytischen Denkapparat. Alexandre Dumas’ Mantel- und Degenroman „Die drei Musketiere“ aus dem Jahr 1844 ist solch ein Stoff.

André Breedland hat daraus eine Bühnenfassung destilliert, die Brüder Rob und Ferdi Bolland steuerten die Musik und Songtexte bei, und unter der Regie von Paul Eenens entstand daraus ein Musical, dessen Medienpremiere am Samstagabend im Stuttgarter Apollo Theater mit viel Beifall gefeiert wurde.

Bühnenzauber Nun ist „3 Musketiere - Das Musical“ nicht mehr ganz taufrisch - Uraufführung war 2003 in Rotterdam, und ab April 2005 lief es anderthalb Jahre in Berlin -, doch für die Stuttgarter Inszenierung hat Regisseur Eenens noch einmal Hand angelegt.

Drei Stunden lang entfacht er einen Bühnenzauber, der alles bietet, was Musicalfreunde schätzen: Liebe, Intrigen, Mord, Action und eine Reihe gefälliger Songs, die das ganze Musicalspektrum vom üppigen Streichersatz bis zum Rocksong mit fetten Bässen und hartem Schlagzeug abdecken. Das 26-köpfige Orchester unter der Leitung von Michael Reed macht aus der Partitur einen Ohrenschmaus. Dazu kommt ein wahrer Rausch an Kostümen (Yan Tax), der deutlich macht: Hier wird an nichts gespart.

Vier Haudegen Die Geschichte, die im 17. Jahrhundert zur Zeit von Ludwig XIII. spielt, kennt wohl jeder. Das Landei d’Artagnan kommt nach Paris, um ein Musketier zu werden. Er schließt sich den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis an, und ab geht die Post. Die königstreuen Haudegen stellen sich gegen Kardinal Richelieu, der die Macht im Staate an sich reißen will. Nebenbei verliebt d’Artagnan sich natürlich noch in ein junges Ding namens Constance.

Das Potenzial für schwerste Konflikte ist da, und es wird auch ausgeschöpft. Von schnulzigen Liebesszenen bis zu furiosen Fechtchoreografien bietet Regisseur Eenens alles auf, was den Zuschauer emotional hin- und herreißen kann. Im Fall der „3 Musketiere“ ist das allerhand, und doch reicht es nicht, um drei Stunden lang für Hochspannung zu sorgen. Vor allem nach der Pause verliert die Inszenierung erheblich an Tempo und damit auch an Balance. Zu viel Innigkeit, Herzschmerz und religiöses Pathos machen die letzte halbe Stunde zu einer recht schmalzig-zähen Angelegenheit.

Dennoch gehört „3 Musketiere“ mit seinem durchweg ansprechenden Songmaterial zu den besseren Musicals, auch wenn der große Ohrwurm fehlt. Letztendlich steht und fällt aber alles mit der Qualität der Schauspieler, und die ist in Stuttgart von erster Güte. Die absolut professionell produzierte Show verfügt über ein Ensemble, das stimmlich, schauspielerisch und tänzerisch in der ersten Musical-Liga mitspielt. In Sachen Gesang verdient sich diese Produktion durchweg Bestnoten, wobei Ethan Freeman als Richelieu und die faszinierende Pia Douwes als intrigante Mylady de Winter noch herausragen. Thomas Hohler ist als d’Artagnan ein brillanter Allrounder, der alle drei Disziplinen souverän beherrscht; Gesang, Schauspiel und Tanz. Und natürlich noch die Fechterei. Die überzeugenden Fechtkampfszenen wurden von Malcolm Ranson choreografiert.

Abgerundet wird die Leistung der Macher hinter den Kulissen von Eric van der Palen, der als Bühnenbildner eine bestechende Mischung aus Kulissen und Rückprojektionen geschaffen hat, die ein atmosphärisch stimmiges Bild jener Zeit entwirft. Ein großer Wurf ist das Schiff, mit dem d’Artagnan im Stil des Fliegenden Holländers über den stürmischen Ärmelkanal nach England segelt. Was für das Musical „Miss Saigon“ der Hubschrauber war, ist für „3 Musketiere“ das Schiff. Und für das Publikum sind diese „3 Musketiere“ mit ihren recht einfachen, aber ungeheuer wirkungsvollen Choreografien ein Genuss für Auge, Ohr und Bauch. Mehr kann man nicht verlangen.

Info: Das Musical „3 Musketiere“ wird mittwochs 18.30 Uhr, donnerstags und freitags 19.30 Uhr, samstags 14.30 Uhr und 19.30 Uhr, sonntags 14 und 19 Uhr aufgeführt. Die Eintrittspreise liegen zwischen 39,90 Euro und 99,90 Euro plus zehn Prozent Vorverkaufsgebühr und 2 Euro Systemgebühr pro Karte. Ticket-Hotline: 01805 / 4444.

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