Tonige Landschaften und Knallfarben

Löwenstein  Löwenstein - Rut Hanselmann stellt in der Evangelischen Tagungsstätte aus

Von Martina Kitzing-Bretz

Tonige Landschaften und Knallfarben

Ein Beispiel für den frischen Umgang von Rut Hanselmann mit Farben. Die Tagungsstätte Löwenstein zeigt Bilder der 85-jährigen Malerin.

Foto: Kitzing-Bretz

Die Natur ist nicht an der Oberfläche, sie ist in der Tiefe. Die Farben sind der Ausdruck dieser Tiefe an der Oberfläche", beschrieb Cézanne die Farbe als Ausdrucksträger der subjektiven Wahrnehmung der Natur in der Malerei. Mit seinem frühen Expressionismus überwand der Maler den flüchtigen, oberflächlichen Natureindruck des Impressionismus.

Die Künstlerin Rut Hanselmann, die im Januar 85 Jahre alt geworden ist, vermittelt in der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein den Eindruck ungebrochener Schaffenskraft. Unter ihren Stillleben und Naturlandschaften hängen eine Reihe neuer Bilder, in denen sie an die Farbharmonie früherer Arbeiten anknüpft. Auch sie zeigen − im Sinn von Cézanne und der Expressionisten − eine persönliche Sicht auf die Natur. Ihren Subjektivismus drückt Hanselmann durch vom Naturvorbild abweichende Perspektiven, vereinfachte Formen und eine autonome Farbgebung aus.

So malt sie einen Strauß aus Lilien und einem Holunderzweig auf rundem Tisch vor einem Hintergrund aus ungebundenen Farbflächen in Rosarot und Orange. Rot und Grün gesellen sich als den Ausdruck steigernder Farbkontrast dazu.

Experimentierfreude

Der Einsatz einer starken, nur durch ausgespartes Weiß gemilderten Farbigkeit kennzeichnet gerade ihre jüngsten Arbeiten und belegt die Experimentierfreudigkeit der Malerin, die seit über 60 Jahren als Künstlerin tätig ist. Mit einem kräftigen, die Natur überzeichnenden Rot setzt sie auch mal einen farbigen Akzent, einen "Knallpunkt" wie sie es nennt, und verleiht damit einer Komposition einen Schwerpunkt. Die tonige Landschaft des zwischen Untergruppenbach und Talheim gelegenen Hohrainhofs mit seinem knallroten Dach ist ein Beispiel für eine solch akzentuierende Malerei.

In der Kunst von Rut Hanselmann halten sich Abstraktion und Figuration die Waage, und die Künstlerin verzichtet nicht vollkommen auf die Illusion von Raum und Wirklichkeit. Schwarze Umrisslinien und Ritzungen sorgen in ihrer Malerei nicht nur für eine Strukturierung der Farbfläche und eine Spannung zwischen Linie und Fläche, sondern auch für die Verortung der schwimmenden Farbfelder. Mit der Ästhetik ihrer Bilder, die auf sorgfältig aufgebauten Kompositionen, einer harmonischen Farbgebung und einem dynamischen Pinselstrich beruht, hat sich Hanselmann das Kunstpublikum der Region Heilbronn und Stuttgart erobert.

Ausstellungsdauer

Bis 8. Oktober. werktags 8 bis 18 Uhr, sonntags bis 12 Uhr.