Straff durch die Bach-Motette

Hymnus-Chorknaben Stuttgart zu Gast in der Kilianskirche

Von Lothar Heinle

Heilbronn - Großer Andrang in der Kilianskirche: Eltern und Freunde der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben geben der ersten Stunde der Kirchenmusik nach der Sommerpause einen würdigen Rahmen. Die Hymnus-Chorknaben zählen zu den traditionsreichsten Chören im Land, sind aber nicht in Tradition erstarrt. An Altes erinnern noch die Talare der jüngeren Knaben, obwohl diese in Zeiten von Harry Potter auch einen gewissen Coolness-Faktor haben. Musikalisch geht man mit der Zeit, und Dirigent Hanns-Friedrich Kunz vermittelt überzeugend, dass Motetten von Schütz eigentlich mehr sprechend als singend darzubieten sind.

Kunz vermeidet forsche Einheitstempi, er lässt dem Chor genügend Raum zur sinnvollen Textformung. Obwohl die zwei vierstimmigen Chöre bei „Singet dem Herrn ein neues Lied“ nicht räumlich getrennt stehen, vermitteln die Knaben durch sauber abgelöste Einsätze und federndes Hineinsingen etwas vom gedachten Raumkonzept hinter der Musik. Kleine rhythmische Unebenheiten bei „Wie lieblich sind Deine Wohnungen“ werden schnell abgefangen.

Straff geht es durch Bachs Motette „Der Geist hilft unserer Schwacheit auf“ BWV 226. Dicht geführt folgen die kanonischen Imitationen beider Chöre, sehr pointiert verlaufen die Fugeneinsätze auf „Der aber die Herzen forschet“. Mit dem Choral „Du heilige Brunst“ erhalten die Temporelationen einen logischen Abschluss. Bei „Singet dem Herrn ein neues Lied“ BWV 225 ist auf schwungvollen Bögen wahre Sangesfreude zu spüren, hier glänzen die in sich sehr homogenen Sopran- und Altstimmen mit kerniger Stimmkraft.

Zwischen den Motetten verschafft das ohne Dirigent agierende Ensemble musica viva Stuttgart dem Chor kleine Atempausen. Mit sanftem Streicherklang entfaltet sich das II. Concert von Rameau, das feine Klangpreziosen bereithält.


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