Stöckchenspiele und Klassiker im Jazzclub Cave 61

Heilbronn - Nein, das sind keine Wutausbrüche eines wild gewordenen Drummers.

Von Martin Nied
Volle Konzentration: Max Greger jr. im Cave 61 im K3.Foto: Nied

Heilbronn - Nein, das sind keine Wutausbrüche eines wild gewordenen Drummers. Das sind veritable Soli, die der österreichische Drummer Heini Altbart da im Cave zum Besten gibt. Die dulden halt kein weiteres Instrument neben sich, wenn sie einmal einen gewissen Grad an Ekstase erreicht haben.

Das lässt Böses ahnen: Wird das etwa zu einem High-Speed-Abend, bei dem sich der Drummer - angekündigt als „Showdrummer in der Tradition von Buddy Rich, Gene Krupa, Louis Bellson, ein Akrobat am Schlagzeug mit explosiver Power, Ausdauer und Liebe zur Musik“ - einmal richtig austoben darf?

Beruhigende Ballade

Glücklicherweise folgt auf die ersten beiden Stücke, die solche Ahnungen durchaus bestärken, eine beruhigende Ballade. Pianist Max Greger jr., Bassist Mini Schulz und der Schlagzeuger treten wieder zurück in die Reihe, sind ganz brav. Harmonie kommt auf in der Gruppe. Die Rhythmusgruppe macht den Groove und Greger sieht seine Harmonielinien, klar und scharfkantig wie junge Kondensstreifen am blauen Himmel.

Lange geht das allerdings nicht so. Auf die Ballade folgt Oscar Petersons „Mountain Swing“, der den Rhythmuskerlen wieder alles abverlangt und sie erneut zur Entfaltung ihres Temperaments antreibt. Der Bassist gibt alles, zupft und streicht sein Instrument und Heini - er kann's nicht lassen.

Swing, Blues, Bossa Flockig und locker musizieren sich die drei durchs Programm und achten dabei auf Political Correctness: Swing, ein bisschen Blues und ein Bossa fehlen genauso wenig wie die Klassiker aus dem American Songbook. Wenn sich so bekannte Jazzklassiker wie „Caroline“, Gershwin's „I Got Rhythm“ oder „Route 66“ aneinander reihen, ist schnell von Populismus die Rede. Und die überlangen Soli von Heini Altbart, die zu regelrechten Stöckchenspielen geraten, bestärken diese Vermutung.

Aber vor allem Bassist Mini Schulz leitet fast immer rechtzeitig die Wende ein, so dass das Programm nie auf Grund läuft und das Publikum begeistert klatscht.


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